Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1873)
- Date
- 1873-03-25
- Page
- Seite 210 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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210 werde, so beehre ich. mich Ihnen hiermit eine wortgetreue Abschrift in der Anlage einznsenren. Hieran erlaube ich mir noch die Bemerkung zu knüpfen, rast ich n n n von dem T-irector qn. Institutes ganz so betrachte: und geachtet werde, wie die Religionslehrer der beiden anderen Konfessionen, „1:7127 phn nam“, was ich mit inniger Befriedigung dankbar anerkennend hervorheben muß. — Bei der diesmaligen Abiturientenprüfung «Realschule erster Ordnung! hat es der Zufall gefügt, das; drei Abiturienten, ein evangelischer, ein katholischer und ein mosaischer sich ihr unterzogen und von ihnen dem jüdischen Abiturienten, seiner Führung, seines Fleißes nur seiner schriftlichen Arbeiten wegen, das mündliche Examen erlassen worden war. Am Schluffe vor dem letzten Weihnachtsfeste sprach der evangelische Geistliche mir gegenüber darüber sein Bedauern aus, das; ich bei dieser Schulfeier anwesend wäre. Er wollte so recht von Herzen den Zöglingen in seinem Gebete daö christliche Weihnachtsfesl in seiner Bedeutung tUu machen, und werde nun durch meine Anwesenheit gestört. Ich erwies rw ihm, das; ihm hierzu die Kirche paffende Gelegenheit biete, und u:n nun die. jüdischen Schüler möglicher Weise vor einer Berletznng zu schützen, machte ich von des Pastors Aeußerungen dem Dircctor sofort Anzeige. Schon war derselbe im Begriffe mich das Gebet sprechen zu lassen, das sicherlich nichts Verletzendes enthalten hätte; denn unser Buntesbuch lehrt uns ja 7 7 msiati das «71 3^3712", als er ider Direetor, selbst auftrat und ein Gebet sprach, zu dem ich und meine Schüler von ganzem Herzen Amen sagen konnten. Er sprach es, nnd seitdem hält er auch jedes Mal das Gebet. Cohn, Rector. (Abschrift.) Berlin, 2.1. September 1^7 2. U. 2ü,!MHi. Dem königlichen Provincialschuleollegimu lasse ich anliegend orig, eitle Vorstellung des Rector Lohn bei der jüdischen Stadtschule in Rawicz vom k. d. M. mit dem Bemerken zugehen, daß ich eS nur für angemessen halten kann, wenn er in seiner Eigenschaft als jüdischer Religionslehrer der Realschule daselbst bei Feststellung der Eensnren der jüdischen Schüler dieser Anstalt -"gezogen wird. Ebenso wenig finde ich Etwas dagegen zu erinnern, daß der?c. Eehu die betreffenden Eensnren an letzter Stelle mit dem Beifügen „jüdischer Religionslehrer" mitnnlerzeichnct. Hiernach wolle das königliche Provincialschuteollegium den Direclor der Realschule mit Anweisung und den Eohn mit Bescheid.versehen. Ter Minister rer geistlichen :c. Angelegenheiten. gez. Falk. An das königliche Provincialschuleolleginm;n Posen. Aus der Provinz Posen, 1:;. März. (Privatinilth.) Aue Flatow meldet die „Bolksztg.": Die Negierung zu Marienwcrdcr crtheilte die Genehmigung, daß dem jüdischen Religion slehrer Michaelis die Vertretung einer hier erledigten evangelischen Vehrerstelle übertragen werde. Der „P. Z." wird über diese Angelegenheit Folgendes aus Flatow berichtet: Die Mittheilung über die von der königlichen Regierung in Marienwerder genehmigte Vertretung einer evangelischen Vehrerstelle durch den jüdischen Religionslchrcr bedarf nach der Tanz. Ztg. folgender Berichtigung. Michaelis ist nicht Religionslehrer in dem Sinne, daß er seine Befähigtlng nur für diesen Unterrichtsgegenstand nachzuweisen vermochte, sondern derselbe ist vielmehr geprüfter Elementarlehrer.. Zweitens ist die Stadtschule, an der Michaelis mit Zulaffnng der königlichen Negierung einstweilen wirkt, kein reines evangelisches Institut, sondern eine Si'.nultananstalt, die seit ihrem Bestehen Kinder aller Eoufeffionen aufnimmt; hauptsächlich aber wird sie -von evangelischen und jüdischen Schülern frequcntirt. Letztere betragen zur Zeit beinahe ein Fünftel sammtlicher Zöglinge. Dieselben erhielten gegen eine besondere Remuneration Seitens der Stadt ihren Religionsunterricht bisher von dem hiesigen Rabbiner Dp. Eohn. Als dieser aber von hier nach Berlin übcrsiedelte, und als sich die Aussicht eröfsnete, das; eine Vehrerftellc vacant würde, beschloß die Stadtvertretung, im Einverständniffe mit der Shnagogengemeinde, einen seminaristisch gebildeten jüdischen Vchrer anzustellen., der, um die Kosten für Eriheilung des Religionsunterrichtes zu ersparen, gleichzeitig in die ledig werdende Stelle ein rücken könne. Tie Wahl siel auf Michaelis. Wenn nun nach erfolgter Erledigung einer Stelle an der Stadtschule der Magistrat btos die einstweilige Vertretung, nur nicht die Besetzung, bei rer Regierung beantragte, so geschah dieses aus denl Grunde, weil man hier mit der Reorganisation des Schulwesens umgeht. In Vissa ist Herr Gymnasiallehrer Teplitz in Stelle des nach Görlitz versetzten Herrn Oberlehrers Dp. Müller zum Oberlehrer ernannt werden; Herr Teplitzist Israelit, und als solcher zuerst an einem königlichen Gymnasium znm ordentlichen, nnd jetzt zum Oberlehrer, ernannt worden. Tic israelitische Schule in Schokken ist seit dem 3o. Juni vorigen Jahres geschloffen, und zwar aus sinanciellen Gründen. Tie israelitische Gemeinde zahl: etwa 2oo Thlr. Elassen-, resp. Einkommensteuer. Tie Unterhaltung einer Schule würde wenigstens 300 Thlr. kosten, es müßte somit I'/.» Thlr. Schnlbeitrag pro I Thlr. Elaffensteuer gezahlt werden. Ta die evangelische und die katholische Gemeinde hier jährlich aus Staatsmitteln 170 resp.!00 Thlr. Zuschuß erhalten, so ist die israelitische Gemeinde dieserhalb bei der königlichen Regierung zu Bromberg vorstellig geworden, aber total abgewiescn worden; circa 70 schulpflichtige Kinder bleiben somit ohne jedweden Unterricht, und müssen vollständig verwahrlosen. Bereits vor sechs Wochen ist auch dem Eultusministerium Vorstellung gemacht worden, bis heute jedoch ist dieselbe ohne Bescheid geblieben.