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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-01 · Heft 14 (1.4.1873) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 14 (1.4.1873)
Date
1873-04-01
Page
Seite 228 (sequence 11)
Language
German
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228 S. Dreyfuß erledigt geblieben war, wieder besetzt worden, und zwar durch Herrn Mook, bisher Rabbiner zu Thann. Münster in Westphalen, lll. März. rPrivatmitth.) Als am 5. d. M. das verehrliche Euratorium der Marks-Haindorfschen Stiftung eben hier versammelt war, um über die Wahl eines, künftigen Directors rer Lehranstalt die'er wohlthätigen Stiftung zu berathen, wurde eines rer thätigsten nur edelsten Mitglieder dieses Euratoriums, Herr Abraham Alsberg, plötzlich von einem heftigen Schlaganfalle ergriffen, nachdem der Edele noch einige Augenblicke vorher rie schönsten nur gedeihlichsten Plane für die Zukunft dieser herrlichen Anstalt entworfen unr verfochten hatte. Ter Anfall war törilich: in rer Anstalt selbst, für die der Edele so gern unr so freurig gewirkt hatte, hauchte er seinen erelen Geist aus, betrauert von Allen, die den einfachen, aber für alles Gute und Nützliche glühenden Mann kannten. Der Verlust, den die Anstalt in ihm erleidet, ist um so schmerzlicher, da derselbe, augenblicklich kaum zu ersetzen ist. Mit den inneren und äußeren Vorzügen und Mängeln rer Anstalt vertraut, unt am Orte selbst weilend, diente er als Leiter und Stütze der Lehrer unr Lernenden, und hat diesen schönen Berus mit Treue und Aufopferung bis zu seinem letzten Athemzuge erfüllt. An seinem Grabe redeten Herr Dr. Kroner, sächsischweimarischer Lanrrabbiner, vormaliger Tirector dieser Anstalt, und der greife Lehrer E. Markus, ernste unr eindringliche Worte. Das Andenken des Erelen bleibe zum Segen! Stuttgart. In einer vorwöchigen zahlreichen Wählerversammlung, zu welcher alle Wahlberechtigten tuittelft Circular eingelarcn worden waren,-einigte man sich, folgende Herren zu weltlichen Mitgliedern des israelitischen Kirchenvorsteheramtes vorzuschlagen: 1) Herrn OberkirchenVorsteher Di-. Ad. Levi, vieljähriges und verdienstreicheö Mitglied dieser Gemeindebehörde (bekannt auch als früheres Bürgerausschußmitglied und jetziger Stadtrath, sowie als Vorstand des israelitischen Waisenhauses Wilhelmspslege); 2) Herrn Vanquier S. D. Nördlingcr, thätiges Mitglied der demokratischen Partei, und 3i Herrn OptikuS Koch, einen Vertreter philanthropischer Intereffen. Ohne Zweifel werden dies.e drei Männer auch aus rer "Wahlurne als Sieger hervorgehen. MÜttslngen, 7. März. (Aus einem Würtemb. Blatte.) Letzten Montag hielt Dr. Silber stein, Rabbiner von Buttenhausen, hier einen Vortrag über die sociale Frage und die mosaische Gesetzgebung. Dr. Silberstein erwies sich wiederholt als äußerst glänzender Redner. Ausgehend von einer allgemeinen Darstellung der socialen Frage in der Gegenwart und Vergangenheit. gelangte der Redner zu dem Resultate, daß, Ein Land tPalästma) ausgenommen, alle Völker an der socialen Frage krankten, und trotz vielfacher Versuche zu ihrer Lösung zürn großen Theile an ihr zu Grunde gingen. Redner suchte den Nachweis zu liefern, daß alle jene Keime des Verderbens, die den Untergang der antiken Welt herbeiführten, von dem palästinensischen Gemeinwesen möglichst fern gehalten wurden. Die Sklaverei wurde dort möglichst gemildert, ja bei dem inländischen Knechte - eine Bezeichnung für een Begriff des Sklaven kennt die Sprache nicht einmal — auf ein bloßes Dienstverhälrniß auf Zeit eingeschränkt. An die Stelle der Verachtung, der die erwerbende Thäligkeit in den klassischen Staaten anheimsiel, trat in Palästina die Hochschätzung. Mahnungen zum Fleiße, und Warnungen vor dem Müßiggänge, kehren unzählige Male in den fundamentalen Geboten, wie in der Volksliteratur wieder. Ebenso galt Freiheit der Arbeit; aber auch kaS dritte Grundübel, an dem die antiken Staaten litten, und vor dem auch der moderne Staat sich nicht zu schützen vermochte, die allzu ungleichmäßige Venheilung des Besitzes, wurde durch die agrarischen Gesetze von dem palästinensischen Gemeinwesen fern gehalten. Alle Einrichtungen zielten darauf ab, einen tüchtigen Mittelstand zu schaffen , von dem das Glück der Gemeinwesen allein abhängt, und. ein besitzloses Proletariat, wie es uns in erschreckendster Gestalt, im Alterthnme, wie in modernen Staaten, eutgegenlritt, von dem Lande fern zu halten. An Armuth in Felge unglücklicher Zufälle :c. fehlte es darum doch nicht im Lande; hier aber trat die Armengesetzgebung helfend ein, die, vom Geiste der Milde und res Wohlwollens getragen, sich wesentlich von anderen Gesetzgebungen dieser Art unterscheidet. Schließlich berührte Redner noch die Lösung der modernen socialen Frage. Dem Vernehmen nach wird der Vortrag auf vielseitigen Wunsch durch den Druck einem größeren Publicum zugänglich gemacht. —. lPrivatmitth.) An die Stelle ces emeritirten Seminarlehrers L. Liebmann, der im August sein fünfzigjähriges Lehrerjubiläum feierte, wurde die Stelle als Hausvater an der, Wilhelmspslege Eßlingen, dem israelitischen Waisenhause, dem israelitischen Lehrer und Vorsänger L. Stern, einem strebsamen jungen Manne, übertragen. Ocstreichisch-uiigarische Monarchie. Krakau, im März. Ich habe Ihnen seiner Zeit daS Schriftstück mitgctheilt (Atlg. Zeit. d. Iudenthums Nr. 38 vom vorigen Jahre),, wodurch die Amtsentsetzung über den Rabbiner David Halberstamrn in Chrzaw'nv nächst Krakau ausgesprochen wurde. Dieser Herr, ein Sohn res Thaumaturgen von Neusandez in Galizien, hat sich erwiesenermaßen während seiner mehr als zwanzigjährigen Amtsverwaltuug solche Mißbräuche, ja offenbare Fälschungen unr Rechtsverletzungen zu Schulden kommen lassen, daß sowohl das Strafgericht, als die politische Behörde, sich bemüßigt sahen, wider denselben einzuschreiten, und ihm das Handwerk zu legen. Diese letztere Behörde hat.demgemäß, mit Einvernehmen des hiesigen k. k. Landesgerichtes in Strafsachen, eine DiSciplinaruntersuchung gegen Herrn Halberstamm eingeleitet/'deren Endresultat, wie erwähnt,

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