Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1873)
- Date
- 1873-04-01
- Page
- Seite 232 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- Radom 2× ep/1000823
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232 «ad) ihrem Sinne zu wählen, in Folge ressen Mißhelligkeiten in der Gemeinde ausbrachen, unter renen nun die Armen zu leiden haben. Auf Anregung res Regierungspräsidenten wurden aber 30<K» Rubel gesammelt, und einem Comilö mit rer Bestimmung übergeben, sie zn-n Besten verschämter Armen zu verwenden. — Die „Kieleer Zeitung" berichtet ausführlich tiach amtlichen Quellen über zwei in rer Rahe rer Stadt Dzialoszyce befindliche jüdische Colonieen, deren Arbeitsamkeit, saubere Einrichtung und Wohlstand sie rühmend hervorhebt; die eine, Labcnsch, zählt i:><» Eolonisten, die andere, Ksanwrow, dt!. — Llus einem Städtchen im Gouvernement Ploek wird von einem spaßhaften Borfalle berichtet, der aber für unsere dortigen Glaubensgenossen leicht die traurigsten Folgen hätte haben können. Als nämlicl, dort die Cholera herrschte, wurde die Schuld daran von dem abergläubischen Pöbel den Juden beigemessen. Zu allem Unglücke fand sich eines Tages auf einem christlichen Kirchhofe ein frisches Grab, ohne daß eine Reiche beerdigt worden wäre. Ties gab dem Aberglauben neue Rahrnng; man beschuldigte die Juden, daß hinter diesem Grabe eine von ihren Zaubereien stecke, um die Cholera in das Quartier rer' christlichen Bevölkerting zu spielen. Da hals k^inc Rechtfertigung, kein Schwur; Rabbiner und Vorsteher wurden gezwungen, unter großem Volksauflaufe' auf den Kirchhof sich zu begeben, und sich mit eigenen Augen von dem frischen Grabe zu überzeugen. Als nun Alle da versammelt waren, kam eine Bauersfrau tlagenr und jammernd herbeigestürzt und erzählte, sie habe ra ihre Kartoffeln aufbewahrt, weil sie dieselben anderswo vor Spitzbuben nicht sicher genug gehalten habe. Und richtig, als man das Grab öffnete, fand man darin eine bedeutende Quantität dieser Erdfrüchte. — Man sollte glauben, auch die abergläubigste Phantasie habe ihre Gränzen: daß dem aber nicht so sei, beweist folgende Geschichte von einem weinenden Beefsteak, die unsere Zeitungen lebhaft beschäftigt hat. Eine bei einem Juden in Dienst stehende Köchin hatte diesem erzählt, sie habe ans einem zum Beefsteak bestimmten Stücke Fleisch plötzlich markerschütternde Klagetönc vernommen. Jener glaubte nun steif und fest, daß eine sündhafte israelitische Menschenseelc im Beefsteak stecke, und nach einem ehrenvollen Begräbnisse nach jüdischem Ritus verlange; eilte zu einem Rabbiner, und verlangte von diesem den Befehl, daß an dem Beefsteak alle die Eeremonicen vollzogen würden, die einer jüdischen Leiche gebühren, um in Leichenkleider gehüllt, aus dem jüdischen Kirchhofe feierlich beigesetzt zu werden. Ter „Israelit", der diese Erzählung als wirklich geschehen zngicbt, fügt hinzu, daß der Dummkopf, von dem Rabbiner wegen seines Aberglaubens tüchtig zurechtgesetzt, mit dem lächerlichen Gesuche abgewiesen worden sei. — In Radom hat ein chassidischer Rebbe an der polizeilichen Gewalt die Gränzen seiner irdischen Macht kennen gelernt. Dem Zaddik in Lipök siel es nämlich eines Tages ein, seine dortigen Getreuen Mrch einen Besuch, und gleichzeitig durch Ablegung von Proben seiner übermenschlichen Kraft, zu erfreuen. Kaum war er dort angelangt, so eilten in Hellen Schaaren Spekulanten, Verliebte, Patienten, schwangere Frauen herbei, um für reiche Spenden sich den Segen deS Heiligen zu erkaufen. Als genug war des grausamen Spieles, intervenirte die heilige Hermandav, und eonfiscirte den Rabbi sammt seinen eingeheimsten Schätzen, um gegen jenen eine Untersuchung einleiten zu lassen. — Bon ebendaselbst wird dem warschauer „Israelit", dem wir theilweise bei diesen Mittheilungen folgen, berichtet, daß, Dank den Bemühungen des, um die Verbreitung der Bildung unter unseren dortigen Glaubensgenossen hochverdienten Herrn Liebermann, Vorstehers der Gemeinde zu Radom, daselbst eine jüdische Elementarschule in Gegenwart des Regierungspräsidenten, des Kreisschuldireetors, des Stadtpräsidenten n. s. w. feierlichst eröffnet worden sei. Eine vorzügliche Rede über die Rothwendigkeit des Besitzes moderner Bildung wurde vorn dortigen Rabbiner, Herrn Mohilewer, gehalten, der, ein Unieum in unserem Lande, wahre Frömmigkeit mit Liebe zu weltlichem Wissen in sich vereinigt. — Unsere Glaubensgenossen können nicht genug vor jenen Betrügern gewarnt werden, die angeblich aus dem heiligen Lande konnnen, um für heilige Zwecke Gelder zu sammeln. So wurde in diesen Tagen in Warschau ein „Jeruschalmi" dabei erwischt, wie er die Zahlen in den Beilragslisten zu seinen Gunsten fälschte, um die folgenden Spender zu immer größeren Gaben zu veranlassen. Die Sache kam vor den Vorstand, der den Lump nach Abnahme seiner Atteste und Gelder mit heiler Haut abziehen ließ. Sehr zu bedauern! Es hätte ein Exempel statuirt werden müssen. — Aus der Statt Hrnbieschew wird von reu» Ableben des Medicinalrathes l)r. Hirsch Goldschmidt gemeldet. Deniselben werden Bertifstüchtigkeit, wahre Humanität, seltene talmudifche und rabbinische Kenntnisse ler soll ein elegantes Hebräisch geschrieben haben,, große Belesenheit in der fremdsprachlichen Literatur nachgerühmt. Er erfreute sich der größten Hochachtung und Beliebtheit bei allen Gesellschafsclaffen, bei Juden und Christen. --- Von dem reichbegabten Herrn Advocalen Kraushaar in Warschau ist jüngst eine polnische Uebersetzung von Heinc's „Buch der Lieder" erschienen; competente Beurtheiler rühmen die Uebersetzung als genial gelungen. Per». Lima, l l. Februar. <Privatmitth.» Durch die Allgemeine Zeitung des Jutenthnmes wurde ich von der unglücklichen Katastrophe zu Ostrowo, die sich am vergangenem Versöhnungsfeste in der dortigen Synagoge zutrug, in Kenntniß gesetzt. Ich bin daher so frei, Ihnen die Summe von 130 Thlrn., welche ich für die Verunglückten unter den hier anwesenden Glaubensgenossen gefamnrclt habe, zu übersenden. Gleichzeitig erlaube ich mir, Ihnen über die Zustände der hiesigen Israeliten zu berichten. Wir leben hier in der Republik Peru, welche die Cultussreiheit noch nicht zum Gesetze erhoben hat, vollständig katholisch