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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-15 · Heft 16 (15.4.1873) · p. Seite 260

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 16 (15.4.1873)
Date
1873-04-15
Page
Seite 260 (sequence 6)
Language
German
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260 Zusammenweiten fccr Brüder verwirklichen, streben eine gänzliche, Uiugestaltung, oder richtiger, ein vollständiges Chaos an. Doch wie sehr auch insbesondere die Crsteren in ihrem Leiborgane Värm zu schlagen pflegen, sie erscheinen doch nur als Feldherren ohne Soldaten, als Generäle ohne Armee. Wurde man bei den Israeliten des Landes Rundfrage hallen, so würde man, von einigen Punctcn abgesehen, übereinstimmend den Ausdruck der Zufriedenheit mit unserer kirchlichen Organisation, insbesondere mit dem Institute der Oberkirchenbehörde, vernehmen, der man allenfalls noch einen weiteren Nach, als eine Art Synode, zur Seite gestellt zu sehen wünschen mochte. — Zu den eigentlichen schwarzen Punctcn gehört aber namentlich die „Personalstencr". Nach dem Gesetze vom W. April 1S2S hat nämlich jeder selbstständige Israelit die Verpflichtung, sechs Gulden an die israelitische Centralkircheneasse alljährlich zu entrichten, die zur Vestreituug der allgemeinen CnltnSbedürfnisse mit verwandt werden. Die Unbeliebtheit dieser Steuer hat ihren Grund nicht allein darin, daß sie, eine bloße Kopfsteuer, das Vermögen des zu Besteuernden nuberücksichligt läßt, sondern auch in dem Odium, das auf ihr als ehemaliger Iudcnsckmtzstencr ruhet, und daher alle Israeliten, wenigstens in der einen Forderung, einig, sein laßt: „Weg mit der Personalsteuer", einer Forderung, die sich in der That gegenwärtig in Petitionen einzelner Gemeinden lwie Freudenthal, das den steigen erösfnete, Göppingen, Buttenhansen) an die Ständekamrner einen Ausdruck gegeben hat. Ein anderer Pnnet, die sogenannte Domieiliantensrage, wurde bisher nur von den großstädtischen Gemeinden als ein schwarzer bezeichnet. Diese, die sich zum überwiegenden Theile aus Domieilianten znsarmnensetzten, cmpsingen von denselben nur die Hälfte ihrer Eultussteuer, da die andere Hälfte an die Gemeinde des HeimathSortes gezahlt werden mußte. Außerdem besaßen die Tomieilianten allein nur in ihrer bürgerlichen Gemeinde das active und passive Wahlrecht, und waren somit, da sie es da nicht ausüben kennten, faetisch von diesem Rechte ausgeschlossen. Der Herr Eultusminisier hat nun, zur Freude für die großstädtischen, sowie zum Leidwesen für die Landgemeinden, die Frage völlig zu Gunsten der ersteren. schon mit Wirkung von dem demnächst beginnenden Sleuerjahre an, entschieden. Freilich sind hierdurch die Landgemeinden in eine übele Lage gebracht, denn da ihre Institutionen die bisherigen Einnahmen zur Voraussetzung haben, die ihnen nunmehr zu einem nicht geringen Theile entzogen werten, so ist hierdurch die Lebensfähigkeit mancher Gemeinde völlig in Frage gestellt — wenn nicht der Staat oder die israelitische Eentralkirche^ieasse helfend und unterstützend eintreten sollte. Wir hätten, wenngleich wir Angesichts der neuen Neichogesetzgebung die Entscheidung des Herrn Eultueministerö billigen müssen, doch eine längere Uebcrgang«periode gewünscht, ittnerhalb deren Gemeinden, die mit Schulden belastet sind, dieselben hätten abtragen, oder ihre Institutionen dem neuen Zitstande entsprechend hätten umgestalten können. Ochmchisch»iigansche Monarchie. Wien, 3. April. iPrivatmitth.) Man geht hier rüstig in der Begründung der „Alliance in Oestreich" vorwärts. Die öffentlichen Blätter enthielten dieser Tage eine erste Sammlung „für die orientalischen Juden in der zu begründenden Tllinnce isnuMite in Oestreich", die sehr reich ausgefallen ist. Erwähnen wir nur eines Postens: 10,00« fl. Papierrente und 1500 fl. baar vom Herrn von Königswarter. Die Spenden sind theils für einmal, theils für jährlich, und mit Hülfe dieser Veröffentlichungen wird bald .ein bedeutender Schatz angefammelt sein. Dann kommt erst die Frage der Verwendung, und diese scheint mir schwieriger, als die Ansammelung von Geldmitteln. Jüngst geschaffene Vereine, namentlich solche, die sich eine Wirksamkeit in's Große vorgesctzt haben, haben die Schwierigkeit erwiesen, welche sie darin finden, daß der Zweck sehr löblich, aber überaus schwer zu erfüllen ist. Dies scheint mir bei der Frage, für die orientalischen Juden wirken zu wollen, ganz besonders der Fall zu sein. Die Verbesserung ihrer politischen Lage ist unter den, bei den orientalischen Völkern vorhandenen Zuständen, noch nicht zu erreichen, höchstens aus Augenblicke Verhinderung des Schlimmsten. Eine Eulturkewegung aber in Jenen hervorznbringen,' dazu gehören unermeßliche Mittel bei' zweifelhafter Wirkung. Krakau, 1«. März. Einen angenehmen Eindruck machte hier die vor einigen Tagen stattgehabte Ernennung des Herrn Dr. Joseph Etlinger l Israelit/, bisherigen Toeenten der Geschichte der Medicin an der hiesigen Universität, zmzi außerordentlichen Professor. Besonders in den intelligenten jüdischen Kreisen findet man in dieser Ernennung eine gewisse Satisfaction dafür, daß dieser jüdische Gelehrte, welcher früher Mitglied der hier bestandenen gelehrten Gesellschaft war, gelegentlich der Ernennung der sogenannten „Unsterblichen" für die hiesige polnische Akademie der Wissenschaften in offenbarer Intoleranz umgangen wurde; Professor 0r. Joseph Ettinger hat sich durch mehrere, in polnischer Sprache veröffentlichte Werke um die polnische Literatur unläugbare Verdienste erworben. Pest, 5. März. Inden maßgebenden magyarischen Kreisen ist ein Durchbruch nicht mehr zu vermeiden, und die.Schwankungen, in denen man sich lange Zeit erhielt, reichen nicht mehr aus. Bekanntlich gehören die Ultrarnentanen in dieser Beziehung zu den feinsten Spürnasen. Sie sehen voraus, daß selbst die Teükpartei vor einer Spaltung steht, und die überwiegende liberale Partei zur Entsckeidung in den kirchlichen Angelegenheiten drängt. Ihr Entschluß stand sofort fest, und sie beginnen ihre Manoenvres in rer allbekannten Weise und mit allem Nachdrucke. Ihr Erstes ist, die Volksleirenschaften aufzuwühlen, und sich durch diese eine Mehrheit in den nächsten Wahlen möglichst zu schaffen. Sie senden Brandbriefe unter das Volk aus, Flugschriftender abscheulichsten Art, und die Klerikalen scheuen sich nicht, ihre

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