Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1873)
- Date
- 1873-02-25
- Page
- Seite 145 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/3224737-3226906-3226916--31456-3254374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
145 durch seine wissenschaftlichen Leistungen, und die durch dieselben in den gelehrten und literarischen Kreisen errungene Stellung, nicht wenig zur Beseitigung der Vorurtheile gegen seine Glaubensgenossen, und zu deren Hebung in der öffentlichen Meinung beigeiragen. Darum werde sein Andenken in den dankbaren Herzen aller Juden des Landes, und namentlich hiesiger Stadt, fortleben; darum werde der Borstand der israelitischen Religiorisgemciude zu Leipzig es als seine heilige Pflicht ansehen, die Erinnerung an Fürst treu zu bewahren. Als die, alles Pastoralen Redeschmuckes entbehrende, durch Präeision des Gedaukcuausdruckes und GemüthSwärme charakteristische Rede mit dein Zurufe des letzten Lebewohls geschlossen hatte, und damit die Feierlichkeit im Trauerhause beendigt war, wurde der Sarg von Mitgliedern der Chebra Kaddischa und dcS Borstehcrcolleginms zu dem entsprechend geschmückten Leichenwagen getragen, um nach der Synagoge übergeführt zu werden. Der Lcichenzug, der sich über die Promenade, den Augustusplatz und durch die verkehrsreichste Straße der Stadt, die grimmaische Straße, bewegte, war ein imposanter. Boran schritten mit der trauerumflorten Fahne der philosophischen Facultät die Ehargirten der Burschenschaft Treskensia; ihnen folgten die Chargirten der Germania, der Arminia, der lausitzer Prcdigergesellschaft, des akademischen Turnvereines, des Paulus, der Bndissa, der Afrania, der Grimmensia, deS Wingolf, der Rordalbiuger, und der fünf Corps. Sodann kam ein Universitätspedell, welcher auf einem weißen Kissen die Ordensinsiguien des Verstorbenen trug, die von zwei Lorbeerkränzen umrahmt waren, vorn hiesigen Schriftstellervereine und von akareruischen Jüngerngewidmet. Dem hierauf folgenden Leichenwagen schlossen sich ein großer Zug Leidtragender und eine lange Wagcnreihc an: überall wurde ihm Seitens des passirenden PublicnmS mit den sichtbarsten Zeichen theilnchmender Pietät begegnet. Die Synagoge bot einen feierlichen, tief ergreifenden Anblick dar. Einfach, aber geschmackvoll kecorirt, bekundete sie auch den Richtjureu, daß die Regeln der vollendetsten Aesthelik auä, für israelitische Cnltusvorstänte die maßgebenden sind. Das Allerheiligste, der Altar, die große und die kleine Kanzel, sowie der in. rer ersten Reihe befindliche Ehrensitz des Verstorbenen waren schwarz drapirt, Tranerkerzen warfen ihren melancholischen Schein auf die einer ungewöhnlichen Todtenfeier gewidrnete Stätte. Die Bahre des Verklärten, die von Blumengewinden überdeckt war, wurde au den Altar uiedergesctzt; um sie herum, zu beiden Seilen des Mittelschiffes der Synagoge, gruppirten sich die jugendlich frischen Gestalten der Studentendeputirten in ihrer farbenreichen, mit Traueremblemen versehenen Tracht. In den vordersten Sitzreihen nahmen Platz: Kreisdirector von Burgstorsf nebst mehreren Regierungsrälhcn, Rector nragnisicus Brockhans, und Professoren der vier Facultäten, Oberbürgermeister Pr. Koch nebst verschiedenen Magistratsmitglicdern, Stadtvererdnetenvorsteher Di*. Georgi, und tnehrere Stadtverordnete, sowie viele andere Honoratioren rer Stadt. Als Depniirler der Schwestergcmeindc Dresden außer Herrn Oberrabbiner Pr. Landau, rer Vorsteher. Joseph Bondi, erschienen. Alle Räume der Synagoge, vo Hunderten ihrer Gasflammen in mattem Dämmerlichte te tet, waren bis zur zweiten Galerie hinauf vollbesetzt. Ein ues Leicheubegänguiß nach jüdischem Ritus war für so Ma der Anwesenden eine noch ganz unbekannte Erscheinung, von um so größerer Anziehungskraft. Die Feier begann mit einem ergreifenden Orgelprälm dem der meisterhaft ausgeführte Gesang des Synagogem „Psalterion" unter Direetion des Herrn Capellineisters I fohn folgte. In unmittelbarem Anschlüsse daran brachte durch seine künstlerischen Leistungen berühmte, Universitätsgc. verein der Pauliner , unter Leitung des akademischen Mut rers, Herrn Nr. Langer, ein Lied zum Vortrage, dem Allegerührt lauschte. Rach einem sodann vom Obercantor, \ Liebling, mit dem vollen seelischen Gehalte, der seiner tr. geschulten Stimme innewohnt, gesungenen hebräischen Liede Herr Rabbiner Nr. Goltschmidt eine, nach Form und I gleich ausgezeichnete, (X'dächtnißrete auf den Verstorbenen, spielend auf dessen Synagogennamen Joseph knüpfte Rednc eine schön gewählte Midraschstelle (von den beiden in der neben einander getragenen Laten, in welchen die BnndeSi und die sterblichen Ueberreftc Josephs sich befanden) an, den Lebens- und Bildungsgang Fürsis, seine wissenschastl Leistungen, een Platz, den er innerhalb der orientalischen Sp forschuug ciunchme, zu beleuchten. Ein Hauptgewicht Redner auf die sittliche Kraft, welche der Heimgegangene Gel bewährt habe, indem derselbe allen inneren und äußeren Sch rigkeiten und Versuchungen znm Trotze in treuer Anhänglian dem heiligen Glauben der Väter zu seiner wissenschastl Höhe sich cnlporgearbeitet habe. Herr Oberrabbiner Pr. La: brachte hierauf durch ein schönes 'Weihegebet. dessen Getan reickubum und Gefühlsinnigkeit von tiefer Wirkung waren, Tranerfeierlichkeit im Tempel znm Abschlüsse, worauf eie B. unter überwältigenden Klagetönen der Orgel, ans rer Snna getragen wurde, um zur ewigen Rnbestätte übergefiih,: werden. Ter Leichenzng. der sich von der Synagoge aus nach etwa 's, Stunden entfernten Friedhöfe in Bewegung setzte. \ wiederum durch die Ehargirten der stildentischen Verbindur eröffnet, durch die noch größere Felge von Leiktragertden zu F und zu Wagen fast unabsehbar geworden. Als er feinem stimmungsorte nahe war, traten die Ehargirten, zu beiden Sr Spalier bildend, aus einander, um durch Senken der F. und der Schläger die Bahre zum letzten Male zu salutiren. Leichcnhaufc des (Gottesackers wurden von Herrn Oberca: Liebling die rituellen Grabgebete in tief rührender Weife i getragen, worauf Herr Dr. Landau wiederum zu einer läng. Rede das Wort ergriff, um an dem Lebens- und Bitkungsga 9*