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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-15 · Heft 16 (15.4.1873) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 16 (15.4.1873)
Date
1873-04-15
Page
Seite 264 (sequence 10)
Language
German
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264 Herrn Lürion, dessen Anstrengungen und Eifer für den Unterricht der israelitischen Zugend Bagdads über alles Lob erhaben seien. Die Eeremonie schloß mit einem Gebete für daS Wohl der Familie Saffoon. Smyrna, 22. März. Man schreibt der „di. fr. Pr.": I e ui l So ist es gekommen. - Erzählung. lFor.tsetzung.) IV. „Ueber drei Zähre waren vergangen. Emmanuele gefiel sich in Novara nicht; nicht die Leute und nicht die Verhältnisse standen ihm an, nicht das Land und die Luft sagten ihm zu. Eines Tages machte er sich mit mir auf, um Porlezza wieder zu besuchen, wohin die Ruhe und die Sicherheit längst wieder zurückgekehrt waren. Wir fanden die früher so ansehnliche und belebte Stadt in traurigen Zuständen. Bon der ganzen Strada di Ghetto stand Nichts weiter, als dieses Haus, in welchem Sie sich befinden, Signor, und die Synagoge daneben, Nichts als die nackten Wände, Alles ausgeranbt, die Fenster zerschlagen, die Läden und Thüren abgerissen. Zn der übrigen Stadt gab es auch Ruinen, aber gegen diese Zerstörung nur wenige. Ter Ztalicncr liebt cs nicht, die Trümmer eines Gebäudes hinwegzurämuen; Gottes Erde ist so groß, man baut lieber daneben, und benutzt von den zusammengestürzten Ncsten nur die Steine und Hölzer, die noch brauchbar sind. Dennoch hatte inan unsere Straße soweit aufgeräumt, daß sie gangbar war, weil sie vom Lande zmn Hasen den nächsten Weg abgab. Unsere Aufnahme in Porlezza war eine freundliche. Diejenigen, welche an unserem Unglücke keine Schuld hatten, bedauerten uns, und Diejenigen, welche mit geplündert halten, wußten sich ihres Raubes sicher. Niemand konnte sie bezichtigen, Niemand war da, der ihnen das Geraubte abzunehmen die Macht hatte. Za, man war froh, des wackeren und dienstfertigen Emmanuele wieder ansichtig zu werden, dessen Unternehmungsgeist die aufgehäuften Borräthe draußen verkaufte, und dafür die Waaren hereinbrachte, deren man bedurfte. Man hoffte, Porlezza würde durch ihn seinen alten Berkehr wieder erhalten, und seine nützlichen Glaubensgenossen, die man stets schmähet, und deren man niemals entbehren kann, würden ihm wieder nachziehen. Emtnannelc entschloß sich, nach der alten Wohnstätte seiner Familie wieder zurückzukehren. Alsbald nahm er Arbeiter an, um daS Haus wieder wohnlich zu machen, und ließ mich zu deren Beaufsichtigung zurück, denn ich war unterdeß ein großer und besonnener Zunge geworden, während er nach Novara ging, um seine dortigen Geschäfte abzuwickeln, und mit Samuele und Seite nebst seinen Habseligkciten wieder nach Porlezza zurückzu- Ze mehr wir uns dem jüdischen Osterfeste nähern, desto ntehr steigert sich die Aufregung der religiös fanatischen Griechen gegen die armen Znden. Bereits sind mehrere Zuden überfallen und schwer verwundet worden. Sureya Pascha ist aber entschlossen, gegen die brutalen Angreifer energisch einzuschreiten, und hat bereits sehr strenge Befehle ertheilt. > feto n. kehren. So waren wir bald wieder zu Porlezza ansässig, und Alles ging gut und erwünscht. Einige Jahre später heirathcte Samuele, und wieder nach mehreren Jahren auch Lelio, und zwar die jüngere Schwester seiner Schwägerin. Die Ehe des älteren Paares blieb eine Zeitlang ungesegnet, während das jüngere meinen Herrn durch die Geburt eines Knaben Giacomo beglückte. Tann erst erfreuete auch jenes sich eines Töchterchens, Grazia. Aber nicht lange schaukelte dies Emmanuele auf seinen Knieen: er ging heim zu seinen Bätern." Isaeco schwieg und schien sich in seine Erinnerungen zu verlieren. Da weckte ich ihn durch die Frage: „Nun, und die Strada? Was ward aus der? Ter alte Maun rüttelte sich gleichsam auf, und fügte hinzu: „Za, die; das ist bald gesagt. Die Hosfnnng, daß die Juden wieder hierher ziehen würden, erfüllte sich nicht. Sie hatten überall andere Wohn- und Erwcrbsplätze gefunden, andere Gemeinden, in deren Mitte sie sich wohl befanden; sie hatten wieder ihre Häuser und Heimstätten erlangt, und wollten diese nicht hier erst wieder mühsam ans Schutt und Trümmern erbauen. Tie Zerstörung war zu gründlich gewesen, unsere Hciligthi'uner waren zu schändlich behandelt worden, als daß sie sich angezogen fühlen sollten. Wir blieben allein hier, und suchten uns mit den Nachbarflecken cinzurichten, daß wir dem religiösen Gesetze leben konnten, Nach und nach baueten sich die Einwohner Porlczza's in der Straße an, sie hatten Zeit dazu. So ist es gekommen, daß cs in Porlezza eine Strada di Ghetto giebt, aber keine Juden, außer uns Beiden." Ich wartete auf die Fortsetzung, doch Jfacco schwieg. „Aber Ihr Beiden, Isaeco, warum nur Ihr Beiden?" fuhr ich unbarncherzig fort. „Ihr habt mein Interesse so sehr geweckt, daß Ihr mir auch das Ende nicht verschweigen dürft. Eröffnet mir getrost Euer altes, treues Herz! Ihr habt gewiß so lange geschwiegen, und keine Seele gefunken, die Euerem Schmerze willig lauscht. Ihr könnt es getrost vor mir thun." Ich ergriff die Hand des Greises, und drückte sie herzlich. Diese dürre, gelbe Hand zitterte vor Aufregung, und im Auge Isaeco s glänzte eine Thräne. „Ja, ja," sing er wieder an, „das alte Herz ist ein sonderbares Ding; von der einen Seite krümmt es sich zusammen, und will all sein trauriges Geheimnis; nicht herauslassen, von der anderen öffnet cs sich weit, und will Alles hinausströmen,

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