Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1873)
- Date
- 1873-03-11
- Page
- Seite 178 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Feuilleton. Eorrespondenz. Aus der Pester Gemeinde. Pest, 2o. Februar. Am Neunten diesewurde von, hiesigen Gemeindevorstandc eine Generalversammlung der Repräsentanten abgehalten, in welcher der Präses des Vorstandes, Herr Jakob Lanyi, einen Generalbericht über daS Jahr 1S72 abstattete, aus welchem Sie wohl einige Stellen mittheilen werden. lBemerkung der Redaction: Wir glauben unseren Lesern einen Dienst zu leisten, wenn wir selbst ausführliche Stellen dieses „Generalberichtes" hier mittheilen. Bon vornherein halten wir es überhaupt für gegeben, solche Berichte, sobald sie allgemein Interessantes enthalten, zu reprodueiren, um damit anderen (Gemeinden Maßstab und Winke für ihre eigene Handlungsweise zu bieten, Ergebnisse der Erfahrung und Wahl rechter Mittel zu verbreiten, und den Sinn für tüchtige Gemeindeinstitute zu wecken und zu pflegen. Unsere Gemeinden leben außer den Cultusstenern in der Mehrzahl nur von freiwilligen Opsergaben, und wie lange noch selbst diese Cultussteuern zwangsweise einznziehen sein werden, läßt sich nicht absehen. Nur sehr wenige ältere Gemeinden sind im Besitze von Stiftungen und Fonds, und auch diese sind, wo sie existiren, nach den, fetzigen Geldwerthe, dem Bedürfnisse und dem Wachsthnme der Gemeinden, unzulänglich. Man sieht aber leicht ein, daß nur Institute mit bedeutenden Leistungen die Opserwittigkeil auf die Dauer zu erhalten und zu verstärken vermögen. Um die richtige Beurtheilung dieser Leistungen im betreffenden Publicum zu erwirken , ist wiederum die öffentliche Berichterstattung unumgänglich. Wir wißen cs Alle, das; man es bei unseren Glaubensgenossen mit einem kritischen Publicum zu lhun hat, das schnell abzuurtheilcn geneigt ist. Ist diese Eigenschaft manchmal lästig, so dient sic doch andererseits zuni Sporne und zur Mahnung, woraus wieder Gutes entspringt. Abgesehen hiervon ist aber auch der vorliegende Generalbericht an sich höchst interessant, und, wir gestehen cs offen, hat uns erfreut und erquickt. Das Bild, das er uns aufrollt, zeigt uns ein ernstes, würdiges Streben, einen cdelen Eifer nach allen Richtungen hin, den zugleich der Sinn für Gerechtigkeit und Toleranz beseelt. Synagogen, Schulen und Wohlthätigkeitsanstalten aller Art werden in gleichem Grade der Wachsamkeit und Besonnenheit gefördert. - Wir halten uns daher überzeugt, daß auch die Kehrseite deS Berichtes, die Unzulänglichkeit der Mitte!, durch einen edelen Wetteifer innerhalb der Gemeinde bald beseitigt werden wird.) „Der GemeindeanSschnß beehrt sich, Ihnen über daS Gebaren der Gemeindeverwaltung in dem abgelaufenen Jahre 1872 pslichtmaßig Bericht zu erstatten. Hervorragend in dieser Gebarung sind: „1. Die Vollendung der neuen Synagoge in der Rombachgaffe (für die orthodoxe Richtung). Obgleich bei diesem Monumentalbaue, trotz aller Anstrengung und Beschleunigung, die sämmtlichen Bauarbeitcn und Verzierungen bis zum Eintritte der Hauptseiertage nicht ganz fertig gebracht werden konnten, war doch die Bauleitung bemüht, das Innere der Synagoge, und die Einrichtung in derselben, so weit fertig zu bringen, daß in dieser Synagoge an den Hauptfeiertagcn gebetet werden konnte, und zwar der Art, daß am 28. September die Verlosung der Bctsitze vorgenommen, und am 1. October die feierliche Einweihung stattsinden konnte. „Um aber diese Vollendung esseetniren, und auch das mit der Synagoge zugleich erbaute neue, drei .Stock hohe Haus fertig bringen zu können, hat die Bauleitung einen abermaligen Bauzuschuß von r>f!,ooo fl. von der Gemeinde in Anspruch genommen. Der Ausschuß ließ in Folge dessen eine genaue Revision der Synagogenbaugebarung vornehmen, und hat sich aus dein Berichte des entsendeten Rcvisionscomit("s die volle Ueberzcugnug verschafft, daß dieser Anspruch begründet ist. — Demzufolge hat der Gemeindeansschuß seinerseits kein Bedenken getragen, die Eontrahirung eines weiteren Darlehens von circa f>0,ooo ft., zum Behuse der Vollendung der Synagoge und des mit derselben erbauten Hausech «ils weitere Hypothekarschnld aus den, Gemeinde- Hause Herminenplatz zu bewilligen. „2. Wie bekannt, hat der Eongres; beschlossen, die Musterhanptschulen anszulassen. Die israelitische Landescanzlei hat in Esfectuirung dieses Beschlusses die Gemeinde aufgefordert, sich zu erklären, ob sie diese Musierschnlc auf eigene Kosten weiter erhalten, oder dieselbe anslassen wolle, weil die Dotirung dieser Schnlanstalt aus den Mitteln des israelitischen Laudesschulsonds im Sinne des Congrcßbeschlusscö jedenfalls aufznhören habe. — Der Gcmeindeansschuß hat sich mit Ihrer Ermächtignng, löbliche Generalversammlung, dahin geäußert, daß, nachdem die hiesige Gemeinde ohnehin schon eine sechsclassige Rcrmalhauptschulc mit Parallelclafsen, eine sechsclassige Mädchenschule, eine Kinderbewahranstalt, eine Talmudthoraschule und eine Rcligionsunterrichtöschule aus eigenen Mitteln erhält, sic nicht auch die Erhaltung der bisher aus Laudesschulfondsmittcln dotirten Mustcrhanptschule über sich nehmen könne;— später aber wurde dem Gemeindeausschusse von Seite der israelitischen Landescanzlei die Proposition gemacht, daß, nachdem die israelitische Lehrerbildungsanstalt, Präparandie, jedenfalls auf Kosten des israelitischen Landesschnlfonds erhalten werden muß, die israelitische Landescanzlei geneigt wäre, mit dieser Präparandie zugleich auch eine sünsclassige Volksschule aus eigenen Mitteln, beziehungsweise aus dem israelitischen Landesschulsonds, zu erhalten, wenn ihr von Seite der Gemeinde eine hierzu geeignete Localität zu billige» Miethpreisen überlassen würde. Der Gemeindeausschuß hat in dieser Proposition einen