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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-08 · Heft 15 (8.4.1873) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 15 (8.4.1873)
Date
1873-04-08
Page
Seite 246 (sequence 8)
Language
German
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246 sich die geachtetsten Gemeindemitgliedcr beteiligten. Herr Di. Frensdorfs, Oberlehrer an dem hiesigen jüdischen Seminare, beging nämlich an jenem Tage feinen siebzigsten Geburtstag, welchen feine zahlreichen Freunde und Bekannten für ihn zu einem wahren Ehrentage zu machen beschlossen hatten. Unter denselben waren es besonders die Herren Banqnier Eoppel und l)r. Derenk, welche, da sie wußten, daß es der lebhafte Wunsch des Jubilars sei, seine ihn bereits mehrere Teceuuien hindurch beschäftigende, und der Bollendung nahe Arbeit über die Massora zu veröffentlichen, Subscriptionen ä 50 THaler auf dieses Werk sammelten, unk auf diese Weise die ausebuliche Summe von 4loo Thalern ausbrachten, zu welcher auch auswärtige Gönner des l)r. Frensdorfs beigetragen haben. Aach Beendigung des Gottesdienstes begaben sich die genannten beiden Herren in Begleitung einiger ehemaliger Schüler des Iubilares zu dem letzteren, an welchen Herr Eoppel eine warme anerkennende Anrede hielt. Hierauf verlas Herr Di'. Bereud eine Adresse, in welcher Herrn Dr. Frensdorfs sür seine bisher hier entfaltete Thätigkeit, namentlich auch in religiöser Hinsicht als Mann der Beriuittelung und des Friedens, volle Anerkennung gezollt und ausgesprochen wurde, daß seine Freunde wahrgenommen hatten, wie der Erfüllung seines Nebliugswunsches, nämlich der Pnblication seines, der Wissenschaft zu Gute kommenden Werkes über die Massora, materielle Schwierigkeiten im Wege ständen, weshalb sich dieselben erlaubt hätten, ein Eapiial zusammeuzubringen, ras jene Publieation ermögliche, und zugleich einen sonst wenig gepflegten Zweig der jüdischen Wissenschaft fördere. Tief gerührt dankte der Jubilar für eine solche Aufmerksamkeit, die nicht allein ihm, sondern auch sämmtlichen Eontribuenten zur Ehre gereiche, und versicherte, daß dieser Tag einer der schönsten seines Gebens fei. Und in der That war es ein solcher, kenn, abgesehen von den ansehnlichen Geschenken, welche Dr. Frensdorfs noch außerdem erhielt, und den vielfachen Glückwünschen, die ihm, theils mündlich, theils in Briefen und Telegrammen, zugingen, hörten die Besuche den ganzen Tag nicht auf, und wurde der Jubilar auch von namhaften Gelehrten, wie von Geiger in 'Berlin und von Bernahs in Bonn, durch Zuschriften geehrt. Zu Ostern beschließt Dr. Wiener seine Wirksamkeit als Oberlehrer au der hiesigen Religionsschnle, um seine Muße fortan theils literarischer, theils praktischer, und. wie er hofft, einem großen Theile der Gemeindemitglieder zu Gute kommender Thäligkeit zu widmen.' Zu seinem Nachfolger ist Dr. Heinemann aus Gothenburg, zuletzt in Hamburg thätig, erwählt worden. Der Gemeinteverstand hat bereits bei dem Magistrate um Ueberlassung eines Bauplatzes nachgefucht, um ans demselben ein neues Schulgebäude zu errichten. Dem Banguier Emil Meyer Hierselbst ist nachträglich, als Anerkennung seiner Verdienste um die Verpflegung der verwundeten Soldaten, und dem Liausmanne Samuel Ealmar Heymann in Aurich, aus Anlaß seines jüngst stattgehabten fünfzigjährigen Tienstjubiläuins als Vorsteher der israelitischen Gemeinde daselbst, der t reuen orten vierter Elasse verliehen worden. Zu den ordentlichen Mitgliedern der wissenschaftlichen Prüfuugseommission sür die Provinz Hannover gehört für das laufende Fahr auch Professor Stern in Göttingen. Zn Harburg wurde Herr Isaak b'evy mit großer Majorität von den liberalen Wählern zum Bürgervorsteher gewählt. Am 27. Februar feierte der allgemein beliebte SanitätSrath Dr. Fontheim in Syke fein fünfzigjähriges Doetorjubiläum. Am Abende zuvor wurde ihm ein Ständchen gebracht und ein Ehrcnbecher überreicht, und am Tage selbst empfing der Jubilar das Ebrendiplom der Universität und ein Glückwunschschreiben der Lauddrostei Hannover, und spät Abends brachte die Bürgerschaft eine Fackelmusik. Fürth, im März. iPrivatmitlh.) Im Jahre 1 SG 1 wurde hier, in Anbetracht des, bis zur Unerträglichkeit gewordenen Hausbeitels, ein Verein zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten gegründet. Der Verein erfreut sich der besonderen Teilnahme. Wir entnehmen dem der Generalversammlung vom 6. d. vorgelegten Berichte für! 872, daß die Mitgliederzahl Hl» beträgt, die Anzahl der Unterstützten 12SG; die Einnahmen beliefen sich auf i',2tt8 fl. l 0 H kr., wovon 52>>tt sl. 10 > 2 kr. verausgabt wurden. Die polizeiliche Intervention zur möglichsten Abschaffung des, trotz ergiebiger Unterstützung, dennoch vorgekommenen Hausbettels, namentlich Seitens russisch polnischer Juten, hat sich als sehr probat bewährt, und selbst die Gegner der ergriffenen Maßregel, welche den Bereinsruitgliederu mittels Circular vom 28. Febkuar 1872 (letzteres ist abgetruckt in Nr. 20 d. A. Z. d. I. vom I. 1872' premulgirt wurde, sind nunmehr zu der Ueberzeuguug gelangt, daß der Vorwurf der Hartherzigkeit oder 'Außerachtlassung religiöser und sittlicher Pflichten nicht gemacht werden könne. Tie Abschaffung des Hausbettels, und die dadurch bewirkte rasche Abreise der Unterstützten, hebt eben den sittlichen Zustand dieser Personen und ihrer Familien in dem Maße, als das arbeitslose und kostspielige Verweilen in fremden Orten demoralistrt, und ein Jeder, der mitwirkl, den sittlichen Zustanv seiner bedürftigen Brüter zu heben, übt gewiß ein wohlgefälligeres Werk, als der, welcher ein kleines, den Unterstützten demoralisirendes, Almosen reicht. Um so aufrichtiger und lebendiger ist daher der Wunsch 'Aller, denen eine gedeihliche Enlwickelting des Vereines am Herzen liegt, daß den strebsamen Vorstandsmitgliedern, die in uneigennütziger Weise ihrer ebenso zeitraubenden, als undankbaren, Arbeit im Bewußtsein res löblichen Zweckes obliegen, auch ferner die thatkräftigc Theilnahme Seitens des PublicumS zu Theil werke.

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