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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-18 · Heft 12 (18.3.1873) · p. Seite 189

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 12 (18.3.1873)
Date
1873-03-18
Page
Seite 189 (sequence 3)
Language
German
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189 besonders von geschichtlichem Werthe. Den ersten Blick zieht hier die denkwürdige Völkcrtasel im ersten Buche Mose Cap. 1«> auf sich. In den assyrischen Texten findet sich nun, der hebräischen Form entsprechend, Madai (Medien), Iavanu und das Volk Iavnai, ganz wie daS hebräische Javan, im umfaffenden Sinne für Griechenland; das hebräische Meschech findet sich in Muski, einem Volke im Norden Assyriens, wieder. Aegypten heißt Mufur, also ohne die Dualendung, und hinter demselben erscheint Kusi, d. i. Kusch, Aethiopicn. Denkwürdig ist es, daß die Assyrer den Namen Kanaan für das philistäisch-phönicische Küstenland, einschließlich des BerglandeS bis zum Jordan hin, nicht kennen. Sie bezeichnen constant das betreffende Ländergebiet, insbesondere den Küstenstrich, mit dem Gesammtnamen mat Aharri, d. i. „Hinter- oder Westland", von „hinten sein", vgl. das Hebr. In einer Inschrift werden die einzelnen Theile dieses Hinter- oder Westlandes aufgezahlt: „das Land Tyrus, das Land Sidon, das Land Omri (Nordisrael i, daS Land Edom, das Land Philistäa, bis zu dem großen Meere, welches nach Untergang der Sonne zu belegen ist." Man erinnere sich, daß auch in der heiligen Schrift das Mittelmeer ynnsH stj (5 Mos. 11, 24) heißt, hingegen Westen seine Bezeichnung vom Mittelmeere erhielt, also meerwärts statt westwärts. — Sehr interessant sind die Ausschlüsse, die uns über Ninive werden. Vers 11 heißt es: „und baute Ninive und Rechoboth-Ir und Chalah, und Refen zwischen Ninive und Chalah: das ist die große Stadt." Ueber die hier genannten Städte außer Ninive wußte man Nichts zu sagen. Der Erfolg der nunmehrigen Untersuchungen ist, daß sämmtliche vier Namen die Quartiere der großen Stadt zwischen dem Tigris und dem in diesen mündenden Zab bezeichneten, welche später, nämlich um 700 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, den Gesammtnamen Ninive erhielten. In den Inschriften kommt Chalah wiederholt auch im Sinne von „mannhaft", nrr«„vicl", welches im Assyrischen von einem Verbum maad abgeleitet erscheint lhcbr. *nn), in beiden Sprachen gleich. — Interessant ist, was wir über den Namen des zweiten Sohnes Adams, Hebel, erfahren. Die Bibel giebt keine Wortcrklärnng für ihn an, und man leitet ihn gewöhnlich von -2N „Hamb, Vergängliches, Nichtiges" ab. Im Assyrischen ist aber Habal, Hablu das gewöhnliche Wort für „Sohn". Durch diese Erklärung tritt denn auch Hebel angemessen in die Reihe der übrigen Namen der ersten Menschen ein: Adam „Mensch" überhaupt, Eva „Mutter", Äain „Setzling. Sproß", Seih dasselbe, Enosch „Mann". DaS Wort TOS „Erstgeborener" geht durch alle semitischen Sprachen, uud findet sich nun auch im Assyrischen bukur. — “iss „Erdpech" im Assyrischen kupru, das gewöhnliche Wort für „Asphalt". — (l Mos. 15, ll) lautet im Afiyrischen it, "WB pagar, }nn, Schwiegersohn, hatan. S)ODtt rfit bp’^zn „kaspa issacka!" „das Geld wog cr dar". — Es ist beachtenSwerth. daß gerade das specifisch hebräische Wort N^-irr, das sich sonst in keiner semitischen Sprache wicderfindet, auch im Assyrischen