Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1873)
- Date
- 1873-04-01
- Page
- Seite 227 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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227 verkündet, ist von den Kritikern als ein vaticiuium post evcutum erklärt worden. Sie haben sich aber gänzlich darin geirrt. Sanherib ist niemals über die vom Propheten besprochenen Oertlichkeiten gezogen, da er vielmehr nach den assyrischen Berichten zunächst von Siton, hart an der Küste entlang, über Akko nach Joppe zog, und sich von da östlich wandte, also über Beth-Horon gegen Jerusalem vordrang. Tie Straße, welche Jesaja angiebt, konnte nur in das Auge gefaßt werden, so lange die Assyrcr noch fern waren, was mit dem ganzen Tenor des Orakels übereinstimmmt; ganz anders als in Cap. 22, wo wir uns die Assyrer bereits in nächster Nähe der Hauptstadt stehend zu denken haben. Dieses Beispiel wird die Herren warnen, mit dem vaticiniura post eventum nicht überall bei der Hand zu sein. Allerdings finden sich in den chronologischen Angaben zwischen der Bibel und den Keilinschriften nianche nicht geringe Berschiedenheiten, welche auszugleichen noch vieler Arbeit bedarf, oft nicht zu erreichen sein wird. Allein dies kann nicht in das Gewicht fallen. da gerade hinsichtlich der Zahlen eine Unsicherheit der Lesart häufig stattfindet. Cs kann Niemandem verborgen bleiben, wie groß die geschichtliche Autorität der biblischen Bücher durch diese Vergleichungen mit den, frühere Perioden berührenden ägyptischen und spätere Zeilen befassenden assyrischen Monumenten wird, so daß auch die Wissenschaft sie anerkennen muß. Je fester aber der Boden bis zu Salomo und David hinauf wird, desto besiiunnter werden auch die- Umrisse der Ereignisse vor diesen Königen, wie die biblischen Bücher sie zeichnen. Bei den jetzt im Schwange seienden Zweifeln an dem geschichtlichen Inhalte der Bibel schien es uns von Bedeutung, auch das größere Publicum ans die neuen Entdeckungen, und ihre schwer wiegenden Resultate, aufmerksam zu machen. Deutschland. Berlin, 23. März. tPrivatmitth.» Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Anerkennung des israelitischen Volles, seines Geistes und seiner Geistesschöpfungen in den erleuchteten Männern immer mehr Fortschritte macht. In der von Ernst Curtius gestern in der Aula der Universität zum Geburtstage des Kaisers gehaltenen Festrede knüpfte dieser an den Festesgruß, den die Universität an ihren erlauchten Beschützer richtete, eine geistreiche Vergleichung, wie sich in den Grußesworten.das Volk der FreU heit und das Volk des Rechtes, die Hellenen und Römer, vom Oriente unterschieden, in welchem letzteren der Werth der Persönlichkeit ganz aufgehoben war, mit Ausschluß des einen Volkes, das den Gottesbegriff in die Welt getragen hat, und dessen Gruß „Friede mit Dir" noch heute das Höchste bedeutet. So haben sich die wichtigsten Stufen der Menschenennvickelung im Gruße geosfenbart. Also auch hierin hat das jüdische Volk, welches diesen Gruß von Abraham an bis heute sich erhalten hat, nach dem Ausdrucke dieses gelehrten Kenners des AlterthumeS „das Höchste geosfenbart", Wir machen hierzu bemcrklich, daß daS Wort ciba noch tieferen Sinn hat als daS deutsche „Friere", indem es auch Heil, vollkommenes Wohl, Vollständigkeit, volle Gesundheit befaßt. Von den Juden ist dieser Gruß auf die muhammedanischen Völker und ebenso in die katholische Welt „Pax vobiscum“ übcrgegangen. — Solche Anerkennung tröstet uns, wenn wir berliner Börsen- und Witzblätter, die zumeist von Namens- und getauften Juden rcdigirt werden, in den Schlammtheilen des jüdischen Lebens wühlen, und in der Mauschelsprache so trefflich bewandert sehen. . Meseritz «Posen), IG. März. Am 11. d. M. waren unter dem als Wahlconnnisiarius sungirenden Landrathe von Hi nkcldey die Wahlmänuer rer zu Collectivstimmen vereinigten Städte des birnbaumer, bomstcr und meseritzer Kreises zur Wahl eines Abgeordneten und zweiten Stellvertreters für den Provinciallandtag in Meseritz versammelt, und wurde Bürgermeister Hoyer aus Wellstein zum Abgeordneten gewählte Bei der Wahl der Stellvertreter erhielt der zur israelitischen Religion gehörige, als Wahlmann mit anwesende Kaufmann Jakob Strich aus Birnbaum die Stinuuenmehrheit. Ta aber nach Ansicht des Wahlcom'.nissarinö der § 5 des Gesetzes vom 27. März! $21 wegen der Provincialstände, nach welchem ein Abgeordneter einer der christlichen Kirchen angehören müsse, es zweifelhaft ließ, ob, der Kaufmann Jakob Strich werde bestätigt werden, so wurde noch ein Dritter, natürlich der christlichen Religion angehörender, Stellvertreter gewählt. Also geschehen im Jahre 1S73: 23 Jahre nach Emanation der Verfassungsurkunde vom 31. Januar IS50 für den preußischen Staat, und vier Jahre nach Emanation des Reichsgesetzes vom 3. Juli IS09 betreffend die Gleichberechtigung der Confessionen in bürgerlicher, und staats-. bürgerlicher Beziehung. Daß es dem Wahlcommissarius und den Wahlmännern unbekannt ist, daß die Provincialhanplstadt Posen seit langer Zeit durch den der mosaischen Religion augehörigen Stadtrath Kaatz im Provinciallandtage vertreten wird, ist eine Unkenntnis;, welche diese Herren mit Vielen theilen, die sich mit den Verhältnissen in der Provinz vertraut zu machen nicht für geboten erachten. Daß aber ein ganzes Wahlcollegium unter dem Vorsitze eines königlich preußischen Landrathes mit seiner Gesetzeskenntniß nicht über das Jahr 1821 hinauSgekommen ist, muß billig — befreuiden. Mühlhausen «Elsaß), im März. Endlich ist der hiesige Rabbinersitz, der so viele Jahre schon seit dem Tore des Rabbiners 14