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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-22 · Heft 17 (22.4.1873) · p. Seite 281

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 17 (22.4.1873)
Date
1873-04-22
Page
Seite 281 (sequence 12)
Language
German
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281 wüsten Lärm ihrer Kirchenzeitungsredactenre zu kümmern, gründete sie gegen Ende des vorigen Jahrhunvertes in den Steppen Neurußlands jüdische Ackerbaucolonicen. Die Colonisten erhielten unentgeltlich genügendes Ackerland und Steuernachsicht auf viele Jahre. Angeeifert durch diese Wohlthaten und andere Privilegien, zogen zahlreiche israelitische Familien ans Polen und Rußland nach den Steppen der chersonschen und jekaterinoslawer Gouvernements, um Dörfer zu gründen und Ackerbau, Viehzucht und Forstwirthschaft zu betreiben. Bis zum Jahre ISui) waren dort bereits acht rein jüdische Ortschaften entstanden, welche zusammen von etwa neunhundert Familien bewohnt gewesen sind. Im Laufe der Zeit wuchs die Zahl der erwähnten Colonieen auf 25 an, in denen die angesiedelten Israeliten 2;jS,1S2 Joch Ackergrundes vom Staate erhalten haben. Ein Ukas aus den dreißiger Jahren ordnet eine vollständige Jsolirnng der jüdischen Eolonieen von den christlichen an, dagegen verfügt ein Erlaß vom Jahre 18-! 7 die Aufhebung dieser Beschränkung, und empstehlt, daß das Aussichtscomitö leine Mittel -scheuen möge, um deutsche Colonisten zur Ansiedelung mitten unter den Juden zu veranlassen. Auch wurde von da ab bestimmt, daß eine jede jüdische Familie achtzig Joch Feldes erhalten soll. Ursprünglich erging es den Juden in den Colonieen Südrnßlands herzlich schlecht, und dies nicht so sehr aus dem Grunde, weil sie der Agricultur noch nicht gewachsen waren, sondern weil man ihnen unfruchtbaren Grund und Boden angewiesen hatte, und weil sie empfindlichen Mangel an Süßwaffer litten. Später änderten sich die Verhältnisse derselben, namentlich von dem Zeitpuuete ab, wo ihnen gestattet wurde, sich mit deutschen Colonisten amalgamiren zu dürfen. Das Beispiel wirkte hier wahrhaft belebend, irnd die Israeliten in den Colonieen ^üdrußlands betreiben jetzt zutn großen Theile die Landwirthschast nach deutschem Muster, mit deutschem Fleiße und mit einem Erfolge, der sowohl die Colonisten selbst, als die Regierung zufrieden stellt. Angeregt wahrscheinlich durch diese Erfahrungen, gedenkt Rußland manche unbewohnte Gegenden des Kaukasus mit Juden aus Persien zu eolonisiren, und wie man mittheilt, |int> bereits Voranstalten getroffen, daß sich jene persischen Israeliten, welche auswandern wollen, bittlich an den Czaren um Zutveisung von Grund und Boten ini Kaukasus wenden. Diesen Ansiedelern dürfte es übrigens gleich nach der Einwanderung gilt ergehen; denn es sind für sie äußerst fruchtbare Landstriche bestimmt, und sie werden überdies dort zahlreiche ältere Colonieen wohlhabender Glaubensgenossen finden. I e u i l So ist es gekommen. Erzählung. <F o r.t f e tz n u g.) V. Ich war nach Porlezza zurückgekehrt, getrauete mich aber nicht in das alte Hans aus der Strada di Ghetto zu gehen, sondern trieb mich in dessen Umgebung herum. Da, als ich hinter der einen Ecke stand, öffnete sich die Pforte desselben, und heraus trat der Arzt, der sich von Jsacco verabschiedete. Er sprach: „Beruhiget Euch, Jsacco. Es ist geschehen, was die .Kunst vorschreibt. Es war ihm nicht mehr zu Helsen, seine LebenSuhr war abgelanfen, und zu bedauern, wißt Ihr, ist Nichts dabei. Ich werde Euch meine Rechnung schicken, und Ihr werdet Sorge tragen, daß sie bezahlt wird." Hiermit ging er seines Weges, und trällerte ein Liedchen vor sich hin. In dem Gedanken, welchen Schnitt er für sich aus diesem Vorgänge machen wollte, schien er zu vergessen, um wie viel mehr ihm eine längere Krankheit Samuele's eingebracht hatte. Jsacco sah ihm eine Weile nach, und schickte sich eben an, in das Haus zurückzntreten, als ich auf ihn zuschritt. „Guter Jsacco," sprach ich, „so ist Euer Herr wirklich todt?" Jsacco, anfangs wieder wie erschreckend, bald aber mir freundlichem Lächeln, reichte mir die Hand, und sprach: „Ihr;eid nicht abgereist, Signor?" k e t o n. ..Konntet Ihr Euch dies wirklich einbilden? Nachdem ich Euch kennen gelernt und meinestheiles beigetragen habe, Euch in diese Lage zu versetzen, konntet Ihr glauben, daß ich davon gehe, ohne mich Eueres ferneren Schicksales zu vergewissern, ohne den Ausgang abzuwarten?" Jsacco drückte mir die Hand. „Ja," erwiederte er mir, „Ihr seid werth, meinem unglücklichen Giacomo so ähnlich en sehen, wie Ihr es thnet. Run, der alte Samuele ist tobt; Euer Anblick kann ihm Nichts mehr schaden. Er ist nicht wieder zur Besinnung zurückgekehrt; einige Stunden rangen noch Leben und Tod mit einander in ihm; er röchelte nnd seufzte noch dann und wann ans. bis sein Herz nicht mehr schlug, und sein Athem still stand. Er hat sicher keine Schmerzen mehr empfunden, und so ist es ihm besser ergangen, als er verdiente. Jndeß daS Strafgericht (Lottes ward schon längst an ihm ersüllt, denn die Geister Derer, die er verfolgt hat, verfolgten ihn auf jedem Schritte, und umgaben ihn Tages wie Nachts." „Und was wird nun geschehen, Jsacco?" „Als der Arzt nur die Hoffnungslosigkeit seines Zustandes erklärte, sandte ich einen reitenden Eilboten an den einzigen Verwandten Samuele's in Novara, der wird kommen, und alle die Schätze in Besitz nehmen, die der alte Geizhals zusammengescharrt hat. Auch zu einigen Glaubensgenossen in den umliegenden Ortschaften habe ich geschickt; sie werden eintreffen, und dem Todten seine liechte anthuen. Doch lasse ich ihn nicht 1?*

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