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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-15 · Heft 16 (15.4.1873) · p. Seite 262

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 16 (15.4.1873)
Date
1873-04-15
Page
Seite 262 (sequence 8)
Language
German
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262 Unglückes von unseren Glaubensgenossen im Allgemeinen und öftreichisch-nngarischen Staatsbürgern insbesondere erachten werden. Zn der vollen Zuversicht, das; Euer Hochwohlgeboren gnädigste Intervention vom besten Erfolge gekrönt sein wirr, erlauben sich die ergebenst Gefertigten hiuzuznfügen, daß Teilens der Gemeiurevorstände der kaiserlich russischen und königlich holländischen Staatsbürger eine gleiche Bittschrift an ihre -respectiven Herren Negierungsvertreter übergeben wurde. Wir verharren Euer Hochwohlgeboren ganz ergebene.... (folgen die Unterschriften). Bukarest, 0. April. Unter dem I.'». November v. I. richteten über 500 hiesige Mitglieder der jütischen Gemeinde eine Dankadresse an den amerikanischen Generalcensnl Peixotto, in welcher sie seine unermüdlichen Anstrengungen für seine rumänischen Glaubensgenossen rühmlick,st anerkennen, und seine Erfolge nicht blos in der Verhinderung noch größerer Mißhandlungen, sondern auch darin finden, das; er in ihnen, den Tiefgebeugten und fast Verzweifelnden, Muth und Entschlossenheit wieder geweckt habe. Tiefen Ausdruck des Tankes veröffentlichen jetzt die Unterschriebenen, und zwar von Intrignen dazu veranlaßt, welche eine Anzahl hier weilender Juden gegen den Generalconsul schmieden, um ihn zu verdächtigen und seines Ansehens zu berauben. Wenn cs auch wahr ist, daß derselbe einige Jrrthnmer und Uebereilungcn begangen hat, so geschah dies doch nur ans Mißverständnis; rer Verhältnisse, und all zu heftigem Eifer. Seine Absichten und Motive sind gewiß nicht anzntasten, und die Resultate seiner Bemühungen sind gewiß so günstig, wie sie unter den feindseligen Umständen sein konnten. — Tie rumänische Negierung beginnt jetzt zu ernten, was hier zu Laude gesäet worden ist. Man hat das Volk an Aufruhr und Gewalt gegen die Juden gewöhnt, und findet nun dieselbe vergiftete Waffe auch gegen sich selbst gewendet. In diesen Tagen fand in Ginrgewo ein Aufstand statt, der nur durch blutigen Zusannnenstoß gefüllt wurde. Tie Ursache war Nichts als ein Fuhrmannsreglement. Rußland. St.-Petersburg, Ende Februar. lPrivatmitth.) 2Bcl)l in jedem Laude, ja in jeder Stadt, haben die Gutgesinnten und klarblickenden, welche für die Ehre res Judenthumes und das Wohl unserer Glaubensgenossen eifrig bemüht sind, mit einer Fülle von äußeren und inneren Schwierigkeiten und Hemmnissen zu kämpfen. Es ist nicht allein der Unverstand und die Versunkenheit Derer, die man geistig und materiell heben will, sondern weit mehr noch die Halbheit, die Lauheit, die Trägheit der sogenannten Freisinnigen und von den Sorgen deS Alltagslebens Befreiten, Dasjenige, was den feurigsten Eifer erkalten macht, und den besten Willen, und das hingebungsvollste Streben, lahm legt. WaS könnte, was müßte nicht geschehen, um die große Masse unserer GlaubenSgenoffen in Nußland aus ihrer erbarmungswürdigen Lage voll geistigen und materiellen Elendes zu befreien! Wie mußten sich nicht alle Kräfte zu der schönen Aufgabe vereinigen, der blinden Masse Führer und Berather zu sein, Bildung und Eultur unter sie zu verbreiten, sie für nützliche Beschäftigungen und Bernssarien zu befähigen; die Heranwachsende Generation für die neuen Lebenswege, die sich ihr eröffnen, für das veränderte Staats- und Enlturleben vorzubereitcn, und ihr bei ihrem Eintreten in dasselbe thatkräftigcn Beistand zu leisten! Tech die Beschränktheit des Geistes und des GemütheS der Mehrzahl Terer, die intelleetucll und peenniär dazu bemittelt sind, ist zu groß; ihre Gleichgültigkeit gegen das Wohl und Wehe der Gesammtheit, ihrer Glaubensgenossen, wahrhaft, empörend. Um so mehr Tank und laute Anerkennung gebührt jenen Männern, die trotzdem nicht ermüden in ihrem schönen, menschenfreundlichen, gottgefälligen Streben; jenen Männern des B e r e i n e s; u r Verbreitung d e r B i l d u n g u n d E u l t u r unter den Inden Nußlands. Auch im vergangenen Jahre hat derselbe rüstig gearbeitet, und seinen Aufgaben nach allen Seiten hin in rühinenswcrther Weise Nechnung getragen, sowie nicht minder für das kommende Jahr-die schönsten, ersprießlichsten Zielpuncte sich gesteckt. Es dürfte dies am Klarsten aus folgenden wenigen Taten hervorgehen, die wir rem, über die am 6. d. hier stattgehabte Gencralversamnilung des Vereines veröffenllichten, Protokolle entnehmen: An laufenden Stipendien für Studirende an der Universität und an den Nabbinerschulen wurden 1215 Rubel vcrtheilt; an einmaligen 1121 Rubel; ferner sind drei neue Stipendien gegründet worden. ' Bei der Stipendienvertheilung ist die löbliche Einrichtung getroffen worden, daß die Unterstützten zu Rückzahlungen verpflichtet werden, falls sie später zu geeigneten Stellungen gelangen. Diese Rückzahlungen kommen nicht nur zahlreichen an deren Unterstützungsbedürftigen zu Gute, sondern haben indireet auch die Folge, daß in den früheren Empfängern der Sinn für das allgemeine Wohl genährt und unterhalten wird. Ten Gemeinden wurden für ihre Bibliotheken verschiedene Werke in 601 Bänden zugestellt; für 018 Rubel sind von zehn renommirten Schriftstellern Manuseripte angekaust worden, um dieselben auf Kosten des Vereines drucken zu lasten. Unterstützitngen in Höhe von 065 Rubeln sind zwei russisch-jüdischen Zeitungen gewährt worden; endlich wurde mit einem Verleger in Warschau wegen 'Druckes der „Geschichte Rußlands in hebräischer Sprache von S. Mandelkern" eontrahirt. — Für 1870 wurden, nach Feststellung des Budgets, folgende Anträge angenommen: einen Preis von 100 Rubeln auszusetzen für die beste, in russischer Sprache abgefaßte, Schrift über „die Wirksamkeit der Nabbiilerschule zu Wilna während ihres sünfundzwanzigjährigen Bestandes"; eine Unterstützungscaste für jüdische Lehrer zu gründen, die wegen Alters.oder durch Krankheitsfälle in Dürftigkeit gerathen sind; endlich von Zeit zu Zeit Auffor-

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