Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1873)
- Date
- 1873-04-22
- Page
- Seite 275 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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275 In Wien sind 4«>,230 Juden anwesend, wovon jedoch nur 7867 als in Wien Einheimische angesehen werden können. Verfolgt man die statistischen Angaben aus früheren Zeiten, so stellen sich ungeheuere Differenzen dar. Denn 1830 zählte man in denselben Landern nur 35.7,605, 1550: 4 76,423. Dieser außerordentliche Anwachs der Juden, der sich namentlich in Galizien bemerklich macht, wo 1830 nur 240,268, 1860 dagegen 623,187 gezählt wurden, ist weder durch die natürliche Zunahme, noch durch Einwanderung erklärbar, sondern nur durch die Unzuverlässigkeit der früheren Zählungen, die namentlich in Galizien durch die Furcht vor der Recrntirung bewirkt ward. Denn es ist sicher, daß bei dem Herannahen der AssentirnngScommission die ganze jüdische männliche Jugend den Ort verließ, um zurnckzutehren, wenn die Eommifsion abgezogen war. Nach een einzelnen Provinzen vertheilten sich die Juden im Jahre 1860 folgendermaßen: Oestreich unter der Enns 51,880 Oestreich ob der Enns 600 Salzburg 44 Steiermark 734 Kärnten 22 Krain 22 Triest, Görz, und Gradisea, Istrien 172<> Tirol und Vorarlberg 353 Böhmen 80,530 Mähren 4 2,644 ' Schlesien 6123 Galizien 57 5,433 Bukowina 47,754 Dalmatien 233 S2o,2oo, 2o2u Soldaten kommen. Dian sieht hieraus. einzelnen Grönländer in der Höhe ihrer jüdischen Bevölkerung äußerst verschieden sind. Im Jahre 1850 wohnten in Oestreich ob der Enns, Salzburg und Kärnten noch gar keine, in Krain nur zwei Juden. Daß übrigens in denjenigen Provinzen, in welchen früher Juden nicht wohnen dursten, sich nur noch eine so kleine Anzahl ansässig gemacht hat, ist aus der Antipathie zu erklären, welche die Bevölkerung ihnen entgegenbringt. t Fortsetzung folgt.) Nie jüdischen Katakomben in Nom. Die jüngst in diesem Blatte aus dem pariser Temps gegebene Notiz über aufgefundene jüdische Katakomben in Nom, veranlagte uns, einen zufällig sich dort befindenden befreundeten ■ Schriftsteller, .und zugleich den Herrn Di’. Berliner, um eine Untersuchung und Berichte über dieselben anzugehen. Herr Dr. Berliner hat uns einen solchen zugesagt; von ersterem erhielten wir folgenden Bericht: Nom, 10. April 1873. Dem ausgesprochenen 'Wunsche gemäß begab ich mich nach den für jüdischen Ursprunges ausgegebenen Katakomben, nahm sie und die darin befindlichen Denksteine in 'Augenschein, und habe nun als Resultat dieser allerdings nur übersichtlichen Untersuchung Folgendes zu geben. Die guäst. Katakomben liegen eine halbe Stunde außerhalb der Porta San Sebasliano an der linken Seite der antiken Via Appia, in dem Weinbauergnt (Vii;na) Hamlanini. Irgend ein frommer Engländer hat eine Marnwrtafel am Eingänge angebracht, aus der es heißt: Sepiileres of tlie ancicnt Jcws. Die Katakomben .liegen nicht sehr tief, und bestehen ans gewölbten Gängen, in deren Seiten schmale horizontale Nischen, in welchen gerade je ein Körper Platz hat, angebracht sind.. Familienkammern giebt es in dem jetzt bloßgelegten Theile nur zwei, von denen eine (vielleicht auch die andere?) ganz sicher bemalt war. Jedoch ist ein großer, wahrscheinlich der größte Thcil dieser Katakomben noch gar nicht bloßgelegt. Ausfällig ist nun in der Thal, daß in den Inschriften jede Andeutung an den christlichen sowohl, wie an den heidnischen Eultus fehlt. Diese negative Thatsache, verbunden damit, daß auf einigen — ich bemerkte nur fünf, doch sind cs vielleicht wenige mehr — Steinen ein siebeuarmiger Leuchter abgebildet ist, und daß mehrere der ^^erstorbenen Maria (Mirjam) hießen: das ist Alles, was für den jüdischen Ursprung dieser Gräberstätte spricht. Also sehr wenig. Könnte doch der Name Maria auch von heidnischen, in der Kaiserzeit so gern orientalisirenden Römerinnen angenommen worden sein. Eine Figur, die mau für Esrog und Lulab hat ausgeben wollen, kann ebenso gut etwas Anderes sein. Auf einem Grabsteine finden sich ferner eine Urne, ein Fisch und ein Messer --- Gegenstände, deren Beziehungen zum jüdischen Eultus sehr unklare sind; höchstens könnte inan das Messer aus die Beschneienug deuten. Die Inschriften selbst zeigen keine Spur von hebräischer Schrift. Entweder sind sie griechisch, und beginnen dann in der Regel liv&ttöt. v.nuu, und endigen tv i to>t it xo//n ovc (jor. Oder sie sind lateinisch, und zeigen dann bisweilen die gewöhnliche römische Grabsteinfortnel Bonn Mcrenli. Oder endlich sie sind in lateinischer Sprache, aber mit griechischen Buchstaben abgefaßt. Jedenfalls sind diese Katakomben äußerst merkwürdig und räthselhast, doch fürchte ich, daß ein genaueres Studium kein Licht über sie verbreiten wird, wenn nicht in dem noch bloß;» legenden Theile andere Anhaltspnnete entdeckt werden. Ich wage ' jetzt über ihren Ursprung kein Urtheil abzugeben; jedoch kann, I wie die Dinge augenblicklich liegen, ihre jüdische Bestimmung nur oD eine recht schwach bewiesene Hypothese angesehen werden. Zu