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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-11 · Heft 11 (11.3.1873) · p. Seite 182

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 11 (11.3.1873)
Date
1873-03-11
Page
Seite 182 (sequence 16)
Language
German
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182 gewissenhaft erfüllen, -dafür aber in dem ihnen eingerechnet gegebenen Einkommen eine merkliche Einbuße erleiden. „Dieser Mißbrauch soll aufgehoben werden, weil er mit der Würde der Gemeinde, mit unserer Zeit und mit der Stellung der Gemcindefnnctionare, und selbst der Diener, nicht mehrvereinbar ist. — Ganz natürlich muß die Gemeinde einerseits, nnd die Ehebrah kaddischah andererseits, die Betreffenden dafür ausreichend entschädigen, und ihnen eine entsprechende Aufbesserung ihres Gehaltes bewilligen. „Sic finden, löbliche Generalversammlung, in dem Ihnen herite zur Genehrnigung vorliegenden Budgetentwnrse pro 1873 eine Ziffer von 15,0<>0 fl. eingestellt, mit welcher Summe wir nach der Meinung unserer EnltnSsection diese Entschädigung ausreichend durchzuführcn in der ^age sein werden. „Wenn Sie nun, löbliche Generalversammlung, diesen unseren erweiterten Antrag genehmigen nnd zum Beschlüsse erheben, so dürfen wir es Ihnen nicht verhehlen, daß zur Deckung des alt nnd für sich erweislichen und oberörterten Deficits in der Gemeindeverwaltung, und zur Bewerkftelligung der angeregten Entschädigung, eine Erhöhung der Eultuobeiträge von mindestens 1" "/<> erforderlich ist." — Es schließt sich hierarl eine Erörterung, daß diese bedeutende Erhöhung der Steuern nur scheinbar so groß ist, da seit 1801 keine Steucrerhöhung stattgefnnden hat, und selbst nach derselben die pester Gemeinden:-''glieder nicht so viel zahlen werden, wie z. B. die wiener, deren Gemeinde dabei lange nicht so viele Institute besitzt, so das; die Wiener nebenbei bei weitem inehr in Anspruch genomnlcn werden. Vermischtes. Tie in einer unserer jüngsten wiener Eorrespondenzen erwähnte Anekdote wird anderswo ausführlich erzählt. Der „D. Z." wird ans der Zeit, in welcher der bekannte Abbe Bauer hier mit seinen französischen -predigten die ganze „gute Gesellschaft", besonders deren schönere Hälfte, erbaute und entzückte, eine interessante Anekdote zur Charakterisirung der verstorbenen Kaiserin Ka roll na Angusta mitgetheilt. Eines schönen Tages erhielt Abbe Bauer zu seiner freudigen Ueberraschung den Befehl, vor der Kaiserin zu erscheinen, bei der, wie man sagte, Eardinal Rauscher persönliche Schritte für seinen-Schützling gethan hatte. Der Abbe leistete klopfenden Herzens dem Befehle Folge, nur betrat, glühend von kühnen, ehrgeizigen Plänen, den Audicuzsaal der greisen Fürstin, die ihn herablassend nnd huldreich begrüßte. Die Eonversatien drehte sich zunächst um höchst alltägliche Dinge, als die Kaiserin plötzlich an den, über Inhalt und Ton gleichmäßig erstaunten Priester die kurze Frage richtete: „Welchen Zweck verfolgen Sie eigentlich mit Ihren französischen Predigten?" Der Abbe beeilte sich, die Frage der Kaiserin dahin zu beantworten, daß er es hauptsächlich darauf abgesehen habe, unter seinen in der 'Rächt des Unglaubens versunkenen ehemaligen Glaubensgenossen Propaganda für den katholischen Glauben zu machen, und wie sehr es ihn beglücke, bereits schöne Resultate aufwcisen zu können. Die Kaiserin unterbrach den Redefluß des Proselytenmachers, welcher sich angcschickt hatte, in grellsten Farben die Schäden zu schildern, die der heiligen Kirche durch die Juden zugcsügt werden, mit einer Bemerkung, welche unschwer den aus hochherzigsten Motiven entspringenden Unmuth über den seine einstmaligen Glaubensgenossen beschimpfenden Eiferer erkennen ließ. „Durch die Juden", sagte sie, „leidet meiner Ansicht nach die heilige Kirche wenig Schaden; cs ist nur der Protestantismus, welchen Rom zu fürchten hat!" Eine gnädige Handbcwegung, der A b b 6 war entlassen, und betroffen ging er nach Hanse.... Wer schildert nun seine llcberraschung, als er Tages darauf am frühen Morgen von seinem Diener die Meldung erhielt, cs sei so eben ein Hoslakai vorgefahren, nm ein von Ihrer M a j c st ä t der Kaiserin K a r o l i n a Angusta dem Abb6 zngedachtes Packet abzugeben. Er wußte seine Neugierde kaum zu bemeistern; hastig löste er die Schnüre des Packc'.es mib erblickte — o der Wonne! — ein prachtvoll gebundenes rothes Buch in Goldschnitt. Aber als hätte ihn eine Tarantel gestochen, lies; der Ucberraschle das Buch fallen, als er bemerkte, daß dasselbe ein — Sidd-ur (hebräisches Gebetbuch für Israeliten) sei. Auf daS erste Blatt desselben hatte die Kaiserin geschrieben: ,,l/I mp erat vice Caroline Auguste :i l’abbe Bauer.“ (Die Erklärung liegt wohl darin, das; die Kaiserin sich über die doppelte Apostasie dieses Menschen als Jude und als Deutscher, denn er ist ein geborener Wiener, geärgert hat. Redact.) Es ist an dieser Stelle jüngst gerügt worden, daß jüdische Blätter, die den Interessen des Iudcnthnmes gewidmet sind, angefangcn haben, auch „Handels- und Börsennachrichten" zu bringen — was, wie wir hier beiläusig bemerken wollen, in Galizien und Rußland mit hebräischen Typen erscheinende Blätter bis vor Kurzem allein thaten. Unsere Zeit bringt aber so viel Enriosstäten hervor, daß wir jetzt auch das Gegentheil, und zwar bei einem christlichen Blatte, erfahren. Wir empfangen so eben aus Kronstadt in Siebenbürgen das Programm einer neuen dort erscheinenden Zeitschrift, die sich betitelt: „Der Sicbenbürger Beobachter, Organ für Handel, Gewerbe, Industrie und religiöse Interessen". Die Religion, welche dieser „Beobachter" vertreten will, ist das Ehristenthum. Höchst naiv ist die Art, wie das Programm diese fremdartige Verbindung motivirt: „Wenn irgend ein Mensch die Augen zu Gott erhebt, um mir innigem Gefühle den Hinnnel nm Gnade und Erbarmen anzusichen, so betet dieser auch um daS tägliche Brod, und Idealismus ist daher mit Materialismus so innig verbnnkcn, wie die Idee des Handels, der Industrie und des Gewerbes mit dern Erwerben des BrodcS verbunden ist." — Um übrigens

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