Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1873)
- Date
- 1873-04-15
- Page
- Seite 263 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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263 derungen an die Glaubensgenoffen zum Beitritte zu dein Vereine, und zur Förderung seiner Zwecke, zu erlaffen, wie dies schon im verflossenen Jahre nicht ohne Erfolg geschehen ist. Es bleibt noch zu bemerken, daß der Verein einen erfreulichen Zuwachs erhalten hat durch Aufnahme neuer Mitglieder, und zwar sieben thätiger, neun Ehrenmitglieder und vierundzwanzig Mitarbeiter und Correspondenten. Bekannt ist. daß der Verein seine Thätigkeit nicht aus das eigentliche Rußland beschränkt, sondern auch auf Polen ausgedehnt hat. Es war dies schon darum dringend geboten, da die hiesigen höheren Bildnngsanstalten von Glaubensgenossen aus Polen gegenwärtig sehr zahlreich besucht werden. — Mögen dem segensreichen Vereine, dies wünschen wir von ganzem Herzen, immer größere Mittel, tüchtigere Kräfte zugeführt werden, damit er immer ersprießlicher und ausgedehnter wirken könne. Als Ehrenmitglied des, unter Protection der Großfürstin Katharina Michalowna stehenden Vereines der Volksküchen wurde, neben dem Herzoge von Mecklenburg und dem Generaladjutanten Trepow, der Eommercienrath Warschawsky gewählt. — Der Banquier, Herr Rosemhal, hat der hiesigen Handelsschule die namhafte Summe von :>oqo Rubeln mit der Bestimmung geschenkt, einen praktischen Lehrcursus in kaufmännischer Arithmetik und in der Buchführung für die Zöglinge der Anstalt einzurichten. Attö Rußland, im Februar. Im jüdischen Wicstnik veröffentlichte kürzlich der berühmte russische literal Rckrasoio einen an den Redacteur der „Vaterländischen Notizen" gerichteten Brief, in welchem er sich gegen alle journalistischen Judenhetzer wendet. Mit eingehendster Sachkenntnis; und wahrhaft erleuchteter Humanität deckt er die systematische Verlogenheit, die moralische Versunkenheit und das unpatriotische Gebaren aller Jener auf, die sich in der Presse so gehässig gegen die jüdische Bevölkerung Rußlands benehmen, entkräftet die derselben gemachten Vorwürfe, und beleuchtet die schönen Eigenschaften des jüdischen Stammes, welche denselben befähigen, die besten, treuesten Glieder des Staates zu bilden. Der Brief ist zu umfänglich, um überhaupt, und zu schön, um auszugsweise hier mitgcthcilt werden zu können. — Von Herrn Pineto, dem rühmlichst bekannten Autodidakten, dessen wir schon wiederholt zu erwähnen Gelegenheit hatten, ist vor Kurzem eine Aufsehen erregende Schrift erschienen, welche den Titel führt: Neun Tafeln zur raschen Zinsberechnung bei Staatsanleihen :c. Dem Werke sind die, den Werth desselben sehranerkennenden, Uriheile der Akademiker Sonrow und Sawilsch beigefügt; gleich günstig und schmeichelhaft äußerte sich das Journal de Saint-Pötersbourg, welches den seltenen Fähigkeiten, dem immensen Scharfsinne des Verfassers die gebührende Anerkennung zollt. Golos sprach sich in folgender Weise aus: Dieses Werk, welches aus zwei Thcilcn besteht, von denen der eine den theoretischen, und der andere den praktischen Lehrgang enthält, rcpräsentirt in unserer Literatur eine äußerst merkwürdige Erscheinung, die sowohl nach ihrer theoretischen, wie nach ihrer praktischen Seite hin, von größter Bedeutung ist u. s. w. Die Zinsenbcrechnungen des Buches erstrecken sich aus ’/iooo 0», während die bis jetzt bekannten nur >/-. augaben. Das Werk ist übrigens bereits in'S Französische übersetzt, und soll nächstens auch in englischer Sprache erscheinen. — Golos enthielt vor einiger Zeit felgende, der Aufmerksamkeit der Negierung sehr zu empfehlende, Mittheiluug aus Saratow: Bei einer in Ehwalinsk in der dortigen russischen Kirche stattgehabten Galafeier (bei welcher bekanntlich jeder Staatsbeamte zu erscheinen hat) forderte der amtirende Geistliche den auch anwesenden Anwalt, einen Juden, auf, die Kirche zu verlassen; derselbe protestirte zwar, sich aus seinen ofsicicllen Charakter und seine Amtspflicht berusend, indeß ohne Erfolg; der fanatische Geistliche bestand auf seinem Willen. Hoffentlich ist demselben Seitens der Vorgesetzten Behörde der Standpunct bereits klar gemacht; denn es liegt wohl nicht im Interesse des Staates, daß seine Beamten in religiösem Fanatismus gegen einander agiren, und dadurch gegenseitig ihre Auetorität und die der Regierung erschüttern.' Asien. Bagdad, im Januar. Am 11». d. wurde hier ein prächtiges Schulhaus für die israelitische Jugend eingeweihet, welches Herr David Abdallah Saffoon aus Bombay — diese reiche und freigebige Familie stamnlt aus Indien — für r>o,ooo Francs hat erbauen lassen. Der Einweihungsfeier wohnte eine zahlreiche Bersamurlung an, zusanrmcugesetzt aus Notabeln aller Nationalitäten und aller Eulte, sowohl Europäern, Persern, Griechen, Anncniern, Syrern, als Muselmännern, Christen, Sunniten und Schiiten. Herr Oberst Herbert, Generalconsul von England, präsidirte der Feierlichkeit, in Vertretung und als Abgeordneter Sr. Excellcnz des Generalgeuverneurs Röouf-Pascha, der KrankheitS halber verhindert war zu erscheinen. Indem er den Kindern die Thüren der Schule öffnete, ermahnte er sie, die Lehren zu beherzigen, die ihnen ein gescheidter und gewissenhafter Lehrer giebt, und ebenso gut und weise zu werden. . Herr Lürien, Vorsitzender des Leealcomitö's der Alliance, nahm daraus das Wort. Nachdem er in großen Umrissen den Gang und die Fortschritte der Schule seit kern Jahre ihrer Gründung 1 SG I geschildert, und seine Dankbarkeit dem Erbauer ansgedrückt hatte, welcher sich aus dem eulseruten Indien durch eine so bemerkenöwerthc Grcßmuth ausgezeichnet hatte, zeigte er in vortrefflichen Ausdrücken die Wohllhateu des Unterrichtes, und den Werth, den die Aeltern und die Kinder darauf legen müßten. Herr Marx, Direetor der Schule, ergriff ebenfalls das! Wort, dankte der Familie Saffoon, welche die Schule gegründet j hat, dem Obersten Herbert, durch dessen wohlwollende Vermittelung die Schenkung des Herrn Saffoon geschehen ist, und 16