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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-18 · Heft 12 (18.3.1873) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 12 (18.3.1873)
Date
1873-03-18
Page
Seite 196 (sequence 10)
Language
German
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196 Auflage, durch die Ausschließung, die sie in sich birgt, statt einträglich, dem Schatze schaden wird, da es weniger Steuerpflichtige geben wird. „Wir'bitten Sie daher, Herr Präsident und verehrte Herren Senatoren, in tiefer Ehrfurcht, im Interesse der Gerechtigkeit den erwähnten Artikel nicht zu votiren, da seine Folgen unheilvoll für den Staatsschatz sowohl, als auch für einen bedeutenden Theil der israelitischen Bevölkerung im Lande sein müssen." Auch diese Petition ist erfolglos geblieben, denn wie ein Telegramm meldet, hat der Senat das Gesetz nach dem Anträge der Regierung pure angenommen. Tic Unglücklichen hoffen jetzt, daß der Fürst Karl dem Gesetze seine Sanction nicht geben werde. Wenn unsere Leser dieses Blatt vor Augen haben werden, wird sich auch diese Hoffnung als der Strohhalm erwiesen haben, an welchen! der Bersinkende sich hält. So wird denn der teuflische Plan, den die rumänischen Teputirtcn ansgeheckt haben, die Juden dadurch in Rumänien zu vertilgen, daß man ihnen alle Nahrungszweige abschneidet, und dies in einer Form zu thun, welche der öffentlichen Meinung in Europa den ganzen Zweck zu verhüllen befähigt ist, immer mehr ausgeführt, und jeden Tag durch neue ausfchließende Gesetze viele tausend jüdische Familien mehr an den Bettelstab gebracht. Allerdings liegt cs in der einfachen Folge der Thatsachen, daß sich dieses scheußliche Gebaren an den schon so elenden volkswirthschaftlichen Zuständen der Moldauer und Wallachen schwer rächen wird — was hilft dies aber den Unglücklichen, die jetzt mit Frauen, Kindern und . Greisen dem Hungertode entgegengehen? Serbien. Belgrad, 22. Februar. Hier bereitet sich vielleicht ein Eonstict zwischen Test reich und Serbien vor. Ein östreichischer Unterthan, Zöraelit, Namens Haym, etablirte mit Autorisation des östreichischen Generalconfnls, Herrn von Kallay, ein Magazin in Belgrad. Die serbische Regierung ließ dasselbe schließen, und nahm die Schlüssel an sich, weil nach dem Gesetze ein Jude, der nicht eingeboren, in Belgrad nicht ansässig sein und Handel treiben dürfte. Ter östreichische Generalconsnl hat energisch proteftiel, weil nach den Eapitulationen jeder östreichische Unterthan in Serbien verweilen und Geschäfte treiben kann, das östreichische Gesetz aber keinen Unterschied aus confcssionellen Rücksichten kenne. Die serbische Negierung, hat bis jetzt hiervon keine Notiz genommen. Es ist dies also derselbe Fall, wie er früher zwischen der Schweiz einerseits, und Frankreich. America, Holland und Persien andererseits so lange Gegenstand des Zwistes war', bis die Toleranz in der Schwei; den Sieg errang. — Laut hierhergelangter Berichte ist vor einiger Zeit bei Uschitza ein Raubmord an einem zweiundzwanzigjährigen Israeliten, Allaras, einem ehrlichen Hausirer, begangen, worden. -Die Mörder,-mit ihrer Beute geschmückt, gehen frei umher, und eö fällt den Behörden nicht ein, auch nur die geringste Untersuchung anznstellen. Man sieht, eS besteht kein zwischen Serbien und Rumänien, und alle schmeichelhaften Petitionen an den Fürsten helfen zu Nichts. Die untere Donau wird nun einmal von barbarischen Völkern bewohnt, bei welchen die Cultur nur erst in ihren nngemessencn Forderungen und "Anmaßungen, bei den Gebildeten in einem schwachen französischen Firniffe besteht. Asien. Smyrna, 15. Februar. Ein interessanter Rechlsfall hat sich in den letzten Wochen hier abgespielt, welcher um so mehr Erwähnung verdient, weil Tcstrcicher dabei eine, und zwar sehr ehrenvolle Rolle spielen. Die hiesige israelitische Gemeinde besitzt in der Nähe ihres Spitales ein Grundstück im dcrmaligen Werthe von etwa 2o,0(K> Gulden östreichischer Währung, welches der selige Baron Salomon von Rothschild seinen Glaubensgenossen zum Geschenke gemacht hate. Nachdem die Gemeinde seit vielen Jahren im unbestrittenen Besitze dieses Grundstückes sich befunden hatte, traten plötzlich vor längerer Zeit einige fanatische Türken aus, und bestritten die Rechtmäßigkeit dieses Besitzes, indem auf diesen! Grundstücke einmal eine Moscheegestanden habe, und dasselbe daher von Ungläubigen nicht besessen werden könne! Da es in der Türkei nicht so viel auf Geschriebenes, als auf mündliche Erklärungen von Zeugen türkischer Nationalität ankommt, und die armen Juden solche in einem Falle, wo es sich angeblich um kirchliches Eigenthum handelte, nicht aufzutrciben vermochten, so galt die Sache bereits für verloren,-als sich die israelitische Gemeinde in ihrer größten Noch an Baron Anselm von "Rothschild in Wien um Rath und Hülfe wendete. Dieser einflußreiche Geldfürst wußte die östreichische Regierung für den Fall zu interessiren, und das hiesige Generalconsulat erhielt den Auftrag, der Sache seinen Beistand zu leihen. Den energischen Bemühungen desselben gelang es in der That, einen günstigen Ansgang herbeizuführen, und noch ehe die fanatischen Türken von ihrem Erstaunen über die verlorene Sache sich erholten, ließen die gewitzigten Israeliten das wiedereroberte Grundstück mir Mauern umgeben nur mit einer großen Eingangspforte versehen, über welcher, wie über dem Portale des Spitales, der Name des großmüthigen Spenders prangen wird. Correspendenz. Rom, 5. Mär; 1873. Mit Bezugnahme auf meine Mitthcilung vom 2. v. M.*) ^wollen Sie mir gestatten, Ihnen von Rom aus über den Beginn meiner Tätigkeit berichten zu dürfen. Am Tage nach meiner Ankunft begab ich mich zur deutschen Gesandtschaft, wo *) Dort bitte ich, statt „Kempen" lesen zu wellen „Posen und Stuttgart".

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