Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1873)
- Date
- 1873-03-18
- Page
- Seite 197 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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197 ich zu meiner Freude erfuhr, daß die in meinem vorigen Schreiben erwähnte Empfehlung Seitens des Herrn Neichscanzlers bereits eingetrofsen sei. Das mit Bezug hierauf an die italienische Negierung gerichtete Gesuch fand die schleunigste Berücksichtigung, so daß mir bereits vor acht Tagen der Bibliothekar der Sapienza ein Circular des Staatsministers zeigen konnte, in welchem sämmtliche Bibliotheken des Reiches, in denen handschriftliche Sammlungen sich befinden, angewiesen werden, nur in jeglicher Weise bei Benutzung derselben entgegenzukommen. Nun galt es noch, eine sehr große Schwierigkeit zu beseitigen, eine bange Sorge, die ich von Hause aus mitgenommen hatte, zu losen. Es galt nämlich, die Erlaubniß für die Benutzung der unter päpstlicher Verwaltung stehenden Vaticana zu erlangen. Aber auch hier gelang es mir, indem der erwähnte Bibliothekar eine Gelegenheit benutzte, bei der er Lern Cardiuale Antonelli ein Bittgesuch für mich unterbreiten konnte, das auch von einem in der numismatischen Abtheilung angestellten Gelehrten, an den ich ebenfalls empfohlen war, auf's Wärmste unterstützt wurde. Zch erh'elt nach einigen Tagen die Erlaubniß, nach beendigtem Cameval meine Untersuchungen in der Vaticana beginnen zu dürfen. Die Zwischenzeit konnte ich für eine genaue Kenntnisnahme der für die jüdische Literatur fast noch unbenutzten Easa- ' nata, die nach der Vaticana die größte Bibliothek in Rom ist, verwerthen, indem mir der Bibliothekar, ein überaus freundlicher Dominicaner, auch während der Earnevalszeit ausnahmsweise in einigen Stunden täglich den Besuch der Bibliothek gestattete. Seit acht Tagen bin ich nun vier Mal in der Woche, da außer Sonntag auch am Donnerstag geschlossen ist, Vormittags von 8—11 Uhr in der Vaticana, Nachmittags von 2—r> Uhr in der Easanata beschäftigt. Aull) die anderen hiesigen Sammlungen werde ich, so Gott will, nach Absolvirung der letzterwähnten I? e u i l Durch Gose» zum Ämn. Bon Prof. Ebers. (Schluß.) Die Wallfahrt in die Wüste hatte Mernephtah widerwillig genug, und nur von der Roth gezwungen, zugegeben; um die Flucht der Hebräer zu verhindern, mußte er alle ihm zu Gebote stehenden Mittel aufbieten. Ter Vorsprung, den ihm die Entweichenden abgewonnen hatten, war nicht unbeträchtlich; um ihn auszugteichen, entbot er sogleich die ganze ihm zu Gebote stehende Cavalerie, „er spannte seine Wagen an, und nahm sein Volk mit sich, und nahm sechshundert auserlesene Wagen und alle übrigen Wagen in Aegypten, und Wagenkämpfer auf alle. Und Jehova verhärtete das Herz Pharao's, des Königs von Aegypten, daß er den Söhnen Israels nachjagte." Die Denkmäler zeigen uns in der ägyptischen Armee keine Reiter, um so zahlreicher aber ist die Truppe der Wagenkämpser, Bibliothek kennen lernen. Ich darf hierbei einen Umstand, der mich beim ersten Besuche in der Vaticana überraschte, nicht verschweigen. Einer der Bibliothekare, Professor der semitischen Sprachen, trat nämlich an mich mit der Frage heran, ob ich derselbe sei, der das Raschiwerk, welches er so hochschätze, edirt habe. Eine solche Anerkennung konnte mir in diesem Augenblicke nur willkommen sein, und sie erwieS sich auch in der That so, daß ich, der Jude und Deutsche, neben acht anderen Bevorzugten, unter denen auch der berühmte Professor Mommsen war, jede Schüchternheit im Verlangen nach dieser oder jener Handschrift bald ablegen durfte. Bei der Fülle des gebotenen Materiales wird die Schwierigkeit meine'' Aufgabe nicht zu verkennen sein. Nicht selten muß ich mich damit begnügen, die Jrrthümer in den hiesigen Katalogen zu berichtigen, damit für die Zukunft Anderen der Weg für eine richtigere Kenutniß und Benutzung des Vorhandenen gezeichnet werde. Nur zwei Beispiele hierfür. Es wird im Kataloge eine Handschrift als Or Santa bezeichnet. Hastig griff ich darnach, in der Hoffnung, den noch nicht aufgesundenen Theil (Nesikin) dieses wichtigen Werkes vor mir zu haben. Was fand ich aber? Den Maor zu Peßachim, beginnend mit Eine andere Handschrift enthält eitlen Eommentar zum Pentateuche, der im Kataloge einem Autor zugeschrieben wird, der zweihundert Jahre später als der Schreiber selbst gelebt hat. Doch genug hiervon; ich berichte Ihnen ein anderes Mal über den Fortgang meiner Studien. Indern ich Ihnen noch mittheile, daß die Briefe an..mich unter der Adresse „Signore Samuele Alatri per Dott. A. Berliner, Koma, via Fiumara 7»2" gehen, sende ich Ihnen und allen meinen lieben Freunden die herzlichsten Grüße. Mit Hochachtung 1)r. Berliner. f c t o n. * welche in feiner Pharaouenfauiilie einer so sorgfältigen Pflege genoß, als in der des Mernephtah. Im Delta und in Gosen wurden die Rosse gezüchtet, welche vor den zu Theben abgebildeleu Kriegöwagen die Federbüsche auf ihren Häuptern*) so stattlich schütteln; denn dafür spricht nicht nur die Beschaffenheit des Landes, sondern auch eine durch ihre Datirung besonders interessante Stele, deren Inschrift uns den Namen und die Würden eines hohen Beamten, der auch die Charge eines Oberstallmeisters (Chefs der Rosse) des Königs bekleidete, erhalten hat. Zwischen der Verfolgung der Flüchtlinge durch den Pharao und dem Aufbruche der Hebräer liegen mehrere Tage, in denen Mernephtah unkhätig blieb. Ließen sich diese nicht nachweifen, so würde man entweder an dem Tode des Konigssohnes, oder *) S. Abbildung in unserem Vibclwcrke. Bd. 1. S. 374. ' Redact. 12*