Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1873)
- Date
- 1873-04-08
- Page
- Seite 242 (sequence 4)
- Language
- German
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242 bereutet etwas ganz Anderes, er war Gott, Messias, Hoher- Priester. Wir wollen nicht streiten, aber jeden falls liegt dann die Schuld aus Leiten Dessen, der rem jüdischen Bolle die Bedentnng dieses Menschen nicht mehr geossenbart hatte, als durch einige mystische Redensarten, welche rer, von demselben Gotte riesen, Bolle als unumstößlich geosfenbarten Lehre widersprachen, nur durch einige, in entsernten Winlelu des Lautes vollbrachte Wunder, wie sie damals von hunderten als Messias ansrrekenden Personen vollbracht sein wellten. Ties Alles ist so einfach und klar, daß man uns fragen wird, warum wir es wiederholen? Aber man darf leider die Bedeutung, aus welchem Munde riese immer wiederholten Schmähnngen aus die Juden hervorgehen, nicht unterschätzen. Auf die Millionen, die rem Papste noch anhangen, machen sie eine große Wirkung, und was der Papst ausspricht, wiederholen Tausende von Priestern von ihren Kanzeln, Hnnderttansende von Lehrern in den Schulen. 'Wir sehen, der Kamps ist noch groß nur schwer, und wird noch vieler Anstrengungen und langer Zeilen bedürfen! Literarischer tvachciiliericht. Potsdam, im März. "n rmr rmntt nbrra br' nrib'Ji^s b'2, ro:r~ r-33 b"; ^"3-2->71 R. Mose bei, 'A'achmani's Dissertation über die Borzüge der mosaischen Lehre, gehalten in der Synagoge zu Barcelona. Zweite, nach einer Handschrift verbesserte und vermehrte Ausgabe von l)r. Ad. Iellinek. Wien 1872. Initner waren wir der Ansicht, das; eine einzelne Predigt wie das Miniaturbild des gesammlen Lebensgemälres, wie ein Ausschnitt der Gesarnnttbildnng und des Gesammtwissens des Redners zu betrachten sei. und daher für einen ziemlich zuverlässigen Gradmesser seiner geistigen Tüchligllir und Leistnngolrast gelten dürfe. Wie jede körperliche Thäligleit alle gemeinen Organe des Lebens in Anspruch nimmt, und zur Mitwirkung zwingt, so, und in noch höherem Maße, ist jede einzelne geistige Berrichtung ein Product aller geistigen Kraft, über die wir gebiettn, von ihrem Wesen getränkt, mit ihrer Eigenart behaftet. Bei Weitem am Meisten trifft Das bei der Predigt zu. Reicht daß jede in sich vollkommen, an Inhalt und Form, an Gedankenfülle und fesselnder Gewalt der anderen gleichstehen müßte; wohl aber muß jede von dem Geistesleben des Redners überhaupt irgetld wie gefärbt sein und, weil sic vorwiegend religiöser Ratnr ist. das ganze Eulturlcben der Zeit streifen, ein wissenschaftlicher Ausdruck res religiösen und allgemeinen Erkennens sein. Wie den geistigen Horizont des Predigers, so bezeichnet die' Predigt ferner auch daö geistige Niveau der Gemeinde, und je1 nachdem diese siel, an einer engen Belrachtttng, oder an einem reichen, umfassenden und erhellenden Blicke erfreut, wird ihr geistiger Standort selbst sich als höher oder niedriger gelegen erweisen. Eine in eminentem Sinne vortheilhaste Beleuchtung auf den Prediger, wie ans die Gemeinde, wirft nun die von Herrn I)r. Iellinek herausgegebene Dissertation Rachmani's, die bei rem umfassenden Stoffe, den sie behandelt, ganz besonders zu einer reichen Betrachinngsweise geeignet erscheint. In großem Stile angelegt ist schon die Einleitung (S. l—! >, in welcher der Bersasser das überragende Vermögen der Thorah nachweist, eie Majestät Gottes zu verkünden, und sie als die große Sonne darstelll, aus welcher alle, in Gesittung und religiöser Erkenntnis! vorgeschrittenen, Böller die erweckenden Lichtstrahlen empfangen hätten, während alle diejenigen in geistiger Umnachtung verblieben seien, die aus jenem Lichlälher nicht geschöpft hätten. Die Lehren der Thorah gewännen immer mehr Berbreitnng, und batten den Beins, alle Rationen der Welt mit einer Golterkennlniß zu erfüllen, und so die messianische Zeit herbeizuführen. Bon einem wahrhaft wissenschaftlichen Geiste ist alsdann die ganze Dissertation durchweht, in welcher Geschichte und Metiein, Rainrkenntniß und Mystik, die Farben der Tarstellnng mischen, und dem religiösen Gegenstände eine Behandlung angedeihen lassen, welche für 'die Höhe der Bildung, sowohl des Redners, wie der Hörer, beachtenswerlh ist. Rachniani besaß nicht die philosophische .Llarheil des Geistes, welche seinem großen Lanrsmanne Maiinuni eigen war; im Gegensätze zu demselben war er von dem (Glauben an die Wunder ries erfüllt > S. i:;j, welche die Bibel bezeugt. Allein dieser Glaube erscheint wie verklärt durch die Begründung, die ihm Rachniani giebt, und als ob er sich lind seinem Publicum darüber hätte Rechenschaft ablegen wollen, erklärt er iS. 11) den Embryo im Schoße der Mutter, das ganze Menschenleben von der Wiege bis zum Grabe, das gauze Ratnrleben in seiner, von uns bewunderten. Gesetzmäßigkeit, alle Erscheinungen des Daseins für Wunder, und ruft seinen Hörern zu, daß sie selbst, indem sie zu Gott um Abwendung von (Gefahr beten, den Wunderglauben bestätigen. An der Hand des Wunderglaubens schwindet ihm jeder Zweifel an der Existenz rer Geister und Dämonen, deren Ratnr und Mittheilnngsform er durch sorgfältige Unterredung mit Geisterbeschwörern feinrt <S. 0 und tt). Andererseits ist er ihm der Untergrund für den Glauben an die Schöpfung aus rem Nichts, an die Allwissenheit nnc> die Vorsehung Gottes (S. 1<>), und es zeugt immerhin von seiner Bcrührl'.ng mit der Zeitphilosophie, wenn er in dem zweiten Theile seines Bortrages die Schöpfung der Materie, der Elemente, in den Anfang setzt und die ewig sich erneuende Schöpfung deS Alls ans jenen, in den Schöpsungstagen gegründeten, Urkeimen entstehen läßt (3. 17), so daß diese aus dem Nichts geschaffen, mit Ewigkeit behaftet sind und unveränderlich fortdauern, jene 'immer wiederkehrende Schöpfung hingegen aus dem bereits Gewordenen entsteht, die wechselnde Form der Erscheinung ist und