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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-29 · Heft 18 (29.4.1873) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 18 (29.4.1873)
Date
1873-04-29
Page
Seite 295 (sequence 9)
Language
German
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295 gründliche Kenmniß des Hebräischen, und er konnte daher aus jüdischen Quellen nicht schöpfen. Dies sind seine beiden bekanntesten Werte. Er schrieb schon 1835 auch: Jesus Christ et sa doctrine, welche Schrift von I. Jakobson, Dresden 18-11, übersetzt ward, aber wenig Beachtung fand, wie diese Schrift denn auch dem Schreiber Dieses unbekannt blieb. Dahingegen machte ein letztes Werk Salvadors Üome etJerusalem ein augenblickliches Aufseben, ist jedoch so voller Paradoxen und, wir möchten sagen, erkünstelter Ansichten, daß es bald vergessen ward. Wie gesagt, hat sich Salvador durch seine beiden ersten Werke eine hervorragende Stelle in der jüdischen Literatur erworben, die um so mehr anerkennenswerth ist, als er auch auf das nichtjüdische Publicum eine nachhaltige Wirkung ausgeübt hat. — Kommen wir nun zu seinem Leichenbegängnisse. Seine Familie besitzt ein Erbbegräbniß in der kleinen Stadt Le Bigau im französischen Süden, und eigenthümlicher Weise auf dem dortigen protestantischen Gottesacker. Salvador hatte vor seinem Tode den Wunsch ausgesprochen, in seinem Familienbegräbnisse bestattet zu werden, und dies geschah am 27. März. Der Rabbiner von Nmws, Herr Wehl, stand rer Bestattung vor. Das protestantische Consistorium bewährte eine rühmliche Toleranz. Es bewilligte seinen Sitzungssaal zur Abhaltung der Leichenfeier, und die Bevölkerung wohnte mit großer Andacht der ausgezeichneten Rede reS Rabbiners, und der Rccitirung rer hebräischen Gebete bei. Bei der Bestattung erklang die Kirchenglocke wie bei dem Begräbnisse eines Protestanten. Die Provincialblätter sprechen sich hierüber mit der größten Befriedigung aus. — Wir können diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne einer Curiositäl zu erwähnen, die unserer Ansicht nach einen scharfen Tadel verdient. Wie wir aus den Archives israelites erfahren, hat Herr A. Franck, der rühmlichft bekannte Professor und Mitglied des Institutes, auch Mitglied des israelitischen Centralconsiftoriums, im Journal res Döbats voni t. April dem verstorbenen Salvador einen kritischen Artikel gewidmet. Er fügt hinzu: „Rach einem, der Meditation und der Arbeit gänzlich gewidmeten Leben, hat er riese Welt mit rer Heiterkeit des Weisen verlassen, für den Alles gut ist im Werke Gottes, selbst das Leiden und der Tod. Ungeachtet res Glaubens, den er bis zu seinem letzten Augenblicke bewahrte, an die absolute Bervollkommnung, und an die Zukunft des Mosaisnms, starb er mit einer ganz christlichen Temuth, iudern er durch eine Verfügung in seinem Testamente die Ehren verbat, welche sein Leichenbegängniß umgeben könnten, und die Zeugnisse. die ihm am Rande des Grabesgegeben würden." Diese Phrase von der „ganz christlichen Temuth", noch pointirt durch ras voraufgehenre „ungeachtet" (nialgre), ist in dem Munde eines jüdischen Gelehrten und Mitgliedes res israelitischen Eensistorimns mehr als auffällig. Herr Franck wirft damit einen Stein aus die Millionen seiner Bäter, die vor rem Entstehen res Ehristenthumes „cen Tod rer Gerechten" starben, und die Millionen nach demselben! Da er eben des Mosaismus erwähnte, konnte er sich wenigstens Mosis erinnern, „der remüthig (1:5) war mehr als irgend Mensch auf Erden" N Mos. 12, 3j, der nicht einmal seine Grabstätte dem Volke bekannt werden lasten wollte, damit es dieselbe nicht mit Ehrenbezeugungen, die leicht an Abgötterei streifen konnten, umgebe. Er hätte sich der Demuth Hillels erinnern sollen, der ein Jahrhundert vor dem Stifter des Christenthuines lebte, der zahllosen jüdischen Männer, Heroen an Geist und Charakter, welche demüthig im Schauen der Unbekannlschaft mit der Welt dahingingen; der Ciurichnnigen des Jndenthumes, welche jedes Gepränge mit reu Torten verbieten, und den Großen wie den Kleinen, den Neichen wie den Armen, den Verdienten wie den Verdienstlosen, gleicher Weise behandelt wisten wollen! Jndeß die Luft von Paris scheint ansteckend zu sein: hat doch jüngst Herr I. Deren bü rg eine Abhandlung im Institute gelesen, in welcher er behauptete, daß die Unsterblichkeit der Seele ein, der heiligen Schrift unbekannter Begriff gewesen! ,vgl. unsere Abhau-lung über diesen Gegenstand im II. Bande der „Israelitischen Religionslehre" S. 231 fj.i. Paris, 20. April. «Privaliilitth.» Das zweite Heft des monatlichen Bulletins der Alliance ist erschienen; das Interessanteste, was es enthält, ist der Beschluß hinsichtlich der Delegirknversaiumlung zu Berlin vom 10. November. Das Centralcomite hatte, wie bereits gemeldet, eine Commission zur Prüfung der Resolutionen jener Versammlung ernannt. Diese Commission stattete in'der Sitzung vom 10. Mär; ihren Bericht ab, und sich stützend aus die vielen aus Deutschland gekommenen Gesuche, aus jene Resolutionen nicht einzugehen, und darauf, daß das Ceiilralcomite daran festhalten müste, daß das Band zwischen den Juden der verschiedenen Länder so bleibe, wie es die Alliance geknüpft habe, stellte sie folgende Anträge: .,1. Alle Comites der Alliance zu bitten, die, nach ihren Ansichten, geeigneten Mittel und Wege anzngeben, ihnen, ohne die Einheit der Gesellschaft zu gefährden, so weit wie möglich Theil an der Thätigkeit und Freiheit des Handelns zu gewähren „2. Der Versammlung zu Berlin herzlich für die wohlwollenden Gefühle, die sie ausgedrückt hat, und die sympathischen Kundgebungen zu danken." Diese Anträge, welche allerdings eine völlige Ablehnung der berliner Resolutionen enthalten, wurden einstimmig angenommen. Wir glauben, das Eentralcomite konnte, noch dazu einer so zwiespältigen Kundgebung, wie die berliner Versammlung war, gegenüber, nicht anders handeln, und eS ist nun dem berliner Cow.ir«- überlasten, die Sache fallen zu lasten, oder sie noch einmal aufzunehmen, wozu es eine Handhabe durch die von der Versammlung getroffene Wahl von Vertrauensmännern besitzt. Zweierlei ist gerade auf diesen Gegenstand hin noch Bemerkenswerthcö in diesem Hefte: zuerst, daß dem Ceniralcomitö einfach die Anzeige geworden, daß sich in Wien „eine Allianz in 18

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