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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-25 · Heft 9 (25.2.1873) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 9 (25.2.1873)
Date
1873-02-25
Page
Seite 144 (sequence 10)
Language
German
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144 Gemeinde; der MaSkil und erste Vorbeter des Tempels, Abu Tabib, ein unterrichteter und menschenfreundlicher Mann, war im Alter von 54 Zähren gestorben. Der Kummer hatte ihn vorzeitig gebrochen infolge des Verlustes eines Sohnes, der nach glänzenden Studien Advocal geworden war. Abu Tabib erfüllte außer seinen Pflichten als Borbeter die eines Direetors der israelitischen Freischulen (mit > wenigstens InO Schülern). Seine Beerdigung hat am 22. ftattgefunden. Ter Leichnam wurde zum Tempel, dann zur israelitischen Schule gefahren. Auf rem Sarge lag der Talith, den der Verstorbene au den hohen Festtagen trug. Die Schnüre des Bahrtuches wurden durch die Verwalter des Tempels gehalten; die Mitglieder des Ceusistoriums trugen jeder eine Kerze in der Hand. Man kann die Menge, die folgte, auf 5 bis COOU Seelen berecknen. Ueberall auf dem Wege des Zuges wurden die Läden geschlossen, ob sie Glaubensgenossen angehörten, oder nicht. Die allgemeine Zuneigung, die man für ihn hegte, offenbarte sich durch eine sofort cröffneie Zeichnung zu Gunsten der zahlreichen Familie Tabibs; sie erreichte, mit Unterschriften sofort bedeckt, gleich in den ersten Augenblicken die Ziffer von lo,000 Francs, und dabei wird sie nicht stehen bleiben. Die Gemeinde Livorno hat also dicht hinter einander zwei unersetzliche Verluste erlitten. Bei den neuen Zdeeen, welche vorherrschen, beruht das religiöse Gefühl zum großen Theile auf der Achtung, welche solche Männer einflößen und verdienen. Ihr Tod hat also Folgen, deren Tragweite die Gränze der beiden Familien, die so eben ihre Häupter verloren haben, überschreitet. Nmiiäiiien. Bukarest, 3. Februar. Ter Moniteur veröffentlicht die Danksagungen res Rectors rer rumänischen Universität zu Bukarest an Herrn Emmanuel Tarchy, israelitischen Banquier zu Bukarest, für eine Gabe von 1 noo Francs zu Gunsten des öffentlichen Unterrichtes. Bor einiger Zeit hat ein anderer Israelit, Herr Hillel, der gegenwärtig in Paris wohnt, der rumänischen Universität ein Geschenk von 100,o0(j Frcs. gemacht. Ich finde, daß diese Gaben ihre vollständige Berechtigung haben, renn die Juden hätten, um ihre bürgerlichen Rechte zu erlangen, zuvor den öffentlichen Unterricht in Rumänien zu vervollkommnen; denn es ist der Mangel an Bildung bei ihren christlichen Mitbürgern, der sie unglücklich, und ihre Lage mitleiderregend j macht. Aber was seltsamer ist, das ist, daß das officielle Organ, i indem es eine lobenSwerthe Handlung eines Israeliten verzeichj net, niemals eie Religion des Gebers angiebt, während die ru-! manischen Journale, wenn sie eine schlechte Handlung veröffentlichen, niemals verfehlen hinzuzufügen, daß der Schuldige ein Jude sei. iL'Echo de l'Orient.) J e u i l ecichciilicaiinguik des Prof. Nr. Julius Fürst. Leipzig, 12. Februar. Wenn ich Ihnen über das gestern stattgehable Leichenbegängnis; des Professors I)r. Julius Fürst etwas detaillirt Bericht erstatte, so geschieht eS nicht, um dem Heimgegangenen als Gelehrten oder als Menschen Ehrenkränze zu winden — denn dazu ist hier nicht der Ort — sondern um von dem veränderten, wahrhaft wohlthuenden und erhebenden Geiste Zeugnis; abzulegen, der sowohl unsere jüdischen Gemeinden, wie tic uns umgebende nichtjüdische Welt an vielen Orten bereits erfüllt. Bewiesen die, von dem hiesigen israelitischen Eultnsvorstande geleiteten Trauerfeierlichkeiten ein tiefes Verständnis; der Zeit, und die lebensvolle, gestaltungsfähige Begabung, ihren hohen Aufgaben Rechnung tragen zu können, so bezeugte andererseits die großartige Theil- ".ahme Seitens eines auserlesenen Publicums, daß der Iure der Gegenwart bereits eine ebenbürtige Stellung in rer Oesfentlichkeit genießt: eine Stellung, die keiner DiScussion mehr unterliegt, sondern stillschweigend zu- und anerkannt wird. Die Trauerfeierlichkeiten nahmen in der Wohnung des Verstorbenen ihren Anfang. Hier sprach an der blumengeschmücktcn, von den Vertretern der akademischen Körperschaften, den Regiernngs- und städtischen Eollegien umstandenen, Bahre Rabbiner Dr. Goldschmirt trostreiche Worte an die Hinterbliebenen, und wehmulhsvolle des Abschiedes an den Heimgegangenen. Sodann l e t o n. gab der Gemeindevorsteher, Herr Moritz Kohner, Namens der hiesigen jüdischen Gemeinde, dem Schmerze derselben über den erlittenen Verlust, über den Verlust ihres Ehrenmitgliedes, einen tiefergreifenden Ausdruck. In einer, unter der Bewegtheit des Augenblickes, frei, und darum um so wirknngsreicher entströmenden, Rede beleuchtete Herr Kohner die Beziehungen der Gemeinde zu dem Entschlafenen. Viele Jahre habe derselbe der Gemeinde fern gestanden, nur seinen wissenschaftlichen Studien und Kreisen lebend. Tie Gemeinde aber, stolz auf einen Glaubensgenossen, der sich selch eine ehrenvolle Stellung in der gelehrten Welt errungen hatte, habe das Bedürfnis; empfunden, ihn sich nahe zu bringen. Zu diesem Behnfe habe sie ihm die höchsten Ehren, die eine Gemeinde überhaupt zu vergeben habe, die der Ehrenmitgliedschaft und eines Ehrensitzes in der Synagoge, verliehen. Dies sei nicht geschehen, weil der Vorstand geglaubt habe, damit Professor Fürst zu ehren, sondern um die Gemeinde durch dessen Mitgliedschaft zu ehren; um ferner junge begabte Kräfte, die sich der Wissenschaft widmeten, und dadurch zur Ehre unserer Glaubensgettossen, und zur Verherrlichung des Indenthmnes beitrügen, zu regem, ausdauerndem Fleiße, zu tüchtigen Leistungen anzuspornen. Sodann erörterte Redner die politische und sociale Bedeutung Fürsts für die Juden Sachsens, und speciell Leipzigs. Er, der erste jüdische Decent an der leipziger Hochschule, der erste Jude, der vom Könige von Sachsen mit einem hohen Orden ausgezeichnet worden fei, habe

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