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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-29 · Heft 18 (29.4.1873) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 18 (29.4.1873)
Date
1873-04-29
Page
Seite 296 (sequence 10)
Language
German
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296 Oestreich" constituirt hat, und mit bestem Erfolge, und daß sich dieselbe in Verbindung mit der pariser erhalten wolle — und Laß, wie die Mittheilungen zeigen, eine derartige Verbindung zwischen der englischen Allianz in London und dem pariser Centralcomits sich recht gut macht. Die Londoner schicken Geld für die von den Parisern gestifteten Schulen, d. h. nicht im Allgemeinen, sondern für die und die Schule, und übernehmen die Fürsorge für die und die Schule, welche englischem Einfluffe zugänglicher ist. Vor solcher Praxis verschwindet jedes theoretische Bedenken. Es ist z. B. klar, daß von Wien aus für die Juden in Rumänien besser gewirkt werden könne, als von Paris aus. Wir müssen abwarten, wie dieser ganze Proceß in der Gestaltung der Alliance verlaufen werde. Der bisherige praktische Verlauf zeigte, daß Paris im Stande war, besonders Italien und die ferneren westlichen Länder an sich zu ziehen, hingegen in Deutschland und Oestreich verhältnißmäßig nur wenige Partisanen gewann, bis in Deutschland durch das Elend der westrussischen Juden und die Bedrängnisse der rumänischen ein stärkerer Eifer erwachte. Würde also eine organische Verbindung erfindbar sein, so scheinen solche Vereine, wie in England und Oestreich, für die allgemeinen Zwecke größere Mittel zu beschaffen geeigneter zu sein, als bloße LocalcomitLs in einzelnen Städten. Die Mittheilungen über die Schulen im Oriente zeigen manche derselben in blühendem Zustande, andere wieder in elender Beschaffenheit, und immer wieder sind eingegangene wieder einzurichten. Es wird noch langer, langer Ausdauer, und vieler Geldopfer bedürfen, um hierin etwas Ersprießliches geleistet zu sehen, aber man kann nicht verkennen, daß das pariser Comitö jetzt wieder mit großem Eifer hieran geht. Im August 1872 erließ der Sultan von Marokko einen neuen Ferman, der alle Gewaltthätigkeiten gegen die Israeliten verbietet. Nur Schade, daß die marokkanischen Beamten nicht im Geringsten diesen Ferman beachten. Ihr Blatt hat ebenfalls berichtet, wie jüngst ein Gouverneur zu Nabbat die Juden zwang, die abgeschlagenen Köpfe von dreißig Rebellen, und noch dazu am Sabbathe, einzusalzen:c. Die Alliance wandte sich deshalb an die französischen und englischen Residenten zu Tanger, und beide versprachen bei ihrem demnächstigen Aufcnhalte in Marokko den Kaiser anzugehen, nachdrücklichere Maßregeln zu treffen. Die jüdische Bevölkerung zu Cana in Jemen (Arabienhatte seit 80 Jahren die größten Gräuel zu ertragen; sie mußten persönlich sämmtliche Senkgruben der Stadt reinigen, man zwang ihnen auf jede Weise Geld ab, selbst den Aermsten, sie niußten Dinge abkaufen, die Nichts werth waren, verdorbene Lebensmittel rc. 1871 eroberten die Türken das Land, aber noch hat der Zustand sich wenig gebessert; sie getrauen sich nicht, die schwarze Kleidung abzulegen, die sie tragen mußten, sie werden verspottet und mißhandelt. Sie bitten um Intervention bei dem Sultan. DaS Centralcomitö wandte sich an das Comits in Konstantinopel zu diesem Zwecke. Rumänien. Bukarest. 15. April. Fürst Karl hat das berüchtigte Spirituofengesctz sanctionirt, und damit alle die schönen Phrasen Lügen gestraft, die man über seine Selbstständigkeit und Charakterfestigkeit gedrechselt hat. Das Gesetz tritt übrigens erst nach Verlauf von drei Monaten in Kraft. Es könnte also bis dahin noch Manches geschehen. Rußland. Petersburg, 1. April. Durch einen an den Unterrichtsminister Grafen Tolstoi gerichteten Ukas werden die israelitischen Staatsschulen und die Rabbinatsschulen aufgehoben, und statt ihrer Primarschulen unk pädagogische Seminare eingeführt. Warschau, Anfang März. (Privatmittheil.) Die hiesige jüdische Gemeinde hat durch den Tod eines ihrer ehrenwerthesten Mitglieder, des Herrn Mayer Berson, einen schmerzlichen Verlust erlitten. Obgleich hervorragender, vielbeschäftigter Industrieller, lag dem Verstorbenen daö Wohl seiner Glaubensgenossen doch stets sehr am Herzen: er zeichnete sich durch einen ebenso regen Gemeinsinn, wie durch wahrhaft noble Wohlthätigkeit aus. Das schönste Zeugniß für dieselbe legt das Testament des Verstorbenen ab. In demselben werden über 71,000, Rubel für wohlthätige Zwecke bestimmt, und zwar: 50,000 Rubel für Gründung eines jüdischen Kinderhospitales; 3000 Rubel, zur Unterstützung für jüdische Studirendc, für heruntergekommene jüdische Kaufleute, und zur Verheirarhung eines armen jüdischen Märchens; 5000 Rubel für arme Gymnasiasten ('V« für jüdische, ‘/4 für christliche); 3000 Rubel für' den Synagogenbau; 1000 Rubel für den Wohlthätigkeitsverein; 1000 Rubel dem Gemeindevorstande übergeben zum zinslosen Verleihen; 750 Rubel für die Gemeindeverwaltung; 1000 Rubel für die Armen der Colonieen Grojez und Worka; 6000 Rubel zur Vertheilung an wohlthätige Anstalten verschiedener Confessionen; 300 Rubel zum Vertheilen unter die Armen am Beerdigungstage; 00 Rubel an die Dienerschaft des Friedhofes. Zu bemerken bleibt, daß Seitens eines Anverwandten des Verstorbenen den zur Gründung eines Kinderhospitales bestimmten 50,000 Rubeln sofort 30,000 Rubel hinzugefügt worden sind, damit mit der Errichtung desselben baldmöglichst begonnen, und ihm gleichzeitig eine größere Ausdehnung, und eine schönere innere Ausstattung, gegeben werden könne. Ter Verstorbene, der auch Seitens der Negierung durch Verleihung hoher Vertrauensämter ausgezeichnet wurde, hat sich vielfache Verdienste um unsere Gemeindeverhältnisse erworben. So hat er namentlich dafür gewirkt, daß die ehemalige hiesige Rabbinerschule eine reichhaltige Bibliothek und ein Laboratorium bekam; ferner war er eifrig bedacht, alle Humanität-- und Bildungsanstalten der Gemeinde kräftigst zu unterstützen und zu fördern; ebenso war dem Cullus und der Synagoge seine fürsorgliche Aufnierksamkeit gewidmet. Herr Mayer Berson gehörte

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