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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-05-06 · Heft 19 (6.5.1873) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 19 (6.5.1873)
Date
1873-05-06
Page
Seite 304 (sequence 2)
Language
German
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304 die aus der Höhe der Eultur sich befinden, zahlen, werden wirschen bei diesem und jenem ein Fragezeichen nicht unterdrücken können; wir muffen aber unsere Bedingungen sehr erleichtern, wollen wir über diese Zahl hinauSgehcn. Dies ist für unseren (Gegenstand von Wichtigkeit, denn die Eultnrbefchafsenheit eines Volkes ist auch entscheidend für die Zustände unserer Glaubensgenossen, die demselben angehören. — Die größere oder geringere Dichtigkeit der jüdischen Bevölkerung in einem Lande geht selbstverständlich aus geschichtlichen Ursachen hervor. Diese sind im Allgemeinen: wie früh das Land der Eultur sich zuwandte? wie früh cs den Fremden zugänglich ward? und welcher Geist der Duldsamkeit oder Unduldsamkeit daselbst herrschend war und blieb? In der Regel wirkten diese oder zwei dieser Ursachen zusammen ein, oder hoben ihre Wirkung gegenseitig auf. Wenn jetzt in Spanien, außer in Gibraltar unter dem Schlitze Englands, nur wenige Juden versprengt leben, in Portugal sich nur in Lissabon und Oporto allmälig aus den nordasrieanischen Regionen Gemeinden wieder ansammelren, so lag dies, trotz frühzeitiger Cnltnr und Zugänglichkeit, welche die Phönicier, Karthager und Römer schufen, an dem Dämon des Religionshaffes, welchen die Priester in der christlich gewordenen iberischen Halbinsel vor vier Jahrhunderten herrschend machten, und der selbst die Christen gewordenen Mauren und Juden auf dem Scheiterhaufen verbrannte, oder aus den, Lande vertrieb. Frühere Unkultur hingegen, mit Ausschließungssucht 'verbunden, hielt die Juden von den eigentlich russischen Provinzen fern, und an der Gränzc der von Polen und Türken beherrschten Landstriche fest. Alle Unduldsamkeit der Päpste vermochte die Juden in Rom selbst, die dort schon zur Zeit dcS AugustuS über! 0,000 zählten, doch nicht unter 4500 Seelen zu bringen, obschon dieses so früh cultivirte, und den Juden seit einem Jahrhunderte vor der Stiftung des EhristenthumeS überaus zugängliche Italien, durch spätere Ausschließung und Verfolgung, jetzt nur noch eine verhälrnißmäßig geringe Zahl unserer Glaubensgenossen in seinem Schoße zurückgelassen hat. Wie sehr sticht hiervon die Türkei ab! In ihrem Gebiete, so weit eö früher dem griechischen Scepter unterworfen gewesen war, aus welchem die christlich-griechische Unduldsamkeit die Juden fast ganz verdräng: hatte, sauren nach der Eroberung Konstantinopels die flüchtigen Söhne unseres Stanunes eine bereite, ungeschmälerte Zuflucht, so daß viele und zahlreiche Gemeinden der europäischen und selbst der asiatischen Türkei aus den von den Spaniern Vertriebenen entstanden sind. Griechen- . land setzte nach seinem Wiedererstehen die Rohheit gegen die Juden fort, die zwar mit der Erlangung rer ionischen Inseln, namentlich Corfu's, die griechische Regierung gesetzlich beseitigt hat, das griechische Volk aber aus seinem Geiste noch immer liichi entfernen kann, so daß mit Ausschluß dieser Inseln, die bekanntlich früher unter englischem Protectorate standen, kaum ein Dutzend unserer Glaubensgenossen sich innerhalb der Gränzcn dieses Staates niedergelassen haben, und der griechische Pöbel in Smyrna, wie in Odessa, wo er auf Inden trifft, dieselben zu mißhandeln sich geneigt fühlt.' Aber dieses England selbst h üte mit blutigem Schwerte die Inden aus seiner Insel vertrie: iit, und noch sind es kaum zwei Jahrhunderte, daß es fic em .ckn wieder zugelassen hat. Erst die neuere Zeit hat durch Einwanderung die verhälmißmäßig geringe Menge der Juden in England gemehrt, und eine immer noch kleine Zahl nach Schottland und Irland geführt. Verhaltes sich doch ebenso mit Frankr.ich, das nu Mittelalter, nachdem es früher eine Freistätte für oen unglücklichen Stamm gewesen war, ein grausames Spiel mit ihm trieb, ihn wiederholt verjagte und gegen hohe Steuern wi rer zuließ, bis cs ihn gänzlich verbannte, so daß nur in den südlichen Provinzen, die damals nicht unter dem Scepter der si.rnzösischeu Könige standen, sich eine Anzahl erhielt, aus Lothri: gen und Elsaß, nachdem sie Frankreich sich angeeignet hatte, langem eine noch unbedcnteude Masse in das Innere Frankreichs ein.og, und z. B. in Paris noch 1700 kaum ein Dutzend Fämio.cn wohnten, in Paris, das jetzt über 3<»,000 Juden zählt. — Einen Gegensatz zu einander bilden nach unserer Beziehung hin die Niederlande und die skandinavischen "Reiche. In Hol! md eine schon im Mittelalter mächtig erwachsende Eultur, die sich in der Entwickelung mit dem Geiste der Freiheit vermählte, aaS despotische Joch der Hierarchie und der spanischen Gewalt!-.crschast abzuschütteln vermochte, und ihre Grnndseste darin fand, ihr Land zum Asyle aller Verfolgten zu machen, und alle Glrubensbekeuntnisse gleichmäßig zu dulden. Darum auch hier ein verhältnißmäßig starker Zufluß von Juden, eie in ihrer Eris'.mz niemals bedroht waren. Ganz anders die drei skandinavischen Reiche, welche erst spät die diesem Klima entsprechende Rauhheit der Bevölkerung abzustreisen begannen, und selbst aus der ".'Ufennation nur ausschließliche Herrschaft einer Eoufession zo.^it. Deshalb hier nur eine geringe Zahl ansässiger Juden, die in Dänemark seit längerer Zeit, in Schweden erst seit neuerer, in Herwegen seit einigen Jahren einen geduldeten Aufenthalt s mden. Einen gleichen Gegensatz zu Holland bildet die Schnüz, welche, so lange sie von dem kleinlichen Cantönligeist beherrscht war, die äußerste Unduldsamkeit hegte. Rur im Canton Aar-au waren in zwei Ortschaften Juden, und in nicht unbeträchtli her Anzahl, gelitten, bis, zum größten Theilc durch Irupulse von Außen, diese hartnäckig vertheidigte Beschränkung in neuester ^eit siel, so daß sich in der Gegenwart in allen größeren fd)i :cU zerischen Stätten auch jüdische Gemeinden ansanuneln und c?nstituiren. So sind die eigentlichen Wohnstätten der Juden in Euro a: Deurschlaud, die Länder der östreichischen Krone, und die mcr.ctt Landstriche, welche ehemals den Polen gehörten. Als den He. cd, von welchem aus die zuletzt genannten Länder ihre jüdische ' Bevölkerung erhielten, müssen wir Deutschland ansehen. Als '..beweis hierfür gilt die Sprache, denn die Inden aller dieser L -nder, von Böhmen und Litthanen bis nach Rumänien r.nb

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