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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-29 · Heft 18 (29.4.1873) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 18 (29.4.1873)
Date
1873-04-29
Page
Seite 291 (sequence 5)
Language
German
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•291 ans p-vrd wird . Es wird also in diesem Falle erst recht die Rebensilbe statt der Stammsilbe betont. Run ist das System der Anhängesilben im Hebräischen außerordentlich entwickelt, so daß sie eine Reimerei in's Unendliche gestatten. Was ist leichter, als Reime ans r~r, r :c. zu fintcnV Mit dem eigentlichen dichterischen Genius hat Dies gar Richts zn schassen, ja, die Dichtung in ihrem Werthe und ihrer Wirkung toird durch dieses ermüdende Geklingel geradezu abgeschwächt. Wir brauchen nun keine beweisenden Beispiele hierfür anzusühren.; Man darf nur das Machsor öffnen, um sich in Fülle davon zu überzeugen. Denken wir zum Beispiel nur an die rrci-s. die uns ein langes Gedicht mit dem Reime aus Nr~— oder Nr— geben. Nebenbei sei bemerkt, daß ans diesem Grunde eine Uebersetzung der Pintim mit Reimen stets mißlingen muß, da aus bedeutungslosen, verschwenderisch angebrachten, und übermäßig gleichen Reimen, deutsche Reime zu machen, nur durch vielfache Einschiebsel und Gängen, durch Entstellung des Sinnes und gekünstelte Wortstellung möglich ist. Ein gleiches Schicksal mit geringen Ausnahmen hatten die deutschen Uebersetznngen lateinischer gereimter Gedichte. Groß-Becskerek, Ni. April. Zur Geschichte des jüdischen Lntenders. Die Geschichte und Entwickelung des jüdischen Ealenrers gehört wohl noch immer, trotz der scharfsinnigen Untersuchungen von Slonimski, Pineles, Reggio, Senior Sachs und Steinschneider, zu den dunkelsten nur räthselhaftesten Partieen der Wissenschaft des Iudenthnmes. -kein Wunder, daß auf diesem Gebiete, das erst eine gründliche kritische Bearbeitung von der Zukunft durch Auffindung und Entdeckung neuer Quellen erwartet, so viele falsche Anschauungen sich geltend machen. So wurde bisher, so viel uns bekannt ist, von allen Bearbeitern des jüdischen Ealenvers, und auch von Schwarz in seiner trefflichen preisgekrönten Schrift über den jüdischen Ealender eines der wichtigsten und bedeutungsvollsten Momente, das für den Geist und die Geschichte des Intenrhnmes besonders charakteristisch ist, gänzlich übergangen und übersehen. Es ist nämlich höchst merkwürdig, daß in der. Bibel, die freilich über das Ealenderwesen ein völliges Stillschweigen beobachtet, nicht die geringste Spur sich entdecken läßt, daß die Priester, deren Functionen die Bibel so ausführlich behandelt, irgend einen Einfluß auf die Regelung der Zeitrechnung und die Einsetzung der Feste gebabt hätten. Während bei allen alten und nenen Böllern und Religionen die Priester, und namentlich die tilicc-s in.-lximi. bis auf Papst Gregor XI11. herab, sich ans- 1 schließlich das Borrecht anmaßten, die Festzeiten und den Ealender zu regeln, und die Ehronologie festzustellen, blieben dieselben im Fudenthume in allen Zeiten und Berhältnissen davon gänzlich ausgeschlossen. Gerade weil in allen anderen Religionen die Priester sich gleichsam als Beherrscher der Zeit und Ewigkeit des Dies- und Jenseits gerirten, hat die Bibel, mit weiser Vorsicht, die Priester von diesem Gebiete, das sic den Weisen der Elation allein eingeräumt wissen will, ganz und gar zurückgewiesen. Bei den Bestimmungen über die Feste, 3 Mos. 23, 2 und 4, heißt es ausdrücklich, wie dies der Talmud, Rosch Haschanah | 2r> a, bereits richtig erkannte, daß diese Bestimmungen blos vom Volke, d. h. von den vom Volke eingesetzten Behörden und! Synedrien, abhängig sein sollen: „Rede zu den Kindern Israel"! (also nicht zu den Priestern, zu Aharen und seinen Söhnen, wie so häufig im R'viticns), „und sprich zu ihnen: die Feste des Ewigen, die ihr ausrufen .sollt :c. Dies sind die Feste des Ewigen, die ihr" <d. h. das Volk und seine Vertreter) „ausrufen sollt zu ihrer bestimntten Zeit." Der einzige wichtige Ealenteraet, dessen in der Bibel Erwähnung geschieht, ging vom Kehlige Ezechias, dessen Räthen 'und dem Volke aus. Ausdrücklich hebt dies der Ehronist (2 Ehr. 3<>, 2) hervor: „Und es beriethen sich der König und seine Qbersten und die ganze Versammelnng in Jerusalem,' das Peßach zu opfern am zweiten Monate." Die Priester, die doch beim Peßachopser die Hauptrolle spielten, hatten also, als solche, bei dieser Berathung keine besondere'Stimme. Daß hier wirklich von einer Ealenderberathnng wegen 'Einschaltung eines Monates die Rede ist, -,2^:2 ',2': ->2"?, 2:22 ‘■o'?, wie kies der Talmud, Peßachim r>c.a, Synhedrin 12 a, nachgewiesen hat, geht ans der ganzen Erzählung, Vers lb»und 1'.», deutlich hervor. Als unter dem Makkabäer Simon eine neue Ehronologie eingesnhn wurde, ging dieselbe gleichfalls blos vom Volke ans. 1 Malk. 13, 13. 1!, 11: „Im Jahre 170 ward das Joch der Heiden von Israel genommen. Und das Bolk Israel sing an in Schuldbriefen und Verträgen zu schreiben: im ersten Jahre Simons des Hohenpriesters und Feld Herrn und Anführers der Juden." Vergl. Iosephns, Alterthüiner XIII, 7. Zur Zeit der zweiten Tempelperiode, wo die geschichtlichen j Quellen reichlicher stießen, war es das Synedrium, welches das Ealenderwesen in der Hand hatte, das Sichtbarwerden des sJicu=! inendes beobachtete, die Festtage bestimmte, bis endlich unter dem! Patriarchen Hitlel II. im Jahre 3.',;» nach Christus der jüdische , Ealender seine gegenwärtige feste, unabänderlich Gestaltung erhielt. So viel steht fest, avas für die Charakteristik des Iuden- Ithnmes höchst bezeichnend ist, daß die mosaische Religion den ' Priestern nicht den geringsten Eingriff in das Ealenderwesen gestattete. I Herr Rabbiner Di'. Tobias Cohn bemerkt daher mit Unrecht

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