Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1873)
- Date
- 1873-03-11
- Page
- Seite 177 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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177 letzten Zahl beschäftigen sich, nach den von der Anstalt cingezogenen Erkundigungen, 1 2S mit der Ausübung eines Handwerkes, oder mit einer anderen würdigen Arbeit; Viele haben cs sogar zu einem gewissen Wohlstände gebracht, -nämlich Schneider 37, Schuhmacher 14, Tischler 7, Klempner 3, Buchbinder 2, Drechsler 2, Hutmachcr 2, Bäcker 7, Handlungsdiener l o , Privatbeamte 8, Tagelöhner 18, zum Militär 0. Das Budget beziffert sich nach folgenden Zahlen: Einnahmen : Ausgaben Im Jahre 3m Jahre 1802: 32-17 Rub. 8 I '/-i Kop. 1802: 8003 Rnb. 37 Kop. 1 863: 0131 - 18 - 1803: 0500 - 3V> 1804: •1786 - 2'.2 - 1804: 4680 - 72 1806: 7000 - — - 1806: 7078 - 7 1800: 7131 - 807-2 - 1800: 7322 - 20- 1807 : 760-1 - 10 - 1807: 7806 - 38 1808: 3683 - 01 - 1808: 3303 - 33 7'» - 1803: 37 83 - 16 - 1803: 10013 - 32 1870: 12241 - 71 - 1870: 12000 - 84 1871: 12810 - 41 - 1871: 12867 - 33 7-2 - Zus.' 870 11 Rub. 5>6'8 Kop. Zus. 874 03 Rub. 33 t/.. Kop. Tie Unterhaltungskosten der Insassen betrugen für jede Person täglich durchschnittlich in den ersten fünf Jahren von 22,1 —21,.'» Kop.; von 1 S(»7—187 0 von 20,34—2'.1,35 Kop., im Jahre 1871 26,32 Kop.; es kostete mithin die Unterhaltung einer Person durchschnittlich jährlich 31 Rubel. - Ter Vermögensbestand der Anstalt in Häusern, Utensilien, Capitalien in der Bant, betrug im Jahre 1861 -11,360 Rub., Ende 1871 60,5.61 3uib., er stieg also um 10,134 Rub. In rer mit der Anstaltseit l S*»2 verbundenen Klein-- kinderanstatt waren Kinder 163, gingen ab lot»; eö blieben also aus 1872 6<> Kinder. Bon den Abgegangenen gingen in andere Schuten über 38, in den Dienst und in Geschäfte "13. Tie Cinnahmen dieser Kleinkinderanstalt beliefen sich durch Unterstützung der Gemeinde, durch Beiträge der Vorsteher und die Sammlungen der Büchsen, im Laufe der zehn Jahre auf 13,261 Rubel, die Ausgaben auf 13,082 Rubel; Restbestand 186 Nnb. Das Vermögen dieser Anstalt besteht in Bankrepositen 2077 Rub. Tie Redaction des „Israelit" knüpft an diesen Auszug sehr werthvolle Bemerkungen und beachtenswerthe Rathschlägc, deren Befolgung im Interesse der Anstalten und ihrer Insassen, sowie unserer Glaubensgenossen in Polen, nur zu wünschen wäre. Wie mit Befriedigung die segensreiche Entwickelung und Wirksanckeit Jener durch den Rechenschaftsbericht klar zu Tage trete, so sei nauientlich dahin zu streben, dast mit ihnen auch eine Handwerkerschnle vereinigt würde, in welcher tüchtige Prosessionisten, die den, Vaiitc noch immer fehlen und sehr noch thun, herangebildet würden. Seitens der zuständigen Behörde wurde dem Gemeindevorstände aufgegeben, eine geeignete Persönlichkeit vorzuschlagen, welcher die Vereidigung jüdischer Parteien bei Gerichte und jüdischer Staatsbeamten übertragen werden könne. Mit Stimmenmehrheit wurde Herr Di-. Cylkow, Prediger an der Danielshnagoge, gewählt. — Selbst aus die Gefahr hin. von Ihnen wegen meiner Naivetät belächelt zu werden, muß ich Ihnen von einem bedeutenden religiösen Fortschritte berichten, der uns demnächst bevorsteht. Cs soll nämlich, wie Fama und der hiesige „Israelit" sagt, von einigen fortschrittlich gesinnten Gemeindemitgliedern in diesem Jahre znm ersten Male der Versuch gemacht werden, die Maschinenmazzoth hier in Warschau cinznführen. Wir unsererseits würden dem Versuche weniger ans religiösenals vielmehr aus natioualökonomischen Gründen in Polen das beste Gelingen wünschen. Man denke sich 600,ooo mazzesessende Juden! Welch ein enormes Capital wird da erspart werden, wenn jedes Pfund der Tsterkuchen, welche durch Maschinenarbeit hergestellt wird, nur um einige Kopeken billiger ist! Und nun gar die Preisermäßigung der verführerischen eulinarischen Genüsse am Passah, ans deren Herstellung unsere jüdischen Hausfrauen in Polen vor allen anderen der Well so meisterhaft sich verstehen! Die Aufgabe, einige journalistische Iudenhetzen ü In GoloS in Scene zu setzen, hat, freilich mit wenig Geschick und Glück, der hiesige „Przegl-K tygodniowh" übernommen, der in früheren Zeiten sehr stark in politischem Rationalismus, in der „Verbrüderung aller Confessionen" gemacht hat. Cs wird ihm vom „Israelit" sehr gründlich und schlagend heimgeleuchtet. Seitdem übrigens Ihr LaSker in, preußischen Abgeordnetenhaus«? der Welk ein Licht ausgesteckt hat, das; die Ausbeutung des Pnbkieums nicht ausschließlich von jüdischen Wucherern und Schwindlern ausgeht, zieht das Thema von der Verderblichkeit der jüdischen Speeulation und des jüdischen Capitales nicht mehr. Pcrsu'ii. London, im Februar. In der letzten Sitzung des Board of Teputies wurde ein Bericht über die ttijje der Juden in Persien abgestattet. I25»,ooo Thaler waren bei dem londoner Coinitö zur Linderung der Hungers,lolh für die persischen Juden eingelaufen und verwendet worden. Aber diese Roth scheint ihr Ende noch nicht erreicht zu haben. Am 13. Januar lief ein Telegramm ein: „Zweihundert Juden in Linarak sterben vor Hunger: Hülfe, Hülfe!" Am 14. ein anderes Telegramm: „Hundert Juden in Säten und Rotulah sterben vor Hunger." Ein drittes von, 13. Januar, von Buschira datirt, lautet: „Zweihundert Israeliten hier ohne Hülssmittel." Mit einigen bereiten Mitteln sucht man augenblicklich die Roth zu stillen. Aber cs ist nicht abzusehen, wie und wodurch dies enden werde. 11*