Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1873)
- Date
- 1873-04-29
- Page
- Seite 292 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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in seiner Anzeige res uns unbekannten Werkchens von De. Max Simon: Hundertjähriger' Doppelcalenrer :c. cJk. 15 S. 212 dieser Zeitung), vast daS Ealcndcrwcscn im jüdischen Alterthnme, analog diesen Institutionen im Alterthume überhaupt', die Domäne der Priester und des höchsten 9tichtcreollcgiums war, und daß erst im vierten Jahrhunderte der Synedrialvorsteher Hillel II. dem alleinigen Rechte, der Ealendcrbestimmnng entsagte, und das (^eheimniß Jedermann offenbarte. Wie wir nun aus dcu Quellen nachgewicsen haben, findet sich nirgends die kleinste "Andeutung, daß die Priester den Calender als Domäne, wie dies bei anderen Religionen wirklich der Fall war, besaßen; ja, die Bibel und die "Apokryphen bezeugen gerade das Gegentheil, daß die Priester von diesem Boten fern gehalten wurden. Freilich ist es sehr befremdend und auffallend, wie dies schon Ibn Esra, in der Vorrede zn seinem Pentateucheonnnentare, und Kusari UI 25, hervorgehoben haben, daß die Bibel bei aller 'Ausführlichkeit und Genauigkeit über die Bestimmung der Feste, bei ihrer vielfachen Erwähnung von Jahren und Monaien, über die Dauer und Länge der Jahre, ob Sonnen- oder Mondjahre, gar nicht spricht, als wollte sie dies Alles, wie Saadias Gaon, Ehananel ben Ehnschiel und Elasar Kalir behaupteten, mit Absicht der mündlichen Ucberlieferung oder dem Herkommen*) überlaffen haben. Allein jedenfalls gehet aus dem beredten Stillschweigen der Thorah ülwr einen solchen wichtigen Pnnct hervor, daß sie hier den Priestern gar keine Prärogative (2 Mos. Ift, io und II) gewährte. Tic Bertheidiger der Tradition beuteten dieses Feld mit vielem Geschicke aus. Eine bedeutende Rolle spielte dabei der dunkele Bers 1 Ehr. 12, 22: „Und von den Söhnen Iissachars, die Weisen und Kundigen der Zeiten, um zu wissen, was Israel thun müsse, ihre Häupter waren 2oo."**) Ter Midrasch zu 1 Mos. 20, IS, Ab. 72, nnr das Targum zur Ehronik, beziehen den Ausdruck z'r?'? r.rn ,:,"V aus die Kennlniß der Zcitrechnnng: rr"--"-: (s. Arnch 8. v. c-ip 1). "lkach der Sage im Talmud, Ioma 20 a, Baba Kama l 7 :>, beschäftigte sich der Stamm Iissachar vorzüglich mit dem Sltrdium der Gesetze, er bildete gleichsam eine gelehrte Easte, welche die Ealenderknndc ntid die astronomischen Kenntmffe in ihrer Mitte pflegte. Die meisten jüdischen Interpreten und Eommentatoreü pflichten dieser "Ansicht und Auslegung bei. Selbst der Kirchenvater Hieronymus, Quaestiones in libras Paralipom., führt diese Erklärung, der *> Iehndah Haparsi bchanplctc sogar, das; Moies die ägyptische Zeitrechnung und das ägvptischc Sonnenjahr beibcbaltcn habe. Äusari 1. «. mcittt, cs läßt.sich nicht beweise», ob das ägvptilche Sonnenjahr, oder eine von Abraham ans Ur Nasdim überkommene Zeilrcchmmg, gemeint fei. Eorrcfp. **) S. unseren Eommcutar über diese vietgedeulctc Stelle in unsercm Bibclwerkc B. 111 S. inlu. Redaet. er auch seine Zustimmung giebt, an: Ipsi, filii Issaebar, «mim erant computatores et magistri sive ad fest! vital cs celebramlas sive ad caetera: et ideo dictum est in benedidione Issacliar (Genes. 4il, 11): supposuit Immeros et factus est tributis serviens. — Saadias Gaon, der mnthige rüstige Kämpfer für die Tradition, benutzte natürlich tiefe Stelle als schneidige Waffe gegen die Karäer, da daraus deutlich hervorgeht, daß ein eigener Stamm in der Zeit Davids mit der Ealendcrkunde, wie dieselbe von Moses traditionell eingesetzt wurde, sich beschäftigte. Man kann sogar aus der heftigen Polemik der Karäer über diesen Punct ersehen, daß die Karäer von der Kraft dieses Beweises ans der Bibel sich stark getroffen fühlten. >S. Likkute Kadmonioth von Pinsker II, 28 ff.) Jedenfalls geht daraus hervor, daß Talmud und Midrasch bestrebt waren, die Ealenderkunde in die älteste Zeit zu verlegen, und darum konnten auch Saadias Gaon und Elasar Kalir (im Pint rrrn Va für Paraschach hachodeschj behaupten, daß Moses das gebundene Mondjahr nebst den Intercalationen in dem neunzehnjährigen Eyklus als eine traditionelle Lehre eingeführt habe. Die jüdischen Monatsnamen, die in den späteren Büchern der Bibel Vorkommen, haben die Juden, wie der Talmud lehrt, von Babylonien überkommen: (I. Rosch Haschanah I. 2.) Schräder*» hat aber nicht nur den assyrischen Ursprung derselben nachgewiesen, sondern auch daß die Assyrer einen zweiten Adar hauen, d. h. ein Schaltjahr von dreizehn Monaten. Es crgicbt sich also daraus das wichtige Resultat, daß vielleicht der jüdische Ealenter von der patriarchalischen Zeit her im Volke gebräuchlich war, und assyrisch-babylonischen Ursprunges sei — eine Bermuthung, die bereits Iehudah Halevi und Kusari!. v. ausgesprochen haben. Die neuesten Untersuchungen über die Keilschriftenliteratur werden hoffentlich auch hierüber ein helleres Licht verbreiten.**) Rabbiner D. Oppenheim. *) S. diese Zeit. Nr. 14 S. 22)». **) Wenn diese Tradition so weit znrückrcl'chen sollte, so würden Benennungen der Monate gewiß mitgebracht worden sein. So aber. zät'lt die Bibel nnr di« Monate, und bat auch keinerlei feste Zcitrcchuung, ja der Ausdruck 2 Mos. 12, 2 „dieser Monat sei euch der erste von den Monaten des Jahres" setzt voraus, daß sie auch vorher, nur anders, gezählt wurden, und nur beiläufig einen Namen von besonderen Naturereignissen ballen, wie: 'r, ir, Vts, C'rnic:, die aber im gewöbnlichcn Leben kaum gebräuchlich waren. Redact.