Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1873)
- Date
- 1873-03-11
- Page
- Seite 175 (sequence 9)
- Language
- German
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175 a) an den vier Schultagen, Montag, Dinstag, Donnerstag und Freitag, zwei Stunden für die israelitische Rcligionslehre, und zwei Stunden für die biblische und jüdische (Religions-)Geschichte, also je eine Stunde aus einen dieser Tage, und 5) am Sonntage Vormittag drei Stunden, und Mittwoch "Nachmittag zwei Stunden aus das Hebräische verwendet; und zwar für den hebräischen Lese- und Sprachunterricht, und so auch für die Bibelübersetzung, je eine Stunde an diesen halben Tagen, und am Sonntage Bormittag eine weitere Stunde für die Uebersetzung '.der Shnagogengebete. c) Am Samstage Nachmittag findet theils der, den Religionsunterricht ergänzende, E o n f i r m a n d e n u n 1 c r r i ch t für die, ans der Schule zu entlassende Jugend, und theils die sogenannte sabbathliche AndachtSstunde zur religiösen Fortbildung der anS der Schule Entlassenen bis zu deren siebzehntem Lebensjahre statt. Dr. Hochstädter, Königlicher Vezirksrabbiner. Frankfurt MN Main, 20. Februar. lPrivatminheil.) Der unter dem Namen „Achawa" (Verein zur Brüderlichkeit) feit dem Jahre 180! bestehende Verein zur Unterstützung israelitischer Lehrer, Lehrerwittwcn und -Waisen in D e u t s ch l a n d veröffentlicht seinen achten Rechenschaftsbericht, aus dem wir mit Freude das rasche Emporblühen und wachsende Gedeihen desselben entnehmen. Am Ende des Jahres 1872 zählte der Verein 2uo active und 310 beitragende Ehrenmitglieder; ras Vereinsverlnögen beziffert sich auf annähernd 21,500 fl.; die diesjährigen Einnahmen beliefen sich auf nahezu 7 ('.<»>» fl., so das; unter zwanzig Pensionäre, theils altersschwache hülfSbedürftige Lehrer, theils arme Lchrcrwittwen, die Summe von! 813 st. 27 kr., und überdies im Laufe des Jahres 230 sl. ans reut Reservefonds vertheilt werden konnten, während am Ende des Jahres 1871 die zur Vcrtheilnng gelangte Summe nur 17 13 ft. betrug. Auf Grund dieses günstigen Resultates, welches besonders der hochherzigen Unterstützung vieler Menschenfreunde zu verdanken ist, empfiehlt die Verwaltung, — wie es in dem Vorworte zu dem Jahresberichte heißt — das Werk auch ferner allen wohlthätigen Menschen, und richtet namentlich an die israelitischen Lehrer in ganz Deutschland die ernste und mahnende Aufforderung, sich recht zahlreich diesem Vereine anzuschließen, und sich durch die im Verhältnistc zu den Leistungen geringe Einkaufssttlume von dem Beitritte nicht abhalten zu kaffen. Auch an die i S r a e l i t i s ch e n G e m c i n d e n ergeht die dringende Bitte, das; sie im Hinblicke auf dieses segenövolle Wirken des Vereines, und auf dessen große Bedeutung für das Wohl der Schule, demselben namhafte Beiträge aus den Gemeindecaffen, oder durch Anwerbung von Ehrenmitgliedern,'^) zuwenden möchten. *> Die Er>rcnuiitglicdschast wird erworben durch einen Jahrcsdcitrag von 2 Thatcrn. Die Verwaltung hat ihren ständigen Sitz in Frankfurt am Main. Der Vorsitzende, Herr Adolf Teblöe, Lehrer an der israelitischen Realschule daselbst, ist zur Entgegennahme von Beitrittserklärungen und Gaben für den Verein, sowie zur Erthcilung jeder gewünschten näheren Auskunft, stets gern bereit. Orstreichisch-migarische Monarchie. Pest, im Febr. (Kleine "Notizen.) „Reform" theilt einen Eivilehefall mit, wie. er nach Lage der ungarischen Gesetzgebung Vorkommen kann. Der in Pest geborene und hier ansässige F. A., jüdischer Eonfession, ist am 15. Januar 187 2 mit einer Katholikin in Wien eine Eivilehe eingegangen. Sie wurden als „consessivnsloö" durch den Bürgermeister einander angetraut, worauf der Mann seine Frau hierher nach Pest brachte, wo er ein bedeutendes Geschäft betreibt. Gegen die Gesetzlichkeit der Ehe läßt sich Nichts einwenden. Jetzt wird dein Manne ein Kind geboren. Die jüdische Gemeinde will es nicht innnatrieuliren, die katholische noch weniger, cS wäre denn, die Familie ließe das Kind beschneiden oder taufen; und auch dann wird es als „unehelich" immatriculirt. Sein Kind will der Vater nicht nach Wien führen, weil er ein guter Patriot ist, und seinen Sohn zum ungarischen Bürger erziehen will. Wird aber daS Kind nirgends immatriculirt, dann wird das Staatsgesetz umgangen, und auch der Staat erleidet einen Abbruch, wenn einer seiner Bürger ihm entzogen wird. Die Sache ist noch bis heute nicht entschieden. Aus Nagh-Knrolh wird der „Pannonia" vom 10. Februarfolgendes Ereigniß mitgetheilt: „Vor ungefähr drei Monaten stürzte sich der zweite Rabbiner der hiesigen Gemeinde, ein Greis von neunzig Jahren, ein äußerst frommer, orthodoxer Jude, ans Lebensüberdruß und anö Verzweiselung über die resormatorischen Bestrebungen seiner ReligionSgenvssen, in einen Brunnen, und fand den gewünschten Tod. — Dieser Tage mm wiederholte sich tiefer traurige Fall durch einen Selbstmord des vertrautesten Freundes und Schuleollegen des erstbenannten Greises, welcher sich in denselben Brunnen stürzte, und darin ebenfalls seinen Tod fand. (Die Sache klingt etwas unwahrscheinlich, das; ein Schulcotlege des neunzigjährigen Greises noch leben soll, und nun gerade dieselbe Todesart wählt!) Frankreich. Paris, 2. März. i.Arch. isr.) Eine wichtige Auszeichnung ist soeben einem unserer Glanbensgenossen, Herrn Lambert, verliehen worden, der seit langer Zeit bei dem Präsidenten der Republik zu Versailles einen Vertrauensposten bekleidet. Als Oberstlicutenant das Regiment der mobilen Gendarmerie befehligend, jft Herr Lambert zu dem Grade des Obersten avancirt, 11