Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1873)
- Date
- 1873-04-22
- Page
- Seite 279 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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/ 279 Bedenkt inan überdies, daß Rothschild ras Spital zum Andenken seines verstorbenen Vaters gestiftet, und also in dessen Geiste gehandelt hat, so fallen alle Einwendungen von selbst weg. Ter alle Rothschild lebte im Vormärz in Gien, wo der Jude noch als Paria behandelt wurde, und wo ein Cuirc nur mit den ' größten Schwierigkeiten in ein Eemmunalspital eingelassen wurde. Wir lassen das Schreiben des Herrn Rothschild an Dr. uranda, den Präsidenten der israelitischen Gemeinde in Gien, wfoen, das am Klarsten den edelen Geist des Stifters zeigt. 7 „Hochgeehrter Herr Präsident! Meine fortgesetzten körperlichen beiden gestatten mir nicht, Ew. Hochwohlgeboren zu einem Besuche bei mir einznladen, um mich mit Ihnen über die Art und Weise der bevorstehenden Einweihung des von mir errichteten Krankeninstitutes zu besprechen. Vor Allem wollte ich Sie -bitten, der Dolmetsch der Gefühle meiner wärmsten Anerkennung zu sein, bei der Eultusgemeinde, so wie bei rer Baueommission, bei den Architekten, Baumeistern. Aerzlen, und allen Denen, welche im Bereiche ihrer'verschiedenartigen Wirkungen, mit unverdrossenem Eifer die Hand an das Werk gelegt haben. — Ich wünsche, und wollen Sie, hochgeehrter Herr Präsident, diesen Wunsch nur als solchen ansehen, daß die Einweisung dieses Gebäudes, welche, wie ich vernehme, iit den nächsten Tagen stattfinden soll, eine möglichst einfache sei, und einen religiösen Charakter an sich trage, daß ohne alles weltliche Gepränge ein erhebender Ehoralgesang sich zu dem Höchsten emporschwinge, um Seinen himmlischen Segen und Schul; aus tiesesKrankeninstilut und seine Insassen zu erflehen. -- Man vollbringt das Gute nur des Guten halber, so pflegte es mein guter, seliger Vater, dessen Andenken dieses Institut gewidmet ist, in allen Handlungen zu halten, so wie ich auch stets bestrebt bin, philanthropischen Zwecken den Stempel der Einfachheit aufzutrücken. Obgleich, mein hochverehrter Herr Präsident, während der läitgeren Bauperiote der ursprünglich angesetzte Kostenbetrag nach und nach sich nicht nur bedeutend vermehrte, sondern sogar die doppelte Höhe erreichte und auch überstiegen wird, indem nicht.unwesentliche und kostspielige Veränderungen am ursprünglichen Bauplane angeorknet wurden, so habe ich, in Würdigung des Umstandes, daß diese Einrichtungen nur Fortschritten der Wissenschaft Rechnung trugen, beschlossen, außer den bisher ausgelaufenen Baukosten der israelitischen Eultusgemeinde noch ein weiteres Capital von 2r>,«Mjo fl. zur Verfügung zu stellen, welches, fruchtbringend angelegt, vorerst als eine Reserve behandelt werden, und für unvorhergesehene Fälle, oder neue zweckentsprechende Einrichtungen, auskommeu soll. Die ausgelaufenen Zinsen des Capitales, insofern sic nicht zur Verwendung kommen, sollen zum Capitale geschlagen werden. - Ich ersuche Sie daher inständigst, hochgeehrter Herr Präsident, zu veranlassen, das; eine Commission niedergesetzt werde, welche mit der Verwaltung dieses Fonts betraut werde. Ich. schließe mit einem innigen Herzenswünsche ethischer Natur: k Mögen die Räumlichkeiten des^rrwnLvankeninstitules, tigern. sick> auch ihre Thüren den leidenden Glaubensgenossen öffnen, zu groß sein für die Anzahl.der Heilung Begehrenden, und mögen die Eintretenden, nach intelligenter ärztlicher Behandlung und sorgfältiger Pflege, baldmöglichst gesundet, dankbaren Herzens, mit Segenswünschen dieses Krankenhaus verlassen. Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Präsident, den Ausdruck meiner Hochachtung, mit welcher ich die Ehre habe zu zeichnen Wien, den I. März 1873. Euer Hochwohlgeboren ergebener A. S. von Rothschild." Die Kesten des Spitales belaufen sich, fügen wir ergänzend zu Ihrem Berichte in erwähnter Rümmer hinzu, auf (»25,000 fl., und der ganze Bau gehört in wissenschaftlicher Hinsicht zu den vollkommensten Instituten in Europa. Bei der am 9. März 1873 stattgesuntenen feierlichen Uebergabe des Hospitales an den israelitischen Vorstand, hielt, in Verhinderung des Stifters, dessen Sohn, Herr S. Albert von Rothschild, folgende Ansprache: „Hochgeehrte Herren des Vorstandes! Mit tiefer. Bewegung in dem ganzen Ernste des Augenblickes erfüllt, ergreife ich das Wort. — Es wird mir an der Stelle iiteines theueren Vaters,, den seine schwere Erkrankung noch an das Zimmer fesselt, die hohe Ehre zu Theil, vor Sie hinzutreten, und Ihnen zu diesem, der leidenden Menschheit von ihm gewidmeten, Asyle seine Wünsche und seine Segnungen in wenigen, aus meinemvollen Herzen kommenden Worten auszusprechen. Mein verehrter Vater ließ dieses Haus zur Krankenpflege in der israelitischen Cultusgcmeinde dieser Hauptstadt zum ehrenden Andenken an meinen in Gott ruhenden Großvater erbauen. Mein Großvater, Salomon Freiherr von Rothschild, bewohnte Wien durch eine Reihe von Jahren, sein hoher Wohllhätigkeitssinn, seine Menschenliebe schufen ihm hier ein bleibendes ehrendes Andenken! So möge denn die Erinnerung an ihn fortlebeu für alle Zeiten, und den leidenden Mitbrüderu, die hier Trost und Hülse suchen, zum Heile, zum Segen gereichen! Dem hochverehrten Vorstände, den Männern, welche den Ball des Hauses leiteten, den Erbauern und ihren Genessen, teru gesammten ärztlichen und Hülsspersonale, Allen, Allen, welche dieses Werk fördern halsen, bringe ich im 'Rainen meines theueren Vaters seinen tiefgefühlten Dank für ihre hingebenden Leistungen aus vollem Herzen dar! An seiner Stelle mit in seinem Aufträge übergebe ich mm hiermit dieses Gebäude mit seiner vollständigen Einrichtung, feierlich und für immerwährende Zeiten, in das freie, unbeschränkte Eigenthum der israelitischen Eultusgemeinde Wiens, welche hier so würdig vertreten ist. - Möge der Segen Gottes in seiner reichsten Fülle auf diesem Hause ruhen! aus den Männern, welche die Kranken zu heilen und zu hüten berufen sind, auf den leidenden selbst, daß 17