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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-04 · Heft 10 (4.3.1873) · p. Seite 160

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 10 (4.3.1873)
Date
1873-03-04
Page
Seite 160 (sequence 10)
Language
German
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100 Frankreich. Pariö, 20. Februar. (Privatmittheil.) Der Bericht des Ccntralcomitö's der AlUaiico. israelite über ras zweite Halbjahr 1872 ist so eben erschienen, und ich beeile mich, Ihnen einige Facten ans demselben mitzutheilen. Die Leiter der Gesellschaft in Paris fahren fort, sich der Sache ihrer Glaubensgenossen, zumal in den östlichen Ländern, mit dem löblichsten Eifer;u widmen, und ihnen, soweit die Kräfte und Berhältniste es erlauben, in ihren Bedrängnissen und Nothftänden zu Hülfe zu konnnen. Am Unmittelbarsten wirkt die Alliance in zwei Hinsichten: in der Gründung von Schulen im Oriente, und in der Erziehung von russischen Waisen in den Ländern Westeuropa's. Die Alliance hat jetzt an elf Orten im Oriente Schulen gegründet: in Adrianopel eine Knabenschule; in Aleppo eine Knaben- und eine Mädchenschule (die erstere zählt fio, die zweite 27 Zöglinge); in Bagdad eine Knabenschule; eine solche in Schumla, Jaffa (mit 58 Schülernl, Larissa, Sassi, Tanger, Polo, Widdin; in Teman eine Knaben- und eine Mädchenschule. In Beirut, Salonichi und Smyrna sollen demnächst Schulen, eröffnet werden. Ueber einige dieser Schulen sind erfreuliche Berichte von cempetenten und unparteiischen Persönlichkeiten cingelaufen. In Paris bestehen Seminarien zur Porbereitung der Lehrer und Lehrerinnen für die orientalischen Schulen. Außerdem unterhält die Alliance bei Jaffa eine Ackerbauschnle für Israeliten, die, von der Pforte mit 500 Acres Land beschenkt, sich unter der Leitung deS Herrn Eharles Netter in recht hessntiugsvollem Zustande befindet. Die Zahl der Zöglinge ist noch gering, aber sic sind voll besten Willens,^ fleißig irnd gelehrig. Eine kräftige Unterstützung dieses Werkes, daS von dem größten Nutzen für die Israeliten des heiliger: Landes werden könnte. Seitens unserer Glaubensgenossen, wäre dringend zu wünschen. Einige Feindseligkeiten von Seiten der Bewohner des benachbarten Dorfes Iasor sind durch die Permittelung der Alliance schadlos überwunden worden. Was nun die russischen Israeliten betrifft, so hat das Hauptgränzcomits in Königsberg in dem letzten Halbjahre 1872 1 10 Personen nach America befördert, und 02 Waisen placirt. Das Betragen der russischen Knaben, welche thcils als Schüler, theils als Lehrlinge nntergcbracht worden sind, war recht gut in Paris, Brüssel und Eöln. Das Eomite in 'Aachen lobt gleichfalls ihre Intelligenz in hohem Grade, beklagt sich über Mangel an Offenheit und Ehrlichkeit in ihrem Charakter, hofft aber Besserung von ihrer wachsenden Intelligenz. Die berliner Banquiers haben in der That ein Nundschreibcn an ihre Eollegcn erlassen, um sie anszuforrern, der rumänischen Negierung keinen Credit mehr;u gewähren. Allein sie haben keinen Erfolg damit erlangt. Bei Gelegenheit des großen Brandes im Bicrtel Knjundschuk in Konstantinopel gewährte die Alliance eine Unterstützung von 2500 Francs für die besonders hart betroffene israelitische Bevölkerung. Nach Tetuan sandte man 400 Francs zur Bekleidung der armen Kinder. Sehr lobenSwerth ist es, daß die Alliance sich gegen die Auswanderung der Israeliten nach Palästina erklärt, wenigstens bis ihnen die Möglichkeit gegeben sein wird, dort den Ackerbau zu erlernen und mit Einsicht ausznüben. Die sinancielle Lage der Alliance ist erfreulich. Die Einnahmen betrugen in den letzten drei Jahren zusammen l 25,005 FrcS. 05 Cent., die Ansgaben 107,001 Frcs. 15 Cent., so daß ein Ucberschnß von 17,101 Frcs. 20 Cent, entsteht. Bei der Berechnung des Ueberschnff'es der Einnahmen in der Zeit vom 00. Lept. 1800 bis 1872 findet sich ein Rechnungsfehler von 2ooo Frcs., worauf ich hiermit aufmerksam gemacht haben möchte; 85,7 10 Frcs. 25 Cent., abgezogen von 05,078 Frcs. Oo Cent., giebt 10,208 Frcs. 5 Cent., und nicht — wie es im Berichte heißt;— 12,208 Frcs. 5 Cent. 1 Das Capital der Alliance belief sich am 01. Tecember 1872 auf 77,050 Frcs. 15 Cent., in dem letzten Finanzjahre, das allerdings fünfzehn Monate beträgt, eine Zunahme von 10,104 Frcs. 20 Cent. Rumänien. Bukarest, 18. Februar. Die „Rum. Post" enthält folgenden Bericht aus Husch vom 10. Febr., der wahrhaft Grauen erregt. Ein Israelit Namens David Moses, welcher vom Unternehmer, ebenfalls einem Israeliten, mit der Behebung der Taxe für die Ueberfahrt der Brücke über den Pruth beim Städtchen Bransa betraut war, begab sich am 5. d. Abends zum Primär iBürgermeister) des Städtchens, Namens Scarlat Mighiu, um von ihm die Taxe für die Ueberfahrt seiner Effecten übor genannte Brücke zu erheben. Da er denselben nicht zu Hause fand, begab er sich in die nächste Schenke, wo er auch richtig den Primär in Gesellschaft eines Herrn Grigoriu BolSky (ein rumänistrter Pole) an einem Tische sitzend bei einem Glase Rum traf. Der Jude bat die Herren für die Störung um Berzeihnng, und brachte dem Primär sein Anliegen vor. Dieser schien darob nicht böse und bezahlte ohne Anstand die Tarc. 'Als David Moses sich entfernen wollte, hielt ihn der Primär mit freundlicher Miene, zurück, hieß ihn an seiner Seile Platz nehmen-, bot ihm ein Glas Num an, und forderte ihn auf, cs auf seine Gesundheit zu leeren. Der Jure, die Einladung znrnckznweiscn fürchtend, gehorchte und trank aus des Primars Wohl. Hierauf füllte auch der andere Herr ein Glas, und forderte nun auch seinerseits den David Moses auf, auf sein Wohl zu trinken. Ter arme Jude, allgemein als Nichttrinker bekannt, und der besonders keinen Rnm mochte, entschuldigte sich, und bemerkte, das; ihm schon das eine Glas zu viel sei. Da aber beide Herren in ihn drangen, that er sich Gewalt an und leerte auch das zweite GlaS. Beide

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