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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-04 · Heft 10 (4.3.1873) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 10 (4.3.1873)
Date
1873-03-04
Page
Seite 159 (sequence 9)
Language
German
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150 noch sehr wachsen muß, und Dies hängt natürlich von dem Maße ab, wie ihr die Wohlthätigkeit Die Mittel dazu zu Gebote stellt. Die Einnahmen des letzten Jahres betrugen 171»1 Thaler, die Ausgaben 1550 Thaler, wovon jedoch 100 Thaler zum Fonds geschlagen worden sind. Das Lermögcn des Institutes besteht gegenwärtig in 8100 Thalern. Sicherlich verdienen die Männer, welche sich dieser edelen Sache mit größtem Eifer hingeben, einen wahrhaften Dank. Sie haben so eben wieder eine Aufforderung um Beiträge erlassen, welche, nachdem die Bitte ausgesprochen worden ist, mit folgenden Worten schließt: „Unter Gottes gnädigem Beistände hat das Waiseninstitut das vierte Jahr seines Bestehens und segensreichen Wirkens vollbracht. Es ist auch das abgelaufene Jahr ein Beweis der, wenn auch allmäligcn, so doch sicher fortschreitenden Entwickelung desselben gewesen, so daß wir unserem innigen Daukgesühle für Gottes gnädigen Beistand, wie unserem ansrichtigen Danke gegen die vielen edelen Männer und Frauen, die dasselbe so thatkräflig gefördert haben, an dieser Stelle beredten Ausdruck geben müssen. Bisher ist cs uns jedoch noch nicht vergönnt gewesen, allen den zahlreichen Anforderungen wegen Ausnahme der, leider nur in allzugroßer Zahl in unserer Provinz vorhandenen, Waisen in unser Institut nachzukommen, da uns zunächst die Mittel hierzu noch fehlten, und wir über unsere fräste hinaus vorläufig nicht gehen dürfen und können, sondern zunächst auf bessere Zeiten, welche hessentlich auch für unsere Anstalt erblühen werden, vertrösten müssen. Mittlerweile sind und bleiben wir bemüht, die in unsere Anstalt ausgenommenen Waisen zu sittlichen, arbeitsamen, und religiösen Menschen heranzubilrcn. Möge im Hinblicke auf dieses erhabene Ziel Gottes Beistand mit uns sein, daß unsere Stiftung wachse und gedeihe, auf daß sie den Wittwen und Waisen ein ewiger Hort und ein fester Schirm sei und bleibe. Das walte Gott! Der Borstand des israelitischen Waiseninstitutes für Ostpreußen. A. H. H c y m a n n, M e y e r V e v h, St. B r i u u, Berlin. Friedrichstr. 152. Schippenbeil. Schippeubeil. Marquardt, H. Vehmann, I. M. Hirsch, Schippenbeil. Stettin. Bartenstein. Si m o n Salz m a n n, Bischofstein.' Ocstreichisch ungorischc Monarchie. Wien, 2<». Februar. iPrivatmitth.» Bor einiger Zeit hat ein großer Thcil der hiesigen Orthodoxen l mehrere, die früher mitgegangen waren, zogen sich zurück, da sie denn doch das bessere Gefühl abhielt, für nichts und wieder nichts, blos res Skaudales halber, die Behörden zu behelligen) neuerdings bei der Statthalterei ein Gesuch cingebracht, in welchem sic baten, daß sie von der Entrichtung der Eulmsstener befreit sein mögen. Die Statthalterei wies jedoch das Gesuch zurück, da nach den vom Ministeriunl genehmigten Gemeindestatuten jeder Israelit, der zur wiener Großeouimune gehört, so wie jeder, der länger als ein Jahr ständig hier wohnt, Eultussteuern bezahlen muß. DaS Beste, was die Herren thun könnten, tun keine Steuern zu bezahlen , wäre — daß sie sich confessionslos erklären. Durch diesen Schritt würden sie weniger 2'^n Vibn ausüben. Das jetzige Ministerium hat große Scheu vor der Erörterung kirchlicher Fragen, da es zunächst die Berfa ssungssrage gelöst wissen will. Thatsächlich kündigte jüngst Herr von Stremayer im Finanzausschüsse des Abgeordnetenhauses an, daß er die intereonfessionellcn Gesetzesvorlagen jetzt nicht Vorbringen werde. Diesem Umstande mag es wohl zuzuschreiben sein, daß, um gleiches Riecht zu üben, auch die Angelegenheit der jütischtheologischen Faeultät schlummert. —. Es ist jetzt in den östreichischen Zeitungen Mode ge- .worden, jede Differenz, die sich irgendtvo ztoischen Ehristen und Juden ereignet, als eine „Iudeuhetze" zu bezeichnen. Wir warnen daher, dieseni widerwärtigen Ausdrucke mehr Bedeutung und Gewicht beizulegen, als er gewöhnlich verdient. Bon Szered an der Waag wurde jüugst eine „Iudeuhetze" gemeldet, die Nichts als ein unbedeutender Auflaus war. Die „sJi. fr. Pr." schreibt darüber: „Es ist nicht zu längnen, daß das Berhältniß ztoischen Ehristen uns.Juden nicht ein derartiges ist, daß Ausschreitungen, deren Spitze sich gegen die Juden kehrt, zu treu Unmöglichkeiten gehören würden, da es an Hetzbrüdern, denen jeder Jude ein Dorn im Auge ist, in Szered wahrlich nicht fehlt. Es wurden zwar zwölf Personen Nachts, als das Militär einlraf, verhaftet, und sofort nach Thrnan transpvrtirt, aber dort augenblicklich toieder sreigelasfen. Auch der Urheber des Auflaufes, ein Zkrämer, der von einer Jüdin Spitzen, die sic ihm gestohlen haben sollte, abverlangte, wurde noch an deurselben Tage wieder freigelassen." —. Sie haben schon gemeldet, daß Nr. Vndwig August Frankl, der Gründer der hiesigen israelitischen Blindenanstalt, zu einem Eougwsse der weiter und Vehrer von Blindeniustituten während der iviener Weltausstellung eingeladen hat. Wie eine neuerliche Bekamltmachnng bezeugt, hat die Einladung den besten Erfolg gehabt, und haben bereits namhafte Autoritäten des Faches Borträge über sehr interessante und wuchtige Themen angemeldct. Ter Eengrcß wird vom 0.—7. August 1873 stattsinden. —. Ein ungarisches Blatt hat verbreitet, daß der einzige Sohn res hiesigen Freiherrn von Rothschild einer Heirath tvegen zum Ehristeulhnme übergehen, und sein Bater ihn deshalb enterben wolle. An diesem Allen ist kein Wort wahr, die ganze Nachricht eine Zeitungseute!__ 10

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