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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-11 · Heft 11 (11.3.1873) · p. Seite 181

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 11 (11.3.1873)
Date
1873-03-11
Page
Seite 181 (sequence 15)
Language
German
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181 erheisch!, — daß es fast in jeoem Jahre bedeutende Ausgaben giebt, welche im Budget nicht vorgesehen worden sind, so z. B. im Jahre 1S72, die den israelitischen Gemeindemitglicdcrn in der Franzstadt, zur Vollendung ihrer Synagoge, bewilligte Subsidie von 3<»oo fl., die vermehrten Ausgaben durch eingetretene Eholcraepidemie, im Spitale und in der Armcnversorgung w. :c., so für daS kaum beginnende Jahr 187 3 die nothwendiger Weise einznsührendc Wasserleitung in Tempel und Schulgebäuden :c. :c., wenn Sie in Anbetracht nehmen, daß man bei aller möglichen Oekonomie sich dennoch den gerechten Bitten vieler Angestellten in der Gemeinde wegen Verbesserung ihres Gehaltes, inmitten der Theuerung von Wohnungen und Lebensmitteln, nicht verschließen kann, und daß die pester Gemeinde als Großgemeinde sich in vorkommenden sehr dringenden Fällen nicht erwehren kann, auch fremder Noch beizuftehen, wenn Sie, löbliche Generalversaunulung, dies Alles in Anbetracht ziehen, so wird eü Ihnen ganz einleuchtend erscheinen, daß das dermalige Einkommen der Gemeinde bei Weitem nicht ausreicht, die sich immer steigernden Bedürfnisse derselben zu decken; dies um so weniger, da auch die anderen indireeten Einnahmequellen der Gemeinde für Spenden in den Bethäusern eher ab als znnehmen, und viele Spenden selbst in den Bethäusern, wenn auch zu wohlthätigen Zwecken, doch solchen Instituten zugewendet werden, welche außerhalb der Gemeindeverwaltung stehen, - und auch die Zinsenlast der Gemeinde merklich gestiegen ist. „Unter diesen traurigen Verhältnissen giebt es nur zwei Wege der radicalen Abhülfe, entweder ,,l) cs müßten bisher bestehende Institute gänzlich aufgelassen werden, etwa die Schulanstalten oder das Spital aufgegeben, die Armenbetheilnng siftirt werden, denn eine Rednction der Ausgaben, wenn die Institute sortwirken sollen, ist nicht auszuführen; oder niehrere ganz aufzulafsen: in diesem Falle würde unsere Gemeinde natürlich ihren Charakter als Großgenieinde aufgcben, und zu einer Cultusgemeiude kaum zweiten Ranges herabsinken, würde ihren Rang hinter Großkanizsa, hinter Arad, Temesvür :c. einnehmen müssen, was gewiß weder von der Gemeindevertretung, noch von den Gemeindemitgliedern, wenigstens nicht von der entschiedenen Mehrzahl, gewünscht werden kann — oder aber „2) die Gemeindevertretung appellirt au eine größere Dpserwilligkeit ihrer eerrtribnirenden Mitglieder, damit diese durch entsprechende Erhöhung ihrer Cultusbeiträge die Vertretung in die Vage versehen, die so sehr blühenden und prosperirendcn Gemeindeinslitntionen, nach wie vor, in Würde und in Glanz erhalten zu können. „An diesen Antrag knüpft aber der Gemeindeansschnß über Motion der Cultusseetion lloch einen weiteren Alltrag, der nach seiner Ueberzeugung bei dem hiesigen israelitischen Publicum ganz gute Aufnahme sinden wird. „Seit einer Reihe von Jahren, schon seit dem Jahre lsi»l, wird darüber venlilirt, eilten Mißbrauch abznschassen, der von alten Zeiten, und von alten überlebten Verhältnissen herstammend, sich bis in unsere vorgeschrittene Zeit erhallen hat. Eö ist näiillich den Gcmcindedienern, Schächtern, Tenlpclsängcrn:c., bei Bcmesiung eines geriligen Gehaltes, von dem sie ihre Existenz nicht fristen können, die Lieenz eingcräumt, zweimal des Jahres — vor s'ns und nrün alle contribuirenden Gemeindcmitglicder in ihren Wohnungen zu besuchen und für sich Geschenke cinzusaülMeln, — eben diese Lrcenz rst auch den Ehebrahkaddischahdienern, Todtengräbern, Vüchscnträgern, sogar dem christlichen Friedhofswächter eingcräumt. „Daß eS den Gemeindemitgliedern sehr lästig fällt, zweiinal des JahreS von einem ganzen Trosse von Gemeinde- und Ehebrahangestettten gestört lind bestürmt ju werden, braucht nicht erst erörtert zu werden; sind doch die Beschwerden hierüber allgemein, abgesehen davon, daß diese Angestellten, um in der großen Geilleinde ihren Nnndgang zu machen, sehr viel Zeit brauchen, und während derselben ihre Dienstpslichten vernachlässigen, ja in fortwährender Abhängigkeit von den Gaben der einzelnen Mitglieder, ihre Eineassiruilgen nicht mit jenem Ernste betreiben können, wie es das Interesse der Gemeinde erfordert, und sich oft unzählige Male zu einem und demselben Individuum verfügen müssen, um eltdlich bei leidlicher Laune die Eincassirnng zu bewerkstelligen; daher auch jedes Jahr die große Maste von Rückständen, welche am Ende ganz dubios werden, und der Gemeinde verloren gehen. Es ist dieses Verfahren ganz unter der Würde einer Gemeinde, zumal einer pester Großgenieinde, die doch in der Lage sein sott, ihren Angestellten eine Bezahlung zu geben, von welcher sie ihre Familie, freilich nicht in SauS und Braus, aber ihrem Stande gemäß, erhalten kömlen, ohne allf zufällige Allllvsen angewiesen, und zu sogenannten Bettlern herabgewürdigt zu werden, waS auch für die Gemeinde selbst entehrend ist. „Aber auch bei den angestellten höheren Enltnsbeamten ist es unter den ihnen contraetlich zugesagten Emolumenten mitverftanden worden, daß ihnen üblicherweise zweimal des Jahres von den Gemeindemitgliedern Geschenke ill's Haus zugesendet werden, — ebenfalls ein Mißbrauch, wenn allch anderer Natur. Es ist immer mit einem Gefühle der Erniedrigung verbunden, wenn der Beamte in seiner Existenz auch auf zufällige Geldgeschenke angewiesen sein soll, welche ihm das einzelne Gemcindemilglied je nach der Laune und nach der Gunst, in der er bei ihn» steht, zusendet, oder znzuscndcn unterläßt. Der Gemeindebeamte soll in seiner Stellung, von einem ähnlichen, zufälligen und großenthcils illusorischen Einkommen unbeirrt, sein ausreichendes Gehalt direct von der Gemeinde empfangen, um eben ohne die mindeste Rücksicht in seinen Berufsfunctionen gegen streich und Arm in gleicher Weife Vorgehen zu können, und nur der Gemeindevertretung für sein Thun und Lasten verantwortlich zu sein, waS wohl unsere ehrenhaften Enltnsbeamten, denen Hr", Gott bewahre, durchaus keinen Vorwurf machen wollen und können, ganz

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