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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-01 · Heft 14 (1.4.1873) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 14 (1.4.1873)
Date
1873-04-01
Page
Seite 230 (sequence 13)
Language
German
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230 sei, und daher mittelst des oben erwähnten Erlasses den Cnltusvorstand oder eigentlich die hiesige israelitische Gesammtgemcinde verhalten wolle, vorerst dem, von der ehemals selbstständig gewesenen Orthodoxeupartei angestellten Rabbiner, den ihm von dieser zugesicherten Rabbinatsgehalt idttu fl.> auch weiterhin ii» inl'nntnm?» auszubezahlen, weiter aber aus die Wünsche der orthodox sich nennenden Judenpartei, namentlich in rituellen Fragen, näher cinzugehen, ihnen bei Vorstandswahlen einen möglichst niedrigen Wahlcensus zuzngestehen, und dergleichen mehr. f Was an diesen Gerüchten Wahres ist, können wir freilich nicht verbürgen, allein Thatsache ist es, daß neuerdings eine tiefe Erbitterung unter den hiesigen, in politischer Beziehung maßgebenden Juden herrscht, und daß sie sich diesmal nicht so sehr gegen die an sich sollst ullbeachtete und machtlose Orthodoxencoterie, als vielmehr gegen die allzu große Bouhommie der Negierung kehrt, und dies, wie jeder Unbefangene zugestehen wird, mit vollem Rechte. Die Geschichte der Zerwürfnisse unter den hiesigen Juden führt jeden Einsichtsvollen zu der Ueberzeugung, daß cs zu so unheilvollen Kämpfen unter denselben gar nicht hätte kommen können, daß daS winzige Häuflein annf'eliger jüdischer Finsterlinge, mit den Prätensionen einer Partei anfzutreten, gar nicht den Mnth gehabt hätte, wenn nicht die Regierungsorgane, und insbesondere unser Laudespräsideni, gleich zu Beginne der orthodoxen Bestrebungen eine so überraschende Willfährigkeit gezeigt hätte, und wenn sich nicht die meisten Erlässe des Eultusministeriums einer wahrhaft classischen Unbestimmtheit, Unsicherheit und Bieldeutigkeit beflissen hätten. Soll nun, nachdem vor kaum drei Monaten durch die Wahl eines Vorstandes für eine einzige Gesammtjutengemeinde das Gejohle der Orthodoxen verstummte, durch die eigenste Initiative der Regierung selbst, etwa durch neuerliche Ordonnanzen, und vag und unsicher gehaltene Ministerialerlässe, deren Nothwendigkeit nicht leicht zu begreifen ist, der kaum noch gl NN Nl ende Funke zu neuer verzehrender Flamme angcfacht werden? Wurde das Ministerium sich endlich ein genaues Bild von diesem orthodoxen Proletariate, und dessen sauberem Treiben, von einem Unbefangenen darstellen' lassen, dann müßte es das Letztere ein für allemal in sein eigentliches Nichts entschieden zurückweisen, und hierdurch den ans humanen und besonnenen Männern bestehenden Eultnsvorstand von den nngerechlfertigten Hemmnissen und Chicanen befreien, die if;m sonst eine ersprießliche Wirksamkeit innerhalb seiner gesetzlichen Befugnisse beinahe unmöglich machen. Tarnopol, l 8. März. Daß die veränderten politischen Verhältnisse auf die sociale Slellimg der Juden auch in Galizien einen bedeutenden Einfluß üben, und dadurch gewiß civilisatorisch auf sie wirken werden, vielleicht auch gerade darum die schweren Kämpfe mit dem unduldsamen polnischen Elemente heilsam sind, zeigt folgende Eorrespondenz der N. fr. Pr. : „Der Triumph der Verfassungspartei in der Wahlreformfrage hat auf unsere jungst erfolgten Gemeinderathswahlen insofern Einstuß geübt, als bei der dritten Eurie sechs Christen und sechs Juden, bei der zweiten dagegen elf Juden und ein Christ gewählt wurden. In der ersten Classe werden wieder elf Christen und ein Jude gewählt erscheinen, so daß von den vorgeschriebenen 30 Gemeinderäthen die Hälfte jüdischer Consession sein wird. Die Wahlen gingen ohne großen Kampf vor sich, und die national-polnische Partei sah trotz des in der zwölften Stunde vom Dziennik Polski erhobenen Unkenrufes der 'Wahlagitation reservirt, ja resignirt zu." Frankreich. Paris, 21. März. (Privatmitth.j Das Centralcomitö der Alliance fühlt wohl, daß es seine frühere Energie, die seit dem Kriege lb70 nachgelassen, wiedererwecken muß. Es hat daher den sehr nützlichen Entschluß gesüßt, jeden Monat das Protokoll seiner Sitzungen drucken zu lassen, und an die Localcomitös und hervorragende Persönlichkeiten zu senden, während daS Bulletin für die Mitglieder halbjährlich bleiben soll. Es liegt uns Nr. 1 vor, welche die Sitznngsprotekolle aus den Monaten Januar, Februar und März enthält. Es versteht sich, daß sich in solchem Referate eine Menge Details vorsinden, deren Mittheilung an dieser Stelle nicht interessirt. Tie Alliance läßt das Wert der orientalischen Schulen nicht aus den Augen; aber es zeigen sich die großen Schwierigkeiten, welche dasselbe mit sich bringt. Die Schulen gehen oft nach einigem Bestände wieder ein, und müssen von Neuem gegründet werden; eie Gemeinde» zeigen sich sehr gleichgültig, und wollen nur wenig zu den Kosten beitragen; die Armuth ist sehr groß, die Kinder leiden Hunger, und entbehren des Arztes in Epidemicen. Nur die größte Ausdauer kann hier etwas Nutzen schassen, und die Zeit die ausgestreueten Saaten aufsprießen lassen. Für die Ackerbauschule zu Jaffa sind wieder Mittel herangeflossen, und der räuberische Anfall, der neulichst auf sie ftaltgefunden halle, hat die türkischen Behörden veranlaßt, eine größere Vorsicht und Energie zu verheißen. Neben Rumänien ist es besonders Marokko, wo, jüngst die Brutalität gegen die Juden wieder erwacht ist. Die Alliance thut das Mögliche, um die europäischen Consuln zum Schutze der Letzteren aufzu- ,fordern. — Das Eomilö zu Berlin hat die Beschlüsse der am Ni. und II. Tecember daselbst abgehaltenen Versammlung überschickt, dabei aber versichert, daß, wenn das Cenlratcomit6 nicht darauf cinginge, Alles beim Alten bleiben werde. Das Centralcornit6 hat sich bis jetzt darüber noch nicht schlüssig gemacht. Die zu Grunde liegende Frage ist übrigens, ohne alle theoretische Discussicn, thatsächlich schon gelöst worden. Die in England gebildete Alliance steht ganz unabhängig neben Paris da. Aber, wie die vorliegende Nr. 1 zeigt, arbeiten sich Beide trefslichst in die Hände. Das englische Comit6 sendet bedeutende Summen zur Unterstützung bestimmter Werke der Alliance, und das pariser Comit6 schickt dem englischen diejenigen Schriftstücke zu, in

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