Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1873)
- Date
- 1873-04-01
- Page
- Seite 233 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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233 ist, jeroch aber alle anderen Seelen und Religionen, welche im Stillen ihre Ceremonieen vernichten, dulret. Es sind ungefähr zwanzig jüdische Familien und dreißig bis vierzig' junge Leute hier; auch befinden sich unter den Verheiratheten ccmpetente Männer, die in Trauungsfällen und am Neujahrs- und Versöhnungsfeste die Stelle eines Borbeters übernehmen können. Seit etwa einem Jahre haben wir auch einen Mohel hier, und brauchen daher unsere Kinder nicht mehr zur Bcschneikung nach Europa zu schicken. Ferner haben wir seit 187<» einen Verein, der den Namen Beuisicencia israelita führt, gebildet, und der den Zweck hat, Glaubensgenossen in Arnunhs- und Krankheitsfällen zu un- I e u i t So ist es gekommen. Erzählung. lF o r ls etzung.» II. Lange Zeit klopfte ich, ohne daß sich Etwas in dem alten Hause rührte. Ich blieb aber beharrlich, und klopfte nur länger und stärker. Plötzlich wurde ein Schubfenster in der Thüre, dem einzigen festen Theile der verfallenen Hütte, ausgerissen, und eine markerschütternde, hohle Stimme, mit gewaltiger Anstrengung hervorgesteßen, ries mir donnernd zu:. „Wer da?" Es war mir sofort die Absicht deutlich, den Draußenstehenden zu erschrecken, aber sie wurde bei mir verfehlt, und ich lächelte nur um so mehr, als gleich daraus an der Sessnung in der Thüre ein bleiches, abgemagertes altes Gesicht zum Vorscheine kam, voll Runzeln und Furchen, in welchem nur schwarze, glühende und schnell bewegliche Augen von einer noch nicht erschöpften Lebenskraft, und von der unruhigen Lebhaftigkeit der Seele, zeugten. Das Erschrecken mußte vielmehr auf Seiten meines Gegenpartei sein, denn kaum hatte er mich erblickt, als der Kopf wieder zurückfuhr, ich möchte sagen Entsetzen ans ecul noch mehr erbleichenden Gesichte sich malte, und der Mann da drinnen mit schrillender Stimme ansrief: „Um Gottes des Gerechten willen, wer seid Ihr? was wollt Ihr?" Ich antwortete ruhig: „Nur still, alter Isacco, renn rer seid Ihr doch wohl, wie mich mein Führer belehrt hat, ich bin ein Fremder, und wünsche Meister Samuele zu sprechen." „Ein Fremder? Ein Fremder? Seid Ihr nicht mein armer . . Er schien den 'Namen nicht über die zitternden Lippen bringen zu können. „Seid doch vernünftig, Isacco, ich bin nicht Euer armer . . ., weiß rer Himmel, wen Ihr im Sinne habt. Ich bin ein Fremder, der so eben Porlezza zum ersten Male betreten hat. Seht mich nur recht an, Ihr könnt mich noch niemals gesehen haben." Dieser Aufforderung schien er zu folgen; sein stierer Blick milderte sich wieder, und sein lebhaftes Auge kreiste um meine Gestalt und mein Antlitz. „Wendet Euch doch," hob er an, „wenn es Euch gefällig ist, ein wenig links mit Euerem Kopfe." terstützen, sowie auch bei Sierbefällen für die Beerdigung zu sorgen. Bisher wurden die hier Verstorbenen auf einem christlichen Kirchhofe beerdigt, doch find wir jetzt dabei, einen eigenen Gottesacker zu kaufen, da wir bereits Ertaubniß von der Regierung erhalten haben. Sollten wir binnen Kurzem Dieses zu Stande bringen, so werde ich als Abonnent Ihrer Zeitung mir erlauben, Sic davon in Keuntniß zu setzen. Der größte Theil der hier anwesenden Juden find Deutsche, doch sind Polen, Franzosen und andere Nationen auch vertreten'.- Zum Schluffe erlaube ich mir noch, Sie zu buten, die kleine'Summe nach Ihrem Gutachten zu verwenden. Earlos Herzberg. l e t o n. Ich that cs. „Ja, ja," murmelte er in sich hinein, „das Muttermal fehlt am linken Sh re. . . aber diese Gestalt, diese Züge, diese Augen, diese schwarzbraunen Lecken, diese Haltung. Wer weiß," und seine Stimme sank immer tiefer, „wer weiß, im Grabe kann so ein Muttermal verschwinden . . Jetzt war mir die Sache doch zu viel; das alte graue Männchen mußte mich einiger Aehnlichkeit wegen mit einem längst verstorbenen Gesellen verwechseln; ich ries ihm daher etwas ärgerlich zu: „Seid doch vernünftig, Isacco! ich bin ein Fremder, und, füge ich hinzu, ein Jude; ich komme vom Eomcrsce und habe das schöne Land durchstreift. Mein Führer war rer Bartolo Lnigi vom Eacciobach, und rer nannte mir Eueren Namen. Jetzt will ich Eueren Herrn, den Meister Samuele, sprechen, und dazu macht endlich Anstalten." * Der Alte schien sich nunmehr zu beruhigen, sein faltenreiches Gesicht glättete fick,, so weit es dies vermochte, lind ein frenndlickcs Lächeln spielte um seine bleichen dünnen Lippen. Doch verdunkelte sich wieder sein Antlitz, und er sprach: „Ihr wollt zw Meister Samuele? Thut das nicht, 'geht Eueres Weges, er ist kein guter Geselle, was wellt Ihr von ihm? Nehmt es nicht übel, aber es ist kein guter Rath, daß Ihr Euch an ihn wenden wollt. Ich meine es gut mit Euch, schon weit Ihr. . . doch still davon." Er steckte seinen grauen Kops durch die Oessitung, so weit er konnte, und flüsterte mir zu: „Wenn Ihr Geld von ihm borgen wollt, denn zum Almosen seht Ihr zu vornehm aus, hütet Euch vor ihm, er ist. ein. böser Mensch, ein 'Wucherer, ein Vampyr, der Euch den letzten Tropfen Blutes aussaugt, und Eueren Leichnam dann vor die Thüre wirft, er hatte es schon oft gethan — o, ich hasse ihn, ich verabscheue ihn, geht, geht . . und hiermit wollte er das Schnbsenster zuziehcn, ließ jedoch eine breite Spalte, renn sein starrer Blick schien sich von mir nicht trennen zu können. „Halt, Isacco!" ries ich ihm zu, denn was ich da gesehen und gehört hatte, hatte meine Neugierde nur neck mehr entzündet. Ich lachte hell auf. was den alten Diener zu bewegen schien, das Fenster wieder zurückznschieben. „Ihr seid auf ganz falscher Fährte. Ich brauche kein Geld, und will noch weniger solckeS