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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-05-06 · Heft 19 (6.5.1873) · p. Seite 309

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 19 (6.5.1873)
Date
1873-05-06
Page
Seite 309 (sequence 7)
Language
German
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309 kund und zu wissen: Großhcrzogliche Landesregierung hat jetzt die Zurückziehung der der Stadt zur Erhaltung der Schule bisher gewährten Sublevatiou von 200 Thlrn. Gold bei dem Greßhcrzoge beantragt, und wird der Magistrat benachrichtigt, das: dieser Antrag die allerhöchste Genehmigung gesunden hat, und die grosrhcrzogliche Finanzcommissiou zur Einbehaltung angewiesen ist." Dieser UkaS datirl nicht auS der Zeit vor 1$ IS, sondern vom 25. März 1873. Erfurt, 2-1. April. (Privatm.) 'Als ein mustergiltigeS Beispiel lassen Sie mich Folgendes berichten. Ter bisherige Eantor unserer Gemeinde, Herr Glück, schied, nach zwanzigjähriger segensreicher Wirksamkeit, auS seinem Amte. Die Liebe und Anerkennung, welche Herr Glück sich während seiner AmtSwirksamkeit erwarb, gab sich denn auch in dem hochherzigen Entschlüsse der Gemeindevertreter kund, dem Iubilarc eine lebenslängliche jährliche Pension von 300 Thlrn. zu bewilligen, obgleich weder das Gemeindestatut, noch sonst eine Elausel sie dazu verpslichteten. Herr Glück hat sich um Synagoge und Schule sehr wesentliche Berdienste erworben. Am letzten Pestachtage wurde rer Amtsaustritt, sowie der Eintritt seines Nachfolgers, Herrn Rothschild, bei dem Gottesdienste feierlich begangen, wobei die Nere des Gemeindevorstehers, Herrn Moos, und des Gemeindepredigers, Herrn l)i-. FaraszewSki, einen trefflichen Eindruck machte. Hannover, ic>. April. Der „Franks. Zeit." schreibt mau von hier aus: Ein hiesiger geachteter jüdischer Arzt, Dr. Edel, hatte sich geweigert, einen ihm geborenen Knaben der rituellen Beschnei du ng zu unterwerfen. Als dieses Kind vor einigen Tagen starb und Herr Dr. Edel die Beerdigung desselben auf dem jüdischen Friedhöfe nachsuchte, erhielt er folgendes Rescript: „Durch unser Mitglied Herrn B. ist unS mitgetheilt worden, daß Sie wünschen, Ihr verstorbenes Kind auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe begraben zu sehen. Wir haben, so ausrichtig wir Ihren Verlust beklagen, doch im Hinblicke auf die Ihnen seiner Zeit, bei Verweigerung der Beschneidung, durch den Unterzeichneten gemachten Eressnungcu, zu constatircn, das; wir einstimmig der Ansicht sind, das; dem Kinde, da es factisch dem Iudenthume entzogen ist, ein Platz aus dem jüdischem Friedhofe eigentlich nicht gebühre. Indes; wollen wir Ihrem Wunsche insoweit Rechnung tragen, das; wir die Beerdigung auf einem besonderen Platze unseres Friedhofes gestatten wollen, aber als Verein unsere Mitwirkung dabei zu unserem Bedauern versagen müssen. Unser Pedell wird angewiesen werden, das Nöthige zu besorgen — wobei selbstverständlich vorausgesetzt ist, daß den rituelleu Bedingungen in jeder Weise Genüge geleistet werde. Die Dircetion des WohllhätigkeilsvereineS der Synagogengcmeinde Hannover, Namens derselben Dr. Sam. Meyer, der Zeit Vorsitzender." ' Zum Verständnisse ist zu beincrken, das; der „Wohtthätigleitsverein" die VeerdigungSangelegenheiten der Gemeinde zu leiten hat, und der Vorsitzende desselben, welcher daS Schreiben unterzeichnet hat, der Rabbiner ist. Das Kind des Dr. Edel ist in einem abgesonderten 'Winkel des Friedhofes beerdigt worden. Fürth, im April. (Privatmitth.) In Nummer -10 der Allgemeinen Zeitung deS IudenthumeS von 1872 berichtete ich über die Einführung der Orgel in hiesiger Hanptsynagogc. Freitag den 11. d. erklangen nun zum ersten Male die Töne derselben beim öffentlichen Gottesdienste, und siehe da — die Synagoge ist nicht nur nicht eingestürzt, sondern war vielmehr sowohl an diesem Vorabende des Peßach, als auch an den beiden folgenden Festtagen, stärker als je um diese Zeit gefüllt. Ob dieser Frequenz eine Dauer zu prognostieiren ist, wird erst die Zeit lehren müssen, wir sind nicht all zu optimistisch dafür gestimmt. Besonderes Verdienst um die zur Erweckung religiöser Gefühle und zur Verherrlichung des Gottesdienstes dienende Orgel hat sich der Mitvorstand, Herr Bernhard Ullmann, erworben, durch dessen rastlose Tbätigkeit die schon so lange schwebende Orgelsrage einem gedeihlichen Ziele zugesührt wurde. Herr Substitut 'Dr. Neubürgcr benützte nun diese Gelegenheit, um demselben und Allen, die das Werk gefördert haben, in der am ersten Tage des Peßach gehaltenen Predigt gebührenden Dank zu zollen, und sprach dann anknüpfend in sehr gelungener Weise über „die -gedankliche Durchdringung des IudenthumeS mit der fortgeschrittenen Entwickelung der Neuzeit", besonders betonend, daß der Eultus des Idealen die Hauptaufgabe rer Religion sei, und es Ausgabe der Jetztzeit wäre, diese große, schwierige Arbeit zu vollziehen. Redner will den ewigen Lehr- und S-ttengehalt des Iudenthumes mehr gepflegt und gefördert wissen, bezeichnet ihn als dcsien Wesen und Ziel, statt, wie dies vielfach geschieht, zur Erhaltung desselben die unbedingte Beovachtung von Eeremonieen :c. zu betonen. Die am zweiten Tage des Peßach gehaltene Predigt schloß sich der ersten würdig an, und handelte von der „Wiedereinführung der Grundlagen früherer Zeit im öffentlichen Gottesdienste." Man wird nun jetzt mit Reform des Letzteren hier Vorgehen müssen. In unserer Zeit hat sich in religiöser Anschauung und in ihrer Geschmacksrichtung Großes verändert, und so ums; auch der Eultus nothwendig andere Formen annehmen, um für die Betheiligten den rechten AuSdruck ihrer Ueberzeugung darzubieten. Verkürzung deS Gottesdienstes und Verbindung der hebräischen mit der Landessprache im Letzteren werden die leitenden Grundsätze sein müssen, von denen man dabei auszugehen hat, und wir hoffen von unseren strebsamen Vorständen, das; sie in diesem Sinne wirken werden, und dadurch zwischen den Iceecn, die sich innerhalb des Iudenthumes in der Gegenwart immer mehr Raum schassen, und der wirklichen Erscheinung des Iudenthumes, die Uebereinstiummug und den Zusammenhang auch in hiesiger Gemeinde immer mehr Herstellen.

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