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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-25 · Heft 13 (25.3.1873) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 13 (25.3.1873)
Date
1873-03-25
Page
Seite 204 (sequence 2)
Language
German
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204 die fdjrefiflcn Gegensätze, gesunden werten, warum sollen sie nicht auch in der Gesammtheit der Inden vorhanden sein, ohne Dies derselben $mu Vononrs machen zu können. weil — cs coou durchaus natürlich ist? - Aber wir gehen weiter. Es war einer der nicht wenigen Irrthümer der gesammten liberalen Partei, voranszusetzen, das; nunmehr alle Juden von demselben liberalen Geiste durchdrungen sein, das; es unter ihnen nicht Fraelionen geben würde, welche der Reaction mehr oder weniger nahe stehen möchten. In der That aber haben sich derartige Vorwürfe bereits bis zum Lächerlichen gesteigert. Die Soeialisten verdonnern die Juden, weil sie nicht mit Lack und Pack in's soeialistische .Vager eiugerückl sind, die Demokraten schmähen und verwarnen sie, weil sie nicht säuuntlich sich vom reinsten demokratischen Wasser zeigen, und andere Parteien überhäufen sie mit Feineseligkeiten, weil sie zu demokratisch seien, rund schieben ihnen bei Gelegenheit auch den Soeialisnms in die Schuhe — den Republicanern sind sie ein Stein des Anstoßes, weil sie nicht Allesammt in der Republik das Heil sinreir, und Deren Gegner sind ihnen nicht minder Gegner, weil sie voraussetzon — alle Inden müßten ]>er .se Nepublieaner sein. Bor Allem aber hatte man geglaubt, das; die Juden, sobald sie die bürgerliche Gleichstellung erreicht hätten, ihr Glaubensbekenntnis;, das Dasein ihrer uralten Religiensgenossenschast, mit Einem Male wegwerfen und sich — ja, zu wem? zu den Deisten, zu den Darwinisten, zu den Atheisten, zu den Materialisten, zu den Patttheisten, zu den Pessimisten, zu den Positivisteu, und wie die Parteien alle heißen, gesellen werden. Daher der Zorn, wenn sie bei den Juden dies nicht finden, toenn sie einer Spur odergar einem thätigen Ansbaue ihres Rcligionswescns, wenn sie einer Aenßerung ihrer Eonsessionalität begegnen. Wir behaupten aber im Gegentheile, das; alle diese Herren von der Freiheit und vom wahren freien Geiste nur eine sehr schwäche Borstellung haben. Die Freiheit besieht n i ch t darin, das; jede Individualität aushöre, jede Besonderheit verschwinde, jede Eigenart der Allgemeinheit, oder besser einer allgemeinen Uniformität hingegeben werde — der freie Geist ist nicht der, welcher jede eigene Ueberzengung läugnet und fanatisch verfolgt, jede bestimmte Glanbensmeinung als einen Abbruch an der Menschheit brandmarkt, jede Anhänglichkeit au ererbter 'Religion für eine Schädigung der Gesellschaft erklärt. Wäre Dies die Freiheit und der freie Geist, so hätte man sich den Kamps darum ersparen sollen, denn es wäre doch nur eine Knechtschaft für die andere eingelauscht worden. Die wahre Freiheit und der ächte freie Geist sind vielmehr darin zu finden, daß die Interessen der ganzen Menschheit, die Pflichten gegen die Gesellschaft und den Staat, die Förderung alles Wahren und Edelen, mit ganzer Seele und aller Zlrast nach bestem Verständnisse gewahrt und gepflegt werden, die Grundsätze des 'Rechtes und der Gleichachtung für Alle hoch gehalten, und möglichst verwirklicht werden, das; dann aber auch die Freiheit für die Entwickelung jeder Individualität, für die Bcthätignng jeder, die Interesien der Allgemeinheit nicht schädigenden Eigenart gewährt und ausrecht erhalten werde. Das eine Moment ohne das andere ist keine Freiheit, ist Fesselung des freien Geistes. So verstehen wir es, und von diesem Gcsichtspunete aus beurtheilen wir die Dinge, die um uns geschehen. Wir kehren zu dem gedachten Leitartikel zurück. Das; der Verfasser nicht aus objeetiven Motiven seine Kritik schreibt, sondern aus irgend welcher leidenschaftlichen Erregung, erkennt man leicht. Er bestreitet Herrn von Rothschild nicht das Recht, mit seinem Golde nach Belieben verfahren zu können, und bemerkt dabei, „wenn es ihm beliebte, so könnte er sein Spital auch beispielsweise auf die Ausnahme rothhaariger Patienten beschränken, und verfügen, das; nur Aerzie und Krankenwärter, die nicht über fünf Schuh hoch sind, an demselben angestellt werden dürfen." Dies ist ebenso kleinlich wie witzlos. Der Verfasser muß wenig Herz für wohlthätige Handlungen besitzen, um sich so über das Werk des Herrn von Rothschildansznlassen. Jeder gefühlvolle Mensch freuet sich vor Allem jeder thalkrästigen Aenßerung der Barmherzigkeit, und achtet sie, käme sie auch nur einem kleinen Theile leidender Menschen zu Gute, lieber die Anstellung der Beamten macht der Verfasser noch vor obigem Ausfälle eine Bemerkung, die wir nicht übergehen können, er sagt: „Rach Analogie des jüdischen Gemeindespitales dürfen wir wohl anuehmen, daß nur Juden an demselben Anstellung finden werden." Ans eine solche „Annahme" hin darf kein Unheil gegründet werten; er hätte sich genau danach erkundigen müssen. Wir B. glauben es nicht, und meinen, das; auch das israelitische Gemeindespital eine solche beschränkende Bestimmung nicht habe, wenn auch vielleicht gegenwärtig die an ihm augc^ stellten Aerzie Juden sind. Gegen einen solchen Grundsatz müßten wir uns energisch erklären. Ans dem Gebiete der Heilkunft darf nirgends ein Monopol bestehen, und bei Anstellung welcher Art nur auf die Befähigung und den Pslichteiser, nicht aber auf Eousession gesehen werden. Einen anderen Grundsatz annehmen, wäre allerdings ein verwerfliches Vorgehen. Auch wäre es in Wien nur eine Ausnahme, denn wir kennen israelitische Spitäler nnd Krankenvereine, an welchen christliche Aerzle snngircn, auch an Orten, wo cs jüdische Aerzie giebt. Der Verfasser hätte also erst den Beweis bringen müssen. Ganz falsch aber ist der weitere Grund, aus welchen er seine Anklage stützt. Er 1 sagt: „Baron R othschild und die wiener Eultusgemcinke stellen sich auf den Srandpnuet der engsten Eonfcssionalität. ihre Haltung unterscheidet sich nicht im Geringsten von der des Eardinals Rauscher. Der Erzbischof von Wien verlangt specisisch katholische Schulen, specisisch katholische Lehrerbildungsanstalten, katholische Seminare für Dienstmägde, und wollte das wiedcner Spital der grauen Schwestern wenigstens insofern als ein katholisches behandelt wissen, das; er die Leitung desselben „im katholischen Geiste" verlangte, während er gegen r

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