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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-22 · Heft 17 (22.4.1873) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 17 (22.4.1873)
Date
1873-04-22
Page
Seite 280 (sequence 11)
Language
German
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280 sie genesen und gestärkt daraus hervorgehen. So sei eS! Amen!" Diese beiden Actenstücke bekunden am Vesten den Geist des Stifters, und widerlegen die ganze Salbaderei der sogenannten demokratischen Presse. Ueberhaupt bei Epitemieen, Kriegen :c. hat sich das wiener israelitische Spital immer ausgezeichnet, und war stets allen Leidenden und Hülsesuchenden, Christen und Juden, zugänglich. Rumänien. Bukarest, 3. April. Am I. d. wurde der Grundstein zu einer neuen israelitischen Gemeindeschulc gelegt. Der Feierlichkeit wohnten der Dclegirle des städtischen Gemcinterathes, Racotta, und viele Rotabeln bei. Dr. Adolf Stern, Vorsitzender des Schulcomitö'S, hielt eine treffliche Rede über den Werth des Unterrichtes und der Bildung, welche folgendermaßen schloß: „Gewissensfreiheit! DaS ist ein durch die Wissenschaft gewonnener Grundsatz; er ist aber auch ein dem rnniänischen Volke eingeborener, denn, während andere Nationen an den Leiden des Juden Gefallen fanden, lebte der Rumäne in Frieden mit ihm, und mißgönnte ihm die Ruhe und das tägliche Brod nicht. Im Enthusiasmus Rumäniens, als es im Jahre 1560 seine Freiheit wiedergewann, schrieben seine Gesetzgeber die Gewissensfreiheit in die Verfassung ein. — Wenn verwegene Hände diesen Nationalcharaktcr fälschten, indem sie durch einen nachfolgenden Artikel die israelitischen Rumänen vom Genüsse der gleichen Rechte ausschlossen, — so muß deshalb der Jude die Vergangenheit nicht vergessen; die Geschichte der Duldung ist in Rumänien so alt, wie das Volk selbst, — die Geschichte der Unduldsamkeit aber ist, obschon reichhaltig leider, noch jung, und dem Boden Rumäniens nicht entsprossen. Ter Genius des Volkes jedoch wird erwachen, und seine schönste Krone wiederfordern. „Den Juden liegt es ob, diesen Augenblick durch ihr bildendes Wirken zu beschleunigen, nicht etwa um ihrer Rechte würdiger zu werden, — denn diese kommen rem Bürger als solchem zu, - sondern um eine Generation heranzubilden, welche mit der Waffe des Wortes und der That, für das Werden des Lichtes, für die Ausrottung der Vorurtheile kämpfe." Hierauf sprach Herr Gemeinderath E. Raeotta seine Freude darüber aus, daß der Hauptstadt eine neue Schule gegeben werden solle; in Wahrheit sei der Unterricht ein nöthiger Factor für die Ansebenung der Stände und die Ausrottung der Vorurtheile; er betrachte die Israeliten als Brüder, daß er unno 1815 sie als solche umarmt habe, das; der Rumäne von Natur duldsam sei, und schließt, indem er im Namen der Municipalität der Schule Gedeihen und Erfolg wünscht. Möchten doch^die Herren Rmuänen es nicht bei solchen Redensarten bewenden lassen! —. Die rumänischen Journalisten sind außer sich über den wahrhaft erschreckenden Ueberschuß der Sterbcfälle über die Geburten in der Hauptstadt tut verflossenen Jahre, während bei den Juden ein Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle stattfand! Es kamen nämlich 1872 in Bukarest vor: 5031 Geburten und 7135 Sterbefälle — also ein Mehr von 2104 Ster besä llen, während bei den dortigen Juden 135 Geburten mehr als Stcrbefälle vorkamen. Der Eine will diesen Umstand aus der geringeren Ehelosigkeit bei den Juden, als bei den dortigen Christen, erklären, der Andere aus anderen Gründen. Dies sind wenigstens noch solche, welche einige Vernunft sich bewahrt haben. Ankere hingegen schäumen vor Wuth über einen Umstand, den sie mit allen gesetzgeberischen Kniffen nicht abändern können. Interessant;. B. sind die Schlüsse, welche der ehrenwerthe (nämlich, wenn es in Rumänien Gerechtigkeit gäbe, zuchtpolizeilich zu verfolgende) Herr Cäsar Bolliac aus den obigen Ziffern zieht. Nach ihm beweist das Zunehmen der Israeliten in Rumättien: die Juten, diese schmuzige.Krätze, insiciren die Luft, und letten den Rumänen körperlich, nachdeur sie ihn moralisch tödlen; sie verfolgen ihre Mission als die „Vorhut des Germanismus" und vermehren sich deshalb, damit die * Runtänen sich vermindern! Rußland. Aus Rußland, im April. Der ungarische Lloyd schreibt: Das russische Reich leidet bekanntlich an keiner Uebervölkerung. und cs giebt da sogar weit ausgedehnte Landstriche, deren Population so dünn ist, daß viele Ackergründe wegen Mangel an Arbeitskräften herrenlos und brach liegen bleiben müssen. Um dieser national - ökenoutischen Calamität ttach Thunlichkeit zu steuern, hat die Petersburger Regierung seit jeher zu den verschiedensten Mitteln ihre Zuflucht genommen, und obenan ging ihr Streben dahin, die wüsten Gegenden auf gütlichem Wege oder auch in anderer Weise zu colonisircn. Das Deportationssystem, wo bald Einzelinvividuen, bald aber die Bevölkerung ganzer Dörfer nach unwirthbaren Gegenden verpflanzt werden, ist eben nichts Anderes, als ein Ausfluß der Absicht, mit dem Populationsüberschuß mancher Regionen die Wüsteneien in den abgelegenen Winkeln des weiten Reiches zu bevölkern, und sie ttrbar zu machen. Doch nicht immer ereignet sich wenigstens der Schein einer Berechtigung zur strafweiscn Versetzung von Unterthanen aus einer Gegend in die andere. Rußland sah sich daher genölhigt, die Einwanderung Fremder zu begünstigen, oder durch Schenkung von Grund und Boden, und Austhcilung anderer Zugcständttisse, im gütlichen Wege einheintische Elemente für seine EolonisationSzwecke zu gewinnen. Bei diesem Haschen nach Attsiedelungsmaterial übersah die russische Regierung auch ihre jüdischen Unterthanen nicht, und ohne sich viel um den

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