Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1873)
- Date
- 1873-04-29
- Page
- Seite 297 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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297 auch dem Gemeindevorftande an, und zwar während einer BcrwaltungSperiode als Viceprästvent, und während zweier als Präsident desselben. — Das Andenken des Verstorbenen wird in unserer Gemeinde stets ein gesegnetes bleiben! Der jüngst erstattete Jahresbericht für 1872 des Hierselbst bestehenden Vereines jüdischer Handlungsdiener macht uns mit sehr erfreulichen Daten bekannt. Der Verein zählte an wirklichen Mitgliedern Ende 1571 148, während im Jahre 1872 90 hinzugetreten sind; ausgeschieden resp. gestrichen wurden 26; es blieben mithin Ende 1872 207 Mitglieder. Ehrenmitglieder (selbstständige Kaufleute und Bürger) hat der Verein 32 aufzuwersen. —Das Vereinsvermögen betrug Ende 1871 3503 Rubel: Ende 1872 4 535 Rbl. — Die Lesebibliothek enthält 183 Werke in 373 Bänden, und 26 Zeitschriften in verschiedenen Sprachen. Auch sind mehrere Vorlesungen über interessante, in's kaufmännische Gebiet einschlägige Themata gehalten worden, wodurch namentlich die Theilnahme der jungen Leute für die Zwecke des äußerst ersprießlich wirkenden Vereines sehr geweckt und unterhalten wurde. Demselben wurden überdieß in höchst liberaler Weise durch einen hiesigen Banquier, Herrn I. Berson, auch die Mittel zur Errichtung eines Cursus für Rechnen und Buchhalmng zur Verfügung gestellt. — Den Verein begleiten unsere besten Wünsche! Herr Matthias Berson, Sohn des jüngst verstorbenen Herrn Mayer Berson, ist Seitens der Negierung zum Generalcommissar zur wiener Weltausstellung für das ganze Königreich Polen ernannt worden. Mit dem gleichen Amte war Herr Bcrgsoy bekanntlich auch im Jahre 1871 in St.-Petersburg bekleidet worden: Beweises genug, welches hohen Rufes sich der Genannte in den maßgebenden Kreisen erfreut. Herr M. Berson ist auch Mitglied unseres Gemeindevorstandes. Asien. Smyrua, IO. April. In Folge der im vorigen Jahre zur Zeit des jüdischen PassahfesteS hier vorgekommenen Excesse hat der östreichisch - ungarische Generalconsul an den Commandanten Sr. Majestät Corvette „Zrinyi" das Ersuchen gestellt, seinen Aufenthalt im Interesse und zum Schutze der östreichifchungarischen Staatsangehörigen um einige Wochen verlängern zu wollen. Auch der Commandant deS englischen Panzerschisses „Swiftsure" hat von Malta aus den Befehl erhallen, bis über die jüdischen Feiertage hinaus im Hafen von Smyrna vor Anker zu bleiben. Auf solche Weise werden die von Natur auS feigen griechischen Volksmassen eS sich wohl vergehen lassen, ähnlich, wie im vorigen Jahre, wehrlose Israeliten meuchlings anzufallen. Damaskus, im März. Von hier wird folgender Vorgang gemeldet: Die englischen Missionare haben eine Schule in dieser Stadt eröffnet, und zum Lehrer des Hebräischen einen getauften Juden genommen, Namens Muhablu. Dieses Individuum zieht die jüdischen Kinder durch Geschenke an Kleidungsstücken ' oder Geld nach der Schule, wo man ihnen das Christenlhum lehrt. Die aufgeregten Rabbiner haben den Apostaten und alle diejenigen Juden, die ihre Kinder in seine Schule schicken, exommunicirt. Hierauf baben die Missionare ein sonderbares Manifest, ein Circular, veröffentlicht, worin sie die Juden beschuldigen, das Gesetz verletzt zu haben, indem sie den Cherem ausgesprochen haben, und sich undankbar gegen die Engländer und die Protestanten gezeigt zu haben, die immer die Ersten gewesen seien, welche den Juden in den Momenten des Unglückes und der Verfolgung beigestanden hätten. Man droht, wenn nicht der Bann in einem Zeiträume von sieben Tagen aufgehoben sei, in allen Journalen diesen Act der Undankbarkeit zu veröffentlichen, und den Protestanten zu zeigen, wie die Juden ihre Sympathieen belohnten: man insinuirt darin, daß die Juden von Damaskus-sich nicht wundern sollten, wenn neue Verfolgungen auöbrechen, wenn Unordnungen in Rumänien entstehen sollten. Das Circular schließt, indem es erklärt, daß, wenn die Juden an religiöse Vertheidigungswaffen appelliren', die Missionare das Volk gegen sic aufregen würden. Wir erfahren übrigens, daß eine Deputation der englischen Juden sich zu dem Grafen Shaftcsbury, Präsidenten der Missionsgesellschast von London, begeben habe, um ihm diese Manöver zu bezeichnen, und daß dieser eine vollständige DeSavouirung ausgesprochen habe. lArch. isr.) I e u i l l e t o n. Lie Grabrede eines protestantischen Predigers am; Grabe einer Jüdin. \ Es wurde jüngst in diesen Blättern aus einer baierischen Stadl die Klage erhoben, daß der dortige christliche Pfarrer, welchen ein trostbetürftiger Jude nach dem Tode des dortigen! Rabbiners ersucht hatte, einige Worte am Grabe seiner Frau zu sprechen, diese Gelegenheit benutzt habe, um gegen die Juden eine zelotische Schmährede zu schleudern. Gott Lob, daß es auch an anders gesinnten Männern nicht fehlt. Wir heben daher mit Befriedigung ein Beispiel entgegengesetzter Art hervor, das uns freilich nach dem aus seine Bildung so stolzen Deutschland alldem fernen Siebenbürgen zukommr. Am 1. Januar d. I. wurde zu Mühlbach in Siebenbürgen die greise Frau Babetta Wertheimer aus Oestringen im Großherzogthume Baden, die dort bei ihren Kindern weilte, begraben, und.der dortige protestantische Prediger Heitz hielt ihr die Grabrede. Dieselbe, ausgezeichnet an Ferm wie an Inhalt, machte ein so freudiges Aussehen, daß wir sie in mehreren Exemplaren, theils separat berauSgegeben, theilS in Zeitschriften abgedruckt, B. in dem zu Pest erschei- 17*