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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-05-06 · Heft 19 (6.5.1873) · p. Seite 305

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 19 (6.5.1873)
Date
1873-05-06
Page
Seite 305 (sequence 3)
Language
German
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305 33i [arabicn, sprechen deutsch, so sehr dies auch im Laufe der Zi .en corrnmpirt ward. Woher dies gekommen ist? Die Analog e giebt uns Ausschluß darüber. Co bewahrten die aus ren gri chischen Ländern — das waren damals auch Syrien und Ai typten — gekommenen Juden selbst in 9roln und Italien lat ge Zeit die griechische, die unter den Arabern ansässigen Jute" auch in anderen Ländern die arabische Sprache; die nach Hi:iandgeflüchteten Juden gaben erst in neuerer Zeit ihr Spanisch av', das in eorrumpirter Gestalt die türkischen Juden (als spanir lisch) noch heute sprechen. Alle Völker, die nach fremden Si ren verpflanzt werden, besitzen nur eine Zeit laug die Besä, 'gung, sich der Sprache ihrer neuen Wohnstätten zu bemächtig u, sich der herrschenden Nation in Sprache und Sitte zu asslN ltiren; werden sie dann abermals nach anderen Asylen verjagt, ur? konimen sie daselbst unter ungünstigen Umständen als Ausge i.lossene und nur Geduldete an, so bewahren sie mit großer Zähigkeit die Sprache, die sic milbriugeu, und verpflanzen sie fcc.i Geschlecht auf Geschlecht, bis für sie eine neue Culturbewegv g beginnt und die Station sie in sich aufnitnmt. Wir haben dal er zu folgern, daß die Juden während der ersten Perioden Leo Mittelalters in Deutschland in großen Massen vorhanden wc een, und sich,'wie bekannt, gut behandelt, ja vielfach in geas eter Stellung, der deutschen Nation eitg anschlosfen, .und deren Sprache annahmen. Mit der zweiten Hälfte des Miitelaln.ö begannen in Deutschland blutige Verfolgungen, engherzige A: fchließung, und die Juden strömten nach Osten, nach den S. wen- und Magyarenländern. Sie wurden daselbst geduldet, ab e von vorn herein von den dortigen Rationen ausgeschlossen in . in Absonderung, Beschränkung und Verachtung gehalten. Sr sammelten sie sich daselbst an, denn zurück durften sie nicht, Le:,'elten die deutsche Sprache, und wurdet: in dieser Hinsicht W, er von den Slaven, noch von den Magyaren assimilirt. Le er ist dieses Verhältniß so geblieben, und selbst die Grundsä! e der jetzigen Gesellschaft suchten die Polen nur für sich zu benutzen; sic waren überall geneigt, die mit ihnen wohnenden S mme davon auszuschließen, und weder den Rnthenen, noch den D> ruschen und Juden, die Rechte znzugestehen, die sie für sich in Ai pruch nahmen. Gerade also in den Ländern, in welchen die Len eren so ausgedehnte Aufnahme fanden, bildete sich in unser Zeit ein gespanntes Verhältniß zwischen den Polen und Ji en, und nicht minder zwischen den Letzteren und den Ezechen, wö reud die Magyaren, wenn auch zögernd, schließlich die Gruntsä"e der Gleichberechtigung annahmen. Wie natürlich, sielen bei de. Dheilnng Polens auch die Juden den drei Reichen zu, die sis das weite Gebiet der Polen aneigneten; Rußland mit der gl -len, Oestreich mit einer mittleren, Preußen mit der geringeren Z ul. Mit der seit ld ld gestatteten Freizügigkeit trat eine nicht m eträchtliche Auswanderung aus der Provinz Posen nach den ii'i : gen Theileu Preußens, sowie nach America ein, während jetzt <ri;: aus den ehemaligen polnischen Provinzen die Einwanderung in die übrigen russischen Gebiete allmälig anhebt. Waren so die anderen Kronländcr Oestreichs von zahlreichen Juden bewohnt, so schloffen die eigentlichen deutschen Provinzen dieses Reiches, in ihrer angestrebten Glaubenseinheil, dieselben aus, und erst die 'Neuzeit sah in Wien einen starken, in das Erzherzogthum, in Tyrol und Steiermark, wie in Krain und Kärnthen, einen schwachen Zufluß eintreten. So ist eS gekommen, daß, während die drei nordischen Staaten, Großbritannien, Holland, Belgien, Frankreich, die Schweiz und Italien, Spanien und Portugal zusammen, nur von circa lso,<u>u Juden bewohnt werden, Deutschland (mit Einschluß des neuen Reichslaudes), Oestreich, Rußland und die Tonauländer zusammen l Millionen seßhaft haben, wovon nicht ganz eine halbe Million aus Deutschland kommt. In Nordamerica brachten die uneingeschränkte Zugänglichkeit und die völlige Glaubensfreiheit mit der steigenden Einwanderung auch eine wachsende Zahl unserer Glaubensgenoffen herbei, die jetzt zwischen zwei- und dreimalhundertlausend Seelen daselbst geschätzt werden. In den übrigen Theilen Anierica'ö giebt es, mit Ausnahme einer und der anderen westindischen Insel, wie der dänischen St. Thomas, und der holländischen Eolonieen Paramaribo und Eurm-ao, nur versprengte Bekenner dieses Glaubens, die in diesen unruhigen Republiken und dem brasilianischen Kaiserreiche, thcilö offieiell, Shells nicht ossiciell, geduldet werten. Einen freien Zutritt hatten sie and> in die australischen Inseln, wo in den größeren Städten, wie Sydney, Melbourne und Adelaide, aber atich in Neuseeland, sich bedeutende Gemeinden angesammelt haben und im 'Wachsen begriffen sind. Es bleibt uns nun noch üluig, Asien und Africa zu besuchen , und von diesem aus die ctllturhistorische Umschau zu halten. Der Judenhaß des llltramanlanismus. n. Auf Grund des Preßaesetzes forderten wir von der Redaclion des wiener „Vaterlandes" Ausnahme einer Berichtigung des in seiner Nummer vom n. April gefälschten Eitates unserer Resolution bei der leipziger Synode <s. Nr. 17 d. Bl.). Diese Berichtigung brachte denn auch das „Vaterland" vom 17. April. Zugleich hatten wir einen etwas ausführlicheren Artikel an die „Neue freie 'Presse" gesandt, welchen dieses Blatt in seiner Vir. vom lb. April ausnahm, wofür wir ihm unseren Dank aussprechen. Unsere Absicht war, daß in jenen Kreisen selbst, in welchen das gefälschte Eilat gelesen worden ist, auch die richtige Faffung bekannt werte. Weiler Nichts. Denn wir setzten voll vornherein voraus, daß ein ultramontanes Blatt auch aus der richtigen 19*

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