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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-18 · Heft 12 (18.3.1873) · p. Seite 193

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 12 (18.3.1873)
Date
1873-03-18
Page
Seite 193 (sequence 7)
Language
German
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193 I. Hirsch mit, daß sich der Verein vor fünfundzwanzig Zähren aus sechsundzwanzig Mitgliedern gebildet, während der Dauer seiner Wirksamkeit 3Go Mitglieder gehabt habe, und jetzt deren weit über hundert zähle, daß der Verein stets seinen Zweck, den hier sich aushaltenden und das Familienleben entbehrenden jungen Männern dasselbe möglichst zu ersetzen, und ihnen namentlich in Krankheitsfällen die nöthige Pflege angedeihen zu lassen, im Auge behalten, und sich daher auch weit über den Kreis seiner Mitglieder hinaus Anerkennung erworben habe. Hierauf folgte die feierliche Ueberreichung einer Adresse und eines silbernen Pocalcs an Herrn Frank als Zeichen der Anerkennung von Seiten der Mitglieder des Vereines, die derselbe tief gerührt annahm. Eine dritte, in ihrer Art eigcnthümliche Feier fand vor Kurzem zu Ehren eines, hier in allen Kreisen hochgeachteten, Mannes statt. Herr Hirsch Oppenheim, wegen seiner Biederkeit, seiner Wohlthätigkeit, insbesondere aber in seiner Eigenschaft als ausgezeichneter Mohel weithin bekannt und als solcher sehr gesucht, hatte auswärts diese Operation zum tausendsten Male vollzogen. Bei seiner Rückkehr wurde er in seiner Wohnung von dem Landrabbiner, einigen Vorstandslnitgliedern, und mehreren sonstigen Freunden, begrüßt und beglückwünscht, woraus, ihm eine Adresse überreicht wurde, in welcher die Absicht ausgesprochen ist, ihm zu Ehren eine Stiftung in's Leben zu rufen, um armen jüdischen Wöchnerinnen in der Stadt und Provinz Hannover beizustehen, die Kosten für „das Sitzen" und event. für die Beschneidung, namentlich aber für die Heranbildung junger Mohelim zu bestreiten. Auf dem jüngsten Ordensfeste wurde Landrabbiner Di-. Meyer von Sr. Majestät mit dein rothcn Adterordcn vierter Classe dccorirt. In Lüneburg wurde das neue Synagogenlocal, zu welchem die städtischen Behörden die Aula des alten Zohanneums überlassen hatten, in Gegenwart von Mitgliedern der Landdrostei, des Magistrates u. s. w. in würdiger Weise eingeweiht. Krotoschin (Posen), im Februar. (Privatmittheil.) Anknüpfend 'an das kurze, in diesem geschätzten Blatte gebrachte, dem Centralschulblatte entnommene, Referat über die „Lehrer Blumsche Stiftung" Hierselbst, will ich noch Einiges zur Ergänzung beifügen. Der greise Lehrer an der hiesigen israelitischen RectoratSschule, Herr Jakob Blum, der im Zuni vorigen Jahres seinen siebzigsten Geburtstag erreichte, verbat sich alle von seinen ehemaligen Schülern bei dieser Gelegenheit ihm etwa zugedachten Aufmerksamkeiten, indem er beit Wunsch aussprach, daß diese einer von ihm in's Leben zu rufenden Stiftung, zu der er selbst mit einem Geschenke von 100 Thlrn. den Anfang machte, zugewendet werden möchten. Zweck der Stiftung sollte sein, für arme jüdische Knaben, welche daS hiesige Gymnasium besuchen wollten, das Schulgeld zu zahlen, und sie mit Schulbüchern freizuhalten. Nachdem vom Rabbiner Dr. Joül in einer Predigt! die in diesem Entschlüsse sich kundgebende Selbstlosigkeit und Hochherzigkeit hcrvorgehoben worden war, nahmen der 'Rector, Herr A. Hnth, und der Eorporationövorsteher, Herr M. Katzenellenbogcn, die Sache mit Eifer in die Hand, so daß in ganz kurzer Zeit über lo()0 Thlr. zusammenkamen, und auch aus der Gemcindccasse ein jährlicher Beitrag bewilligt wurde. Diese Stiftung hat jetzt die landesherrliche Genehmigung erhalten, und wird zu Ostern dieses Jahres ihre segensreiche Wirksamkeit beginnen. Bemerkt wird nur noch, daß laut Statut der Name eines jeden (auch auswärtigen) edelen Wohlthäters, der 25 Thaler zu dieser Stiftung spendet, auf einer, zu diesem Zwecke im hiesigen Schullocale anzubringenden Tafel, zum Andenken für ewige Zeiten verzeichnet werden wird. Ocstrcichisch-uiigarischt' Monarchie. Wien, 5. März. Hier hat ein Vorgang in den parlamentarisch-gouvernementalen Verhandlungen ein sehr unangenehmes Aufsehen erregt, da er die Schwäche des jetzigen Ministeriums den Polen gegenüber, trotzdem diese jede Vermittelung zurückgewiesen und den Reichstag wegen der Wahlreform verlassen haben, erweist, und mit welch geringer Energie es die Sache der Gerechtigkeit, und die Sorge für den verfassungstreuen Theil der Bevölkerung, führt. Der Sachverhalt ist folgender, wie die N. Fr. Pr. berichtet: „Am Fastnachtödiustag hat bekanntlich der Verfassungsausschuß in einer vierstündigen Sitzung die Wahlbezirkseintheilung für Galizien berathen, und eine Reihe von Abänderungsanträgen in Erwägung gezogen, über die er nur deshalb nicht schlüssig werden konnte, weil die Negierung in der Sache noch nicht Stellung genommen hat. Unter diesen Anträgen befand sich auch ein Vorschlag des Abgeordneten Kur an da, der, auf zahlreiche Petitionen aus Galizien gestützt, die THeilung der Stadt Lemberg, welche nach der Regierungsvorlage zwei Abgeordnete in den Reichsrath zu entsenden hat, in zwei getrennte Reichsrathswahlb ezirke verlangte. Wir glauben, daß dieser Antrag der eingehendsten Beachtung werth ist. Die Stadt Lemberg besteht aus der inneren Stadt und vier sogenannten Vierteln. Das zweite und dritte dieser Viertel ist von einer durchaus verfassungstreuen jüdischen Bevölkerung bewohnt, die, wenn die ganze Stadt nur Einen Wahlbezirk bildet, von der polnischen Einwohnerschaft majorisirt würde. Wird jedoch die Stadt in zwei getrennte Bezirke gelheilt, die aus der inneren Stadt und dem ersten Viertel einerseits, und dem zweiten und dritten Viertel andererseits bestünden, und welchen noch je eine Hälfte des vierten Viertels zuzutheilen wäre, so würde der verfassungstreuen Einwohnerschaft von 30,000 Seelen eine Vertretung im Reichstage gesichert. Wir glauben nicht, daß die Regierung einen triftigen Grund gegen diesen Antrag Vorbringen könnte. Es ist gewiß nur eine Forderung der Gerechtigkeit, daß den 000,000 Deutschen und Juden in Galizien, die bisher dem polnischen Terrorismus zum Opfer sielen, eine ihren Gesinnungen

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