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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-04 · Heft 10 (4.3.1873) · p. Seite 155

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 10 (4.3.1873)
Date
1873-03-04
Page
Seite 155 (sequence 5)
Language
German
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155 säcularifirt, und den: bisherigen Großherzoge von ToScana zur Entschädigung, mit noch einigen anderen Landestheilen vereint, als Kursürstenthnm übergeben worden war, schasste derselbe auch in den übrigen Gebieten des neuen Kurfürsten thums den Leibzoll ab (1SU4). — Das Schristchen ist besonders in eulturhistorischer Beziehung interessant. Ein kleiner Jrrthum ist (S. 10) die Erwähnung eines Cardinalerzbischofes Matthäus von Gurk, welches doch immer nur ein Bisthnm war. Der Erzbischof von Trient, welcher an den bekannten emser Punetationen des Jahres 1786 theilgenommen haben soll (2. 1:D, ist wohl nur ein Druckfehler für Trier. hl tlCjätl cxcßucltcil. Deutschland. Bonn, 20. Februar. I Privatmitth.> Schon wieder haben wir an der Spitze unseres Blattes das Hinscheiden eines bewährten, für Wissenschaft und Bildung unermüdlich wirtenden Glaubensgenossen zu melden. Herr Joseph Lehmann zu Berlin, Redacteur des rühmlich bekannten „Magazins für Literatur des Auslandes", der im vorigen Jahre sein vierzigstes Redactionsjahr feierte, ist verschieden. Aus Glogau gebürtig, stand er in besonderer Freundschaft mit einer Reihe bedeutender Männer, die derselben Stadt entsprossen waren, wie Sachs, Zedner, Munk u. s. w. Jahrzehnte hindurch war er erster Vorsteher der „Gesellschaft der Freunde^, wo wir ihn, der damals noch in der Blüthe des Mannesalters stand, als Redner zu bewundern mehrntals Gelegenheit hatten. Seinen regen Antheil an der jüdischen Wissenschaft noch im höheren Alter beobachteten wir mit Vergnügen in den Versammlungen, in welchen die Gründung und die Statuten der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthumes diseutirt wurden. Die Hauptarbeit seines Lebens war die Herausgabe des Magazins, das er mit großer Liebe, mit Fleiß und Ausdauer, pflegte. Anfangs erschien es als Beiblatt der „Allgemeinen preußischen Staatszeitung", eines officiellen Blattes, und man erachtete eö damals für eine besondere Begünstigung, als einen wesentlichen Fortschritt, daß ein Jude in der Nedaetion eines preußischen Ministerialblattes faß. Später löste sich die Zeitschrift von diesem Verbände ab, und erschien unabhängig in Berlin, und dann in Leipzig. Eine lange Zeit hindurch wurde sie als die wirkungsreichste Vermittelerin zwischen Deutschland und dem Auslande in literarischer, wie wissenschaftlicher, Beziehung betrachtet. Diesem Berufe hat sie niemals entsagt. Der Heimgegangene hat stets den Nus eines ehrenfesten Charakters, und wohlthätigen Förderers jüngerer Kräfte, besessen. Wenn wir nicht irren, hat er auch ein Stipendium am theologischen Seminare in Breslau schon vor Jahren gestiftet. Friede seinem Gedächtnisse! Tie „Köln. Ztg." spricht sich folgendermaßen aus: „Gestern Mittag starb plötzlich, im Alter von zweiundsiebzig Jahren, der Begründer und Herausgeber des „Magazins für die Literatur des Auslandes", Joseph Lehmann, ein Autodidakt, der schon mit fünfzehn Jahren hier als Lehrling in ein Bankgeschäft getreten war, dann aber mit rastlosem Fleiße seine Ausbildung betrieb. Er war von 1828 bis 184 2 Mitredacteur der damaligen allgemeinen preußischen Staatszeitung, die, vom auswärtigen Ministerium ressortirend, als Amtszeitung der Regierung 1817 von Stägeuiann errichtet worden war. Im Jahre 1832 begründete Lehmann, auf Anregung des damaligen geheimen Legatiousratheö Philipsborn, das „Magazin", das bis 1812 mit der Staatszeitnng verbunden war. Im Jahre 1810 zog der Verstorbene von Berlin nach Großglogan, seinem Geburtsorte, um dort in die Direetion der niederschlesischen Eisenbahn zu treten, kehrte aber vor sieben Jahren wieder hierher zurück, wo er sich durch eine gemeinnützige Wirksamkeit hervorthat." Die „Rat. Ztg." äußert sich: „Der in weiten Kreisen bekannte Eisenbahudireetor und Redaeteur des „Magazins für die Literatur des Auslandes", Joseph Lehmann, ist gestern, am 10. Februar, im Alter von zweiundsiebzig Jahren hier verstorben. Nicht nur aus literarischem Gebiete-, durch die Sorgfalt und Feinheit, mit der er jenes, nach vielen Seiten hin musterhafte Journal leitete, das viele Jahre hindurch beinahe allein den literarischen Verkehr Deutschlands mit dem Auslande vermittelte, auch in bürgerlicher, hingebender Thätigkcit in Vereinen, so noch in seinen späteren Lebensjahren bei Errichtung der berliner Volksküchen, hat er fick' ein großes und nicht genug zu schätzendes Verdienst erworben. Unermüdlich thätig, von einer geistigen Frische, die dem 'Alter und der Krankheit trotzte, voll HerzeuSgüte und Aufopferung, gehörte Joseph Lehmann nicht allein dem engen Kreise seiner Freunde, sondern recht eigentlich. unserer Stadt an, zu deren wackersten Bürgern er gezählt werden wird." Bonn. 23. Februar. Wir verzeichnen mit Vergnügen, daß Herr I. D. .Kaut i a, Ehrenmitglied der königlich würtembergiscken israelitischen Dberkirchenbehörde, als Reiseunterftützung nach Italien für Herrn Dr. A. Berliner einen Beitrag gesandt hat. Bon«, 10. Februar, iPrivatmitth., Der streitbare Bischof Ketteler von Main; hat vor Kurzem eine starke Broschüre an „die Katholiken im deutschen Reiche" gerichtet, in welcher er ein Programm für diese, selbstoerstäntlich ein eonsessivnell-politisches, aufstellt, und schon wieder eine Flugschrift über die vier preußischen Gesetzentwürfe veröffentlicht. Die Ferer dieses bischöflichen Publicisten ist eine scharfe, einschneidende; er versllht, die schwachen Stetten des Gegners zu finden, und schonungslos aufzudecken; Logik und Dialektik stehen ihm zu Gebote. 'Aber er ist zu sehr Parteigänger, als daß ihm die Fehler und Schwächen

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