Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1873)
- Date
- 1873-03-04
- Page
- Seite 161 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Herren füllten nun nach einander die Gläser, und drangen in den Israeliten noch inehr zu trinken. Ta er sich aber weigerte, wurden die beiden Herren böse, sperrten dem Juden mit Gewalt den Mund auf und gossen ihm nacheinander neun ziemlich große Gläser hinein. Das starke Getränk verfehlte seine Wirkung nicht, eine Stunde später erlag der Unglückliche einem schmerzvollen Tode. Am Tage hierauf erschien der von dem Unfälle unterrichtete Procuror im Städtchen, um die gerichtliche Untersuchung vorzunehmen. Ein hiesiger Arzt untersuchte die Reiche, nahm deren Obduction vor, und schickte dann die Eingeweide nach Bukarest, damit daselbst eine genauere Untersuchung vorgenommen werde. Die beiden Verbrecher aber sind noch aus freiem Fuße, und Niemand denkt daran, sie zu verhaften; sie leben ungestört im Schoße ihrer Familien. Sie fühlen nicht nur nicht Gewissensbisse, sondern scheinen im Gegentheile stolz auf ihre That zu sein. Mittlerweile sind die Wittwe und die Kinder des Verstorbenen in Verzweiflung und Elend. Wer wird sich ihrer nun annehmen, wer ihnen Brod verschaffen? Wenn die Regierung solche Thaten nicht bestrafen wird, dann wissen wir nicht mehr, an wen wir uns wenden sollen; dann möge Gott sich unser erbarmen! Bukarest, 2<>. Februar. Ein Telcgrannn berichtet: „Die Kammer votirte die Spiritnosensteuer. In den Landgemeinden dürfen nur wahlberechtigte Rumänen das Schankrecht ausüben." Man sieht, die rumänischen Gesetzgeber verstehen es, die Bedruckung und Ausschließung der Juden von den einfachsten bürgerlichen "Rechten, ohne den Namen Jude zu neunen, fortznsetzen und bis ans äußerste Ende zu führen. Denn da sie die Juden nicht als wahlberechtigte Rumänen anerkennen, so sind diese des obigen Rechtes beraubt. Dies paßt ganz zu dem, waS wir in der jüngsten "Nummer des Echo de l'Orient vom 21. Februar lesen. Das Blatt spricht von dem beklagenswerthen Gesundheitszustände, dem schlechten Wetter und dem traurigen Schmuze in Bukarest. Tann fährt das Blatt fort: „Was aber noch beklagenswerther ist, das ist die beträchtliche Anzahl Israeliten, die in das größte Elend versetzt sind durch das zum zweiten Male cingeführie Tabaksmonvpol, wobei in Folge einer schreienden Ungerechtigkeit der Negierung der Verkauf nur den Ehristen bewilligt worden ist. Befraget die langen Ramenslisten, welche jeden Tag der Moniteur vcrössentlicht, Ihr werdet nicht einen einzigen israelitischen Namen finden, und die, welche vor dem Retablissement des Monopols sich dem Tabaksverkaufe widmeten, sind gezwungen, dieses Gewerbe, welches sie ernährte, zu verlassen, und Alles zu verlieren, was sie verausgabt haben, um ihren Handel einzurichten, und gezwungen, sich ein anderes Existenz,nittel zu suchen. Ach, ich weiß wohldaß man uns erwiedcrn wird, daß wir uns ohne Grund beklagen, und daß kein Gesetz den Israeliten verbiete, Tabak zu verkaufen. Ja, wir wissen es, dies ist eine der gewöhnlichen Verfahvuugsweisen einer gewisieu religiösen Verbrüderung, die wir nicht nennen wollen; Ihr habt das Recht Tabak zu verkaufen vermittelst eines Brevets, aber dieses Brevet werden wir Euch nicht bewilligen; nur Euch einen Beweis unserer Toleranz zu geben, bewilligen wir Euch die Erlaubniß, den Vorschriften Euerer Religion zu folgen, und den ganzen Tag zu beten, wenn es Euch Vergnügen macht; aber zu gleicher Zeit entziehen wir Euch alle Mittel zu Euerer Existenz, die schon so traurig durch die Plackereien und Verfolgungen ist, mit denen wir Euch ohne Unterlaß bedrücken." — Jüngst zeigte ein Ereigniß so recht augenscheinlich, durch welche Manoeuvres in Rumänien die Verfolgungen der Israeliten hervorgerufen, und in Scene gesetzt werden. Wir entnehmen dies ebenfalls dem obigen Blatte: „Das Journal "Nona Euriera romanu von Jassy hat letztens, und zwar auf Verlangen eines gewissen Georg Plesfa, eine an die rumänische Deputirtenkammer gerichtete, und von mehreren Bewohnern der Stadt Piatra Unterzeichnete Petition veröffentlicht. Durch diese Petition bezichtigt man eine bedeutende Anzahl Israeliten ganz unerhörter Thalsachen, schrecklicher Verbrechen, Mordthaten, Diebstähle, Entführung eines Mädchens von achtzehn Jahren, und die Brandlegung eines Hauses und einer Kirche. Die Petitionäre haben sich an die Deputirlenkammer gewendet, um eine Untersuchnng dieser Beschuldigungen zu verlangen, welche zur Domäne der Eriminaljustiz gehören. Heule war dasselbe Blatt gerwihigt, das Protokoll zu veröffentlichen, tvelches der Präseet des Departements von Riamtz, Dberst Georg Rosnovano, über die Untersuchung geführt Hai. Es stellte sich nämlich heraus, daß an dem von den Petenten angeführten Drte weder ein Mord, ein Diebstahl, die Entführung eines Mädchens, noch die Brandlegung eines Hauses oder einer Kirche stattgefnnden habe, daß also sämmtliche Angaben erdichtet waren. Roch mehr: der ausdrücklich benannte Georg Plessa erklärte, daß er das gedachte Journal zur Veröffentlichung der Petition nicht ausgefordert, und 'sie ihm auch nicht mitgetheilt habe, da er weder von der Petition, noch von einer der angeführten Thalsacheu irgend eine Kenntnis; gehabt habe. Das Protokoll ist von sämmtlichen Personen richterlichen Standes, welche die Untersuchung geführt haben, muerzeichnet. Es geht hieraus genugsam hervor, daß jenes Journal Nichts weiter beabsichtigte, als die Bevölkerung zu einer furchtbaren Mißhandlung der Juden auszuhetzen, und dabei wahrscheinlich aus die Bissigkeit, luemi nicht auf die Parteinahme und Mikhülse der Behörden, rechnete. Glücklicher Weise hatte es sich diesmal verrechnet; die Bevölkerung blieb ruhig, unk die Behörde handelte rasch und gerecht. lu*