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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-04 · Heft 10 (4.3.1873) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 10 (4.3.1873)
Date
1873-03-04
Page
Seite 158 (sequence 8)
Language
German
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158 denselben zweifelhaften Erfolgen. Wenigstens erweist sich Dies! durch ein Factum, das ich durchaus nicht als ein erfreuliches ansehe. Ter Großherzog von Mecklenburg-Schwerin hat sich von seiner Reise in Palästina her für einen Juten aus Jerusalem interessirt, der für den Plan, in Safed ein jüdisches Hcspital zu errichten, in Europa jetzt nm Spenden herumreist. Durch den Großherzog wurde der Fürst Bismarck bewogen, allen Oberpräsidentcn und Negierungen die Anweisung zu geben, den gedachten Mann in seinen Anforderungen bei den Juten zu unterstützen. Ich meine nun, daß das llnteruchmen und die Art, wie es durch einen einzelnen Mann ohne Eontrole und Rechenschaft betrieben wird, sehr zweifelhafter Ratur sind, und daß die Behörden es den Juten selbst überlassen mögen, wo und wie sie ihre Wohlthaten verwenden wollen. Einen moralischen Zwang von Oben her weisen wir in solchen Dingen zurück. DeuiilNgeachtet erkennen wir es willig an, daß in diesem Berfahren des Reichscanzlers immerhin eine hochherzige Gesinnung sich erweist, die wir hinsichtlich der Juden bis jetzt an preußischen Ministern zu beobachten feine Gelegenheit halten. So kam mir in diesen Tagen ein gedrucktes Circular, ans Hannover datirt, und vom dortigen Polizeipräsidenten unterzeichnet, zu Gesichte, worin alle die hohen Herrschaften aufgczählt werden, welche sich für Herrn Abrahanr Beer Kohn interessiren, und letzterer durch reu Minister des Inneren und den Oberpräsidenten empfohlen wird. Dies Alles ist gut gemeint, aber eine Bevormundung der jüdischen Privatwehlthäligkeit. Denn wie gesagt, weder das Unternehmen scheint uns ein wesentlich dringendes Bedürfnis; — wenigstens sehen wir nicht ein, warum nicht jede andere dürftige jüdische Gemeinde, und deren giebt cs im Vaterlande in großer Menge, ebenso eines Hospitals würdig wäre -- noch diese Sammlerei durch Herumreisen ein zwcckeutsprechendes, wo mindestens ein großer Theil des Gelees an den Rädern kleben bleibt, und Einnahme und Ausgabe in der Hand eines ManncS sind. Hannover, l 5. Februar. Hier giebt es eine kleine katholische Gemeinde, welche eine ConfessionSschnle unterhält, die aber wegen Mittellosigkeit der Gemeiv.de in elendem Zustande ist. Anerbietungen von Seiten des Magistrates, sie zu unterstützen, wenn man ihm dieselben Anfsichtsrechte zugestehe, welche er der protestantischen Schule gegenüber übt, wurden, durch das katholische Eonsistorium zu Hildeöheini wiederholt zurückgewiesen. Jetzt, da die Gemeinde das Gehalt der Lehrer nicht inehr zu zahlen vermag. erklärte sie sich bereit, ans die Bedingung des Magistrates einzugehen. Gestern erössnete Stadtdirecter Rasch den städtischen Eollegien, daß die kirchlichen Behörden der Stadl alles Wcsentliche znzngestehen bereit seien, und beantragte, den Magistrat zur Abschließung des Vertrages wegen Uebernahmc der katholischen Schule auf die Stadt zu ermächtigen. Erwüchsen daraus auch größere Kosten, so würde damit doch iiur eine Pflicht der Gerechtigkeit gegen die katholischen Mitglieder erfüllt. Der Wortführer der Bürgerschaft widersetzte sich der Absicht, heute noch eine neue consessionelle Schule zu gründen, fragte, ob eine katholische Sladt wohl je mit gleicher Liberalität gegen eine kleine protestantische Gemeinte verfahren würde, und warnte vor Forderungen, die rann auch von Seiten der jüdischen Mitbürger kommen wurden, und die im Verlaufe der Sitzung dann auch bereits angekündigt wurden. Wiewohl kann auch noch die Möglichkeit einer Scheidung der Gemeinde in Allnild Renkatholiken vorgehalten wurde, in welchem Falle die Stadt sogar zwei katholische Schulen zu stellen Halle, so wurde der Magistratsantrag doch mit allen gegen zwei Sliinmen angenommen. Darmstadt, 23. Februar. (Privatmitth.) Die Klage res hiesigen Vorstandes gegen den „Starkenbnrgcr Boten" hat noch immer nicht die Enrschast erreicht. Ter Redacteur wurde zwar vom Bezirksstrasgerichlc wie vom Obergerichte zu einer Gesängnißstrafe von acht Tagen verurtheilt, der Verklagte ging jedoch an den Eassationshos, rer hoffentlich das Unheil der früheren beiden Instanzen bestätigen wird. Merkwürdiger Weise haben die beiten Gerichlshöse auf die bezeichnet Gefängnisstrafe gegen den Frcisprcchnngsantrag des jedesmaligen Staatsanwaltes erkannt. Heute vor acht Tagen fand in Franksurt eine jüdische ^andesversammlung stalt, die fast nur von Vertretern dcr^andgelneinren besuch: wurde, nur die eine Petition an das Ministcriuiu, wie an das Abgeordnetenhaus, zu richten beschloß, l) daß der jüdische Religionsunterricht obligatorisch gemacht werde, und zwar in so lange, als es noch rer christliche ist. Hieran knüpft sich natürlich die Bitte, an den Volks- und Realschulen, wie an den Gymnasien, von Seiten des Staates für den Religionsunterricht zu sorgen. 2, Daß an einem rer Landeöseininare für die Ausbildung jütischer Seminaristen auch in den jüdischen Religionswissenschasten Fürsorge getroffen werde, und 3» daß der Staat eine verhältnißmäßige .Beisteuer zu dem Gehalte der Rabbiner nur Religicnslehrer bewillige. Die Vorstände der sieben Rabbinatssitze des Landes haben schon vor einigen Wochen dem Ministerium eine Petition überreicht, Rabbiner und Religionslehrer ganz oder theilweise ans Staatsmitteln zu besolden. Bei unserem gegenwärtigen freisinnigen Ministerium werden die sc Petitionen sicherlich Berücksichtigung finden, zumal in unserem vandchcn 20,000 Jaden unter S—000,000 Einwohnern leben. Schippenbeil i Ostpreußen», 20. Februar. (Privatmitth.t Das hier gegrüttdete „Israelitische Provincialwaiseninstitul für Knaben und Mädchen in Ostpreußen" blüht allmälig auf, und hat soeben seinen dritten Rechenschaftsbericht veröffentlicht. Während im Vorjahre sechs Waisen, werden in diesem zehn solche erhalten, unterrichtet und erzogen. Es versteht sich, daß die Anstalt, um dem Umfange nach ein genügendes Ziel zu erreichen,

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