Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1873)
- Date
- 1873-03-25
- Page
- Seite 211 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Oestreichisch-ungarischc Monarchie. Wien, 10. März. Durch die Munisiccnz des Barons Rothschild hat die wiener israelitische Cultusgemeinde endlich ein neues und entsprechendes Krankenhaus erhalten. Es wurde mit der Leitung des BaucS der hiesige Architekt W. Stiaßny beauftragt; der Baugrund des Hauses hat einen Flächenraum von über 2000 Ouadratklastern, und liegt an der währinger Hauptstraße mit der Aussicht auf den Kahlenberg. Das HauS ist zweistöckig, und enthält ungefähr fünfzig Zimmer, die alle sehr geräumig sind; auch ein großer Borsaal befindet sich darin, in dem eine Tafel mit folgender Inschrift angebracht ist: „Zum Andenken an seinen verewigten Bater Herrn Salomon Freiherr» von Rothschild ließ Herr Anselm Freiherr von Rothschild in den Jahren 1S09—1S72 das Krankenhaus ans eigenen Mitteln erbauen. In denkzeiligcr Erinnerung dieses Werkes der Menschenliebe widmet die israelitische Enltnsgemeinde Wiens dem edelmiithigen Gründer diese Gedenktafel. Sie soll rer Nachwelt Zeugnis; geben von dem warmen Mitgefühle des Stifters für feine leidenden Mitmenschen, und seinen Namen verherrlichen für alle Zeiten. „Den Kranken mache ich gesund." Am Tage der Schlußsteinlegung der Vorstand der israelitischen Enltnsgemeinde." Gestern fand nun die Feier der Schlußstcinlegung statt. In einem improvisirten Festraume versammelten sich um elf Uhr die Gäste, unter denen die Vertreter und Vorstände der hiesigen israelitischen Eultusgemeinee, das Baneomitö des Hauses, und auch die beiden Söhne des erkrankten Gründers, die Barone Nathanicl und Salomon von Rothschild. bemerkt wurden. Das Wort ergriff zuerst Rathaniel Freiherr von Rothschild, der von seinem erkrankten Vater dclegirt wurde, der Gemeinde den Ban zu übergeben, und zugleich den Förderern des Baues seinen herzlichen Tank auszudrücken. Hierauf erwiederte l)r. Kn ran da, als Präsident der Gemeinde, es werde die heiligste Pflicht des Vorstandes fein, den Bau bis in die spätesten Zeiten zu erhalten. Redner ersuchte auch die Anwesenden, das Beileid für den kranken (Gründer durch Erheben von den Sitzen zu erkennen zu geben. Das Publicum bricht hierauf in ein begeistertes Hoch aus. Zum Schlüsse erklärte noch der Präsident, er müsse dem Herrn Moritz .lütter von Goldschmidt seinen Tank aussprechen, da er ein Bild des verewigten Salomon Freiherrn von Rothschild großmnihig spendete. Herr Mütter von G o l d s ch m i d t erwiederte hierauf, er habe es als seine Pflicht erachtet, seine Verehrung für den Dahingeschiedenen dadurch anszudrncken, das; er das Bild desselben den Heilungsbedürftigen widme. Nachdem Gcmeindcrath Wilhelm Frankl die Urkunde vorgelescw hatte, stimmte Obereantor Professor Sulzer unter 'Assistenz des Eantors Fischer, eines Männerquartetts und einer Orgel, einen Choral an. Prediger Di*. Iellinek hielt hierauf eine Rede, welche von den Anwesenden mit vieler 'Andacht angehört wurde. Wie», 11. März. Es hat sich in Wien ein muer Verein constituirt, der im Anklange an den so populär gewordenen Namen der Alliance isriuUite universelle den Titel „Israelitische Allianz zu Wien" führt, und nicht blos nach Außen hin sich wirksam erweist, sondern auch für die Hebung und Verbesserung der israelitischen Zustände in Oestreich-Ungarn mit voller Kraft cingreifen soll. Um sich sofort auf legalem Boden bewegen zu können, hat der Verein die Statuten bei der Statthalterei eingcreicht, und die Genehmigung derselben erh.ckten. Die beigetretenen Stifter, Gründer, Mitglieder, werden die, Ende Mär; oder Anfangs April dieses Jahres zu berufende, constitnirende Generalversammlung bilden, welche den Vorstand und den Beirath zu wählen haben wird. Zahlreiche Spenden sind schon jetzt dem Vereine zngewcndet worden. Das provisorische Comite besteht gegenwärtig ans den Herren Jakob Brandeis, Arminio Cohn, Moritz Ritter von Goldschmidt, Samuel Gottlieb, l)r. Moritz Güdemann, I),*. Adolph Iellinek, Moritz Freiherr von Königswarter,!)r. Leopold Kompert, I)r. Ignaz Knranda, Ludwig Ladenburg, Adolph Neustadt, Leopold Popper Ritter von Podragh, Bernhard Singer, ür. Karl Ritter von 'Weil, Joseph Mütter von Wertheimer und Eduard Wiener Mütter von Welten. Schweden. Stockholm, 12. März. iPrivatmitth.) Man kann mit Recht sagen, daß in Schweden der letzte Funke von ReligionShaß erloschen ist, nachdem die bürgerliche Gleichstellung der Juden bis ans die einzige Ausnahme, des Eintrittes in das Ministerium im Jahre 1S70 angenommen wurde, und wirklich de facto cyiftirt. So sind, trotz unserer geringen jüdischen Bevölkerung kdie hiesige Gemeinde zählt 8—000 Seelen bei einer Gesammtbevelkerung von 100,000», in dem jetzt tagenden Reichstage, dem ersten, in welchen Juden gewählt werden dursten, ein Jude unter dreizehn Abgeordneten, und in Gothenburg ('»—(»00 jütische Seelen bei einer Einwohnerzahl von r>(>,oo<») ebenfalls ein Jude unter fünf Abgeordneten, in die zweite Kämmer gewählt worden, von denen der Letztere sogar in den „Gesetzansschnß" von der Kammer eingesetzt'worden ist, während bei der Wahl in Norrköping letwa 1" jüdische Seelen bei einer Einwohnerzahl von 20,000) von zwei Abgeordneten zur zweiten Kammer ein Jude mit zwei Stimmen in der Minorität blieb. Auf allen anderen Gebieten bricht sich die Anerkennung des persönlichen Verdienstes unserer Glaubensbrüder immer mehr Bahn; so ist der hiesige Polizciintendant «die zweite Polizeicharge» ein jüdischer Jurist von 00 Jahren; mehrere Juden bekleiden tvichtige comnumale Aemter, Lehrerstühle an höheren Staatsschulen, u. s. w. Persien. Bonn, I!. März. (Privat»,.) Das londoner vomitä der Teputies of the Brittsh IewS hat jetzt einen Rechenschaftsbericht 13