Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1873)
- Date
- 1873-04-08
- Page
- Seite 248 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3226906-3226922--31567-3254491- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
248 Hospitäler und Wohlthätigkeitsbureaux bestehen aus fünf Mitgliedern und dem Maire der Gemeinde." Das Amendement fügt hinzu: „So wie aus dem Pfarrer der Gemeinde, und wenn es deren mehrere giebt, aus dem ältesten, und in den Gemeinden , wo cs einen protestantischen Rath oder ein israelitisches Consistorium giebt, aus den Telegirten dieser Räche." Rnmänien. Bukarest, 24. März. Die „Rum. Post" meldet einen Vorgang, der, wenn es noch nölhig wäre, den tendenciösen Haß und zugleich die Willkürherrschast der rumänischen Subalternbeamten bezeugt. Der Subpräsect des Disirictes Tutova «sickerlich ohne Vorwissen des Präsecten, Herrn D. Zurja« hat es angemessen gefunden, an alle Primars der Rnralcommnuen desselben DistricteS den Befehl zu erlassen, den Artikel 5 ans dem Spirituosengeselze sofort gegen die Israeliten in Anwendung zu bringen, ungeachtet daß das Gesetz vom Fürsten noch nicht sanctionirt worden ist. Und in welcher Weise soll es zur Anwendung kommen? I e u i l Bo ist es gekommen. Erzählung. lFortsetzun g.I III. Sie nöthigen mich, junger Herr, mich, den siebzigjährigen Greis, in meine Kindheit zurückzuversctzen. Ach, da war cs ganz anders, und oft kommt cs mir vor, als ob damals der Himmel licktblauer gewesen wäre, die Sonne goldener geschienen, das Grün der Wälder und 'Viesen dunkeler sich ausgenommen, und Blumen und Früchte an Tust und Saft süßer gemundet hätten. Ja, damals war die Strada di Ghetto von unseren Glaubensgenossen bevölkert, und von Thoren geschloffen, die jeden Abend gesperrt wurden. Das war ein reges Leben, herzlich und sidel, und wenn man sich auch manchmal tapfer stritt und zankte, so vc'-'öhuw man sich auch leicht wieder, und die Freundschaft war nachher um so inniger. Keine Freude, an der sich nicht Alle freuten, vom Untergeschosse bis zu den Dachkammern der dicktbewohntcn Häuser, kein Leid, an dem sich nicht Alle beiheiligten. Sabbath und Feste, was waren daß für Tage der Wonne und der Heiligkeit! Unsere Synagoge — ich erinnere mich alles Teffen, wie wenn es gestern gewesen wäre, denn ich reichte schon bis in's zwölfte Lebensjahr, als eS anders wurde — dieses öde verfallene Haus — Isacco wies mit der Hand, die mir etwas zu zittern schien, aus das verkommene Gemäuer — er hatte die Fenster geöffnet, denn cs war schwül^ geworden im Kämmerchen — war damals das schmuckste Tempelchen, das Nicht indem man den Juden die Schanklicen; verweigert, sondern indem man sie aus den Dörfern verjagt. Wir besitzen das Original einer Bekanntmachung Seitens res PrimarS der Commune Epureni l Eigen thum und Sitz unseres Herrn Iustizministersi, die in Folge des Befehles des erwähnten Subpräsecten erlassen worden ist und welche lautet: „Bekanntmachung." Rumänien Primarie der Commune Epureni 1873 März 3. Nr. 257. Auf Grund des Befehles der Herren Subpräsecten unter Nr. 607, ren wir neuerdings wieder erhielten, richtet die Primarie außer der bereits einmal durch die Bekanntmachung Nr. 232 erlassenen Einladung, nochmals an alle israelitische Herren Pächter die Aufforderung, sofort, nach Ablauf deS in der ersten Publieation gestellten Termines, diese Commune zu verlassen und sich nach einer städtischen Commune zu begeben, widrigenfalls ich Zwangsmaßregeln nehmen werde. Gez. Primär Bagataiu (L. S.) Notar: C. P. Tocineanu. t e t o n. man sehen konnte, freilich in meinen Kinderaugen ein gewaltiges, majestätisches Bauwerk, und unsere Frommen und Reichen hatten es ausgeschmücki mir'blitzenden Geräthen von Silber und Messing, mit Sammetvorhängen und bunten Malereien — doch ich will schweigen über diese Pracht und Herrlichkeit, die plötzlich verschwand, um niemals wieder vor meinen Augen zu erscheinen. Wir hatten einen ehrwürdigen Rabbiner, der sehr gut und sehr heilig predigen mußte, denn die ganze Gemeinde lauschte jedem seiner Worte mit gespanntester Aufmerksamkeit, wenn er vor der heiligen Lade stand in seinem Talare mit seinen silbernen Locken und seinem Silberbarte, die noch weißer waren als sein Talar — mir freilich, dem wilden Knaben, dauerte es zu lange, denn ich verstand kein Wort davon. Ilm so mehr ergötzte ich mich an den Gesängen unseres Cantors, der, wie man sagte, durch die ganze Welt berühmt war, und der mit seiner Flötenstimme die lieblichsten Melodieen, aber auch die wehmüthigsten, herzerschütterndsten, je wie es Brauch war, und die wunderbarsten Coloratnren sang. Ach, das war eine gute, fröhliche Zeit. Unserer Gemeinde ging es sehr gut; Jedermann arbeitete emsig, und ging sparsam mir seinem Gelde um; cs gab viele Reiche und Wohlhabende unter uns, und diese waren freigebig in Werken der Barmherzigkeit; wer sich einmal dazu bcstinmit hatte, 'Almosen anzunehmen, dem ging es besser, als dem dürftigen Hausvater, der sich mühete, Frau und Kinder ehrlich zu ernähren. Wie man draußen von uns dachte, wußte ich nicht, denn meine Welt war die Strada di Ghetto. Aber es kam anders,