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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-01 · Heft 14 (1.4.1873) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 14 (1.4.1873)
Date
1873-04-01
Page
Seite 231 (sequence 14)
Language
German
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231 deren Angelegenheiten es -die Unterstützung des englischen durch des Letzteren Verbindungen wünscht. Bekanntlich hat sich jüngst in Wien auch ein Comitö zufammengethan, um eine selbstständige Alliance in Oestreich zu gründen, die aber auch die Thätigkeit für das östreichische Inland sich zur Ausgabe gestellt hat. Man hat in Wien weder eine große Versammlung, noch lange und heftige Debatten gehalten, sondern ist sofort zur That geschritten. Italien. Rom, im März. Im pariser Journal le Tenipö schreibt ein Herr Erdan aus der römischen Eampagna: „Tie Juden hatten ihre Katakomben wie die Christen. (Gerade den Weinbergen gegenüber, wo die Katakomben des heiligen Sebastian, des heiligen Calixtus u. s. w. sich befinden, sah ich voll Erstaunen vor einiger Zeit die ungeheuere jüdische Katakombe, mit endlosen Corridors, mit Unmassen von Gebeinen, mit Priester- oder' Rabbinerkammern, mit symbolischen Zeichnungen, das Ganze ähnlich dem, was man in den christlichen Krypten verehrt. Jndeß, um beiläufig zu bemerken, ist es schwer zu erklären, daß die reiche, über die ganze Erde verbreitete jüdische Nation noch nicht dazu gelangt ist, namentlich seit dem 20. Septbr. 1870, dieses große Andenken der Zerstreuung der Stämme zu besitzen und genügend zu würdigen. Während der Enthusiasmus der Nachforschungen auf der anderen Seite der Bia Appia übertrieben ist, ist auf dieser Seite alles Vernachlässigung, Stille, 'Gleichgültigkeit. Hier in, mit Malereien bedeckten und zum Theil mit Marmor bekleideten, Kammern rufen die nach dem Falle des Tempels nach Rom gekommenen Israeliten, und Israel hat dies vergessen." Wir hoffen, daß diese Zeilen des pariser Journals die Aufmerksamkeit wissenschaftlich gebildeter Inden in Italien auf diesen wichtigen jüdisch-antiguarischen Schatz lenken werden. Wir empfehlen ihn auch besonders der emsigen Durchforschung des Herrn Dr. Berliner. Tenn wenn wahr ist, was der französische Journalist sagt, so liegen hier geschichtliche Schätze verborgen, die unstreitig bedeutenderen Werth haben, als viele Manuseripte einzelner Autoren. Schweden. Norrköping, 23. März. «Privatum!,.) Tic liicftjjc Zcistmg meldet die Aufhebung des Gesetzes vom 20. Oktober 1800, welches Sie in rer Allgem. Zeitung des Iudenthumes Nr. t18 vom 17. September 1872 als intolerant bezeichnen, weil nach erwähntem Gesetze die vom Auslande hierher kommenden Israeliten sich nur in den von mosaischen. Glaubensbekennern bewohnten Städten Stockholm, Gothenburg, Norrleping und Carlscrona wohnhaft machen durften. Mit der Aufhebung dieses Gesetzes wird sonach den Ausländern, welche die Erlaubniß erhalten, sich im Lande aushallen zu dürfen, das Recht erlheilt, überall, wo sie es wünschen, ihren Wehnplatz zu nehmen. Mögen riese erweiterten Rechte nur immer zum Nutzen und Frommen des Iudenthumes werden. Tie in Malmö wohnhaften Israeliten haben sich schon das Eorporationsrecht als Bersammlung verschafft, und, ans Ansuchen, von der dortigen Commune unentgeltlich ein Stück Land zum Begräbnißplatze, neben dem christlichen Kirchhofe erhalten. Man denkt auch daran, eine Religionsschule einznrichteu, also auch wieder ein kleiner Fortschritt. Rußland. Rnssisch-PoltN, im Februar. (Privatm.) Bom jüdischen Standpuncte aus über kaufmännische Unternehmungen, gewerbliche Etablissements :c. in riesen Blättern zu referiren, selbst wenn solche von Glaubensgenossen herrühren, liegt wohl für Ihre Correspondenten keinerlei Berechtigung vor. In Bezug aus Polen indes; gestatten Sie, Herr Redacteur, gewiß gern eine Ausnahme. Tenn die nationalökouomische Hebung des Landes hat auch die sittliche und religiöse, die allgemein geistige unserer Glaubensgenossen im Gefolge; je mehr Individuen aus rer Masse des jüdischen Proletariates durch anständige Beschäftigung Gelegenheit finden, aus ihrem materiellen Elende sich losznringen, eine um so größere Anzahl wird auch dem intellectnellen, dem moralischen entrissen. Ter Geist entfaltet sich freier, wenn der Körper seiner Fesseln entledigt wird; der Gesichtskreis erweitert sich, je größer der Raum ist, in dem man sich bewegt. Der Chassidismus, dieser Krebsschaden unseres Landes, wird am erfolgreichsten bekämpft durch Bermehrung und Erweiterung der Erwerbsquellen für die große Masse. Sie erlauben mir daher, Herr Redacteur, daß ich Ihnen nach dem warschauer „Dnicwnik" folgende Mittheiluug mache: „Tie Tampfmühle in Lowitsch" (bei Warschau) ist, nachdem sie drei Jahre hindurch umhälig gewesen, vor Kurzem wieder in Betrieb gefetzt worden. Bor etwa zehn Monaten durch Licitation in den Besitz der Herren Epstein und Rosenblum übergegangen, ist sie von denselben durch Benutzung der neuesten Erfindungen aus technischem (Gebiete in erneu Zustand versetzt werden, daß sic unzweifelhaft zu den ersten Polens gezählt werden darf. Tie musterhafte Einrichtung, die tüchtige Verwaltung, das bedeutende Betriebseapital, stellen dem neuen Unternehmen eine sck'öne materielle Zukunft in Aussicht, welche auch für die Bewohner der Umgegend nicht ohne segensreich^ Folgen bleiben dürste. — Dem „Lubliner Courier" entnehmen wir Folgendes: „Obgleich die Pfänderlotterie, welche alljährlich hier sin Lublin) zum Besten der hiesigen jüdischen Armenanstalt veranstaltet wurde, stets sehr bedeutende Einnahmen erzielte, ist sie doch in diesem Jahre ausgefallen, und zwar durch Schuld der langröckigen Inden nud der scheitellragenden Jüdinnen. Es ist den Machinationen derselben nämlich gelungen, einen Borstand ganz

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