Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1873)
- Date
- 1873-02-25
- Page
- Seite 140 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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140 d)iie Mängel erscheinen. Seine erste Schrift war das „Vehrgebäude der aramäischen Idiome" (1S2.V, dem im solgenden Jahre die „Perlenschnüre aramäischer (Gnomen und Vierer" folgten. Schon 1S27 begann er seine bekannte Coneordan; heranSzngeben, sowie er, nachdem er früher Mitarbeiter dieser Zeitung gewesen war, von 1w1<> — ISIS die Zeitschrift „Der Trient" redigine, deren Viteratnrblatt noch heute von Werth ist, und viele Abhandlungen von ihm selbst brachte. Bon Wichtigkeit ist auch seine lJibliothec.-i jmlnica, wovon der erste Theil ISli», der zweite 1S.*>u, und rer dritte 1 S(J:i erschien. Im Jahre 1 Sö7 veröffentlichte er sein hebräisches und chalräifches Handwörterbuch, welches IS<»:* in zweiter Auflage, und dann in einer englischen Uebersetznng erschien, und dem sich auch ein hebräisches Schulwörterbuch in zwei verschiedene;! Bearbeitungen anschloß. Seine Geschichte des >laräerrhu;ues in drei Bänden gab das Institut in den Jahren und 1 s(’**.) heraus. Ihr folgte noch eine Geschichte der biblischen Vileratur in zwei Bänden. Man. wird gern gestehen, das; dies — wir haben eine Zahl kleinerer Schriften übergangen — ein reiches und gesegnetes Tagewerk war, und das: der Berewigte so seinem Viamen ein dauerndes und ehrenvolles Gedächtnis; bereiter hat. Leipzig, 14. Febr. (Privalmitlh.) Am dieses starb hier im Alter von nahezu OS fahren der um die orientalischen Sprachwissenschaften, die Vilerärgeschichte, Vepikographie und Bibellnnde hochverdiente Gelehrte, Professor D r. Julius A ii r st, in welchen! nicht nur die leipziger Universität, an der er seit l S11 lehrte, ein höchst bedeutendes Mitglied verlor, nicht mir die hiesige israelitische Religionsgemeindo ihr hochgeschätztes erstes Ehrenmitglied betrauerte, sondern auch die Wissenschaft überhaupt, und das gesamnne Iudenihum, einer namhaften Zierde verlustig ging. Fürst war am 12. Mai in Zerkowo, Provinz Posen, geboren, trat lvi<> in das t^ymnasimn zun; grauen Kloster zu Berlin, studine zu Berlin, Breslau. Halle nur Veipzig, erwarb is:',2 die philosophische Doelr.würde, und wirkte seitdem in letztgenannter Stadl, wo er als akademischer Vehrer eine greste Anzahl, zum Theil berühmt gewordener, Schüler herangebildet, als gelehrter Schriftsteller aber eine ungernein fruchtbare Thätigleit entfaltet hat. Indem wir bei der anerkannten Berühmtheit Fürsts roegeu der Cin;elh:iieii seiner enorme» Veistungen auf das öreckhanssche bteuversatiouSlerilon sIl. Ausl.», Vorcks „Männer der Zeit" tVeipzig, 1 sr»*2 >, Hilbergs illustrirte BieualShesie «Wien l s(ir>i, und I. I. Webers illustrirte Zeitung «Veipzig, 12. Februar 1S7; verweisen müssen, können wir nur der wiener „2lenen freien Presse" von; l 1. Fedruar a. beillnmneu, welche ihren 2<achrus in die Worte ziisanrmensaßt: „Cr war ein tresslicher, liebenswürdiger Mensch, ein stupend arbeitsanrer (belehrter, ein unermüdlicher Docent; seine Werke werden das Gedächtnis; seines Ra mens für die Rachwelt lauge erhalten." Dieser hohen Bedeutung des Berblicheneu entsprechend war denn auch die Theilnahmc aller gebildeten Kreise, denen er an- > gehörte; Christen und Juden begegneten sich einmülhig in dem pietätvollen Streben, dem 'Andenken des ebenso bescheidenen wie verdienten Mannes die letzten Ehren zu erweisen. Dieses Znsannnenwirken gestaltete sich zu einer Feier, wie sie unsere Stadt in ähnlicher Weise noch nicht gesehen hat. Tie israelitische Gemeinte Hierselbst, und in ihrem Rainen der um diese, wie überhaupt nm die neueren organisatorischen Unigestaltnugen, um. die Arbeiten der Synode und reS Gemeindelages, sowie um alle sonstigen Resiwm- und Hmnanitätsbestrebungen des Judenthnmcs, verdiente Borsteher, Herr Stadtverordneter Moritz K'ohncr, erlies; einen ehrenden, öffentlichen Rachrus. Was die ungemein würdige Tranerfeier betrifft, so folgen wir in der Schilderung derselben in; Wesentlichen dem Berichte des leipziger Tageblattes vom 12. dieses: Tie Stadt Veipzig halte gestern Gelegenheit, Zeugin eines seltenen, solennen VeichenbegängniffeS nach jüdischem RitnS zu werten, einer dreifachen und mehrstündigen Trauerfeierlichkeit zn Ehren eines hochangesehenen Mannes der Wissenschaft, des seit 1S3& in der hiesigen philosophischen Faenltät als Ledor publicii.s der aramäischen und der talmndischen Sprache habilitirten Professors lJr. Julius F ü r st, Ritters des königlich sächsischen Albrechts- und des königlich prenstischen Kronenordens, Inhabers der k. k. öftreichischen großen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft. Wir nannten die Feier eine dreifache. Sie war es, da im Tranerhanse Prediger Do. GoleschmitL, und Stadtverordneter Moritz Kohner als Borsteher der israelitischen Religionsgemeinde, in wannen Worten den Gefühlen der anwesenden Veidtragenden 'Ausdruck verliehen. Der Hanpttheil der Feier fand in der Synagoge statt, wohin der Zug mit dem Sarkophage sich gegen zwei Uhr über den Angnstnsplatz durch die grimmalsche Straße bewegte, geleitet durch studentisches Tranereomilat, bestehend ans Deputationen vieler akademischen Berbindnngen, denen die umflorte Fahne der philosophischen Faenltät, sodann ein ans weißem Kissen liegender, von des Berstorbenen Zuhörern dargcbrachter Vorbeerkranz, der die Drdensinsignien des Entschlafenen umschloß, sowie ein zweiter, vorn Schriststellervereine gesandter, Vorbeerkran; vorangelragen wurden. Außer dieser studentischen Chrenbegleilnng waren zahlreiche Mitglieder der Gemeinde im Zuge. Die Synagoge war beleuchtet, der Altarplatz mit Flor drapirt, der Ehrenplatz des Berstorbenen auf einer der ersten Bänke ebenso, und durch einen umflorten Kranz bezeichnet. Der Berstorbene war ja Chremnitglied der israelitischen Gemeinde. Rache ein der nach jüdischem Gebrauche höchst einfach ausgeführte, schwarzdrapine, lorbeer- und blmnengeschmnckte Sarg vor dem 'Altarplatzc ausgestellt;var, und die Chargirten oder Depnlirleu der Stndirenden sich mit der Fahne zu beiten Seiten des Mittelschiffes gruppirt hatten, begann die eigentliche Feier,