als Name deS Löwen erscheint, es lautet hier Aria. — Das Wort N3->r< „Heuschrecke", im Assyrischen aribi, ist ebenfalls der Name dieses Jnsects, und nb~r „violetblaner und rothcr Purpur" liest mau in einer AichahlMg gefärbter L löste in derselben Verbindung, Reihenfolge und Bedeutung: ta-ÜL-tn arga-mamnu. vor, und wird daselbst als die ninivilische Südstadt, wo gegenwärtig Dorf und Hügel Nimrnd liegen, erwiesen. Etwa um 1300 gegründet, war es wieder in Verfall gerathen, und wurde um 80" neu erbaut. Resen lag nach der Bestimmung der Schrift selbst unzweifelhaft auf der Ostseite des Tigris, da, wo sich heute die Dörfer Karamleß, KarakuSk und Husieini befinden, und Rechoboth-Ir war eine Vorstadt mit weiten Plätzen. Auch der Name Ninive wird aus dem Assyrischen klar. Das Wort ist abznleiten von m: wohnen, mit dem im Assyrischen sehr beliebten Vorgesetzten Nun, bedeutet also „Wohnung". Indem wir andere gewöhnliche Länder- und Stadtenamen übergehen, kommen wir 311 der Erzählung vom Thurmbaue zu Babel. Daß ein wirkliches Bauwerk, au welches .sich die Erzählung knüpft, vorhanden gewesen, uud daß dieses kein anderes, als das thurmartige heilige Gebäude zu Bvrsippa, westlich von Babylon, ist, dessen Ruinen im Bolksmunde dort noch setzt den Namen Birs Nimrnd „Thurm des Nimrod" führt, kann nicht bezweifelt werden. Nun sinken sich von Ncbnkadnezzar zwei Keilinschriften. Die eine heißt: „Den Tempel des Fundamentes der Erde, den Thurm von Babylon, errichteteich, und vollendete ich, und aus Ziegeln und bedeckendem Kupfer setzte ich darauf seine Spitze." Die andere: „Wir verkünden solches: Der Tempel der sieben Leuchten der Erde, der Thurm von Bvrsippa, welchen ein früherer König errichtet hatte (man berechnet ihn auf 42 Ellen), dessen Spitze er aber nicht aufgesetzt hatte, war seit vielen Tagen verfallen. Es hatte keine richtige Besorgung der AbzugScanäle für das Wasser derselben statt; Regen und Unwetter hatten fortgespült seine Backsteine; die Ziegel seiner Bedachung waren geborsten; die Backsteine des (eigentlichen) Gebäudes waren fortgeschwemmt zu Trümmerhaufen. Ihn zu restauriren trieb der große Gott, Merodach, mir den Sinn an; seinen Ort lindcß) beschädigte ich nicht, nicht änderte ich seine Grundmauern. In einem Monate des Heiles, an einem günstigen Tage, besserte ich die Backsteine seines Gebäudes, und die Ziegel seiner Bedachung, zu festverbundcnem Mauerwerkc aus, erneuere sein Balkenwerk, und brachte die Schrift meines Namens an dein Kranze seiner erneueren Mauern an. Es zu vollenden und seine Spitze aufzusetzen, erhob ich meine Hand; wie vor Alters gründete, erbaucte ich ihn (den Thurm); wie in jenen Tagen errichtete ich seine (des Tempels) Spitze." — Was erhellt nun aus diesen Inschriften? Zweifelsohne, daß es in Bvrsippa, dicht bei Babylon, ein uraltes heiliges Gebäude gab, daS aber bis zur Zeit Nebukadnezzars der Spitze entbehrte. Er fügte diese letztere bis zur Höhe von 84 Fuß hinzu, indem er so daS ganze Gebäude in dem thurmartigen Aufsätze bis zu der, in der Ruine noch jetzt 1531/:» englische Fuß betragenden, Höhe emporführte. Bis zu der Zeit Nebukadnezzars muß das Gebäude durchaus den Eindruck eines unvollendeten Bauwerkes gemacht haben, so daß wir hier unlängbar einen geschichtlichen Anhalt für die biblische Erzählung haben. Babel heißt übrigens 12*

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