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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-25 · Heft 9 (25.2.1873) · p. Seite 139

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 9 (25.2.1873)
Date
1873-02-25
Page
Seite 139 (sequence 5)
Language
German
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139 und rem Geiste der Masse anschließen müssen, weil sie sonst gar keine Hebel sür Erziehung und Unterricht sein können, so werden wir uns nicht verwundern, wenn die vorliegenden Elemeniarbücher ganz Dem entsprechen, was wir oben von der französischen JntenheWausgesagt haben, während z. B. das in anderem Geiste und mit anderer Tendenz abgefaßte religiöse Elemeutarbuch des Großrabbiners Aslruc in Brüssel in Frankreich allgemeinen Widerspruch fand. Ter Katechismus res Herrn Wogue.hält sich innerhalb der Gränzen, welche das orthodoxe Judenthum steckt, und sucht die Jugend nach allen Beziehungen hin mit demselben bekannt zn machen. Er legt die dreizehn Glaubensartikel des Maimonidcs zu Grunde, nur dringt ebenso gläubig aus die Festhaltnng des dreizehnten > körperliche Auferstehung), wie auf die des ersten, aus reu Glauben an den persönlichen Messias, rer die davirisibe Herrschaft in -Jerusalem wieder Herstellen wirr u. s. s.; er zählt die Speisegesetze unter die Pflichten gegen Gott, weil sie Gebote icomimliiüeuiei.t-'i Gottes sind, statt sie zn den Heiliguugsiuitteln zu rechnen, welche in die Pflichten gegen sich selbst gehören. Aus die Frage, was israelitische Religion sei, läßt er' die Frage folgen, was ein Israelit sei? Statt hierunter einen Bekenner dieser Religion zu verstehen, erklärt er Israelit als einen Rachkemmen Abrahams, während doch schon die heilige Schrift auch den Fremdgeborenen (mit Ausnahme einiger Bölkerstämmein die „Gemeinte Gottes" aufzuuehmen gestattet. Bon diesem Stantpnnete aus können wir der kleinen Schrift die Reichhaltigkeit des Stoffes und die Klarheit des Ausdruckes nachrühmen, und so wird sie in der Hand etucö tüchtigen Lehrers gewiß sehr gute Erfolge erzielen. Tie „Kleine heilige Geschichte" in ihrer zweiten Auflage ist eine einfache. dem kindlichen Alter ange'.uessene Darstellung der biblischen Geschichte, die jedoch bis zum Aufstande Bar Kochba's geführt ist. 'Wir wünschen, daß der Bersasser. wenn er einmal unsere Geschichte so weit erzählt hat, bei einer drillen Auslage auch eine kurze Uebersichl der Schicksale der Anten Vis auf unsere Zeit hinzufüge. Tenn es muß dock, aus den jugendlichen Leser einen eigenthümlicken Eindruck machen, mit dem unglücklichen Aufstauce die Geswichle seines Stammes und Glaubens, deren lebendiges Glied 'er ist, abgebrochen zu sehen. — „Jerusalem und seine Umgebung, nach aurheutlscheri Quellen in den neuesten Forschungen dargestellt von Wi'h. Elgner. Leipzig, Serbesche Berlagsbuchhautlung." Wer eine nicht zu ausführliche, dennoch genaue und gut geschriebene Schilderung dos.jetzigen Jerusalems mit seinen Bauwerken, Straßen und Umgebungen vor sich zu haben wünscht, rem könne,l.wir die obige Schrift empfehlen, wobei wir allerdings bemerken müssen, daß sie in, christlichen Sinne für christliche Leser abgefaßt ist. Ter Bersasfer ging mit Liebe an seine Ausgabe, und sucht, ohne der 'Wahrheit geradezu entgegen zu treten, ein Lichtbild von der heiligen Stad, und ihren Umgebungen zu entwerfen. ° Einige gut ausgesührte Holzschnitte, ein Plan von Jerusalem, und eine Karre von Palästina, unterstützen ihn hierin. Auffällig war es uns, daß der Bersasfer seine Arbeit mit einem Jrnlmine beginnt. Das Gesetz habe den Söhnen Israels vorgeschriebe». eiunial im Leben die heilige Star! und den Tempel zu besuchen. Bekanntlich schreibt das Gesetz vor, daß dies dreimal in jeden, Jahre geschehen solle. Wie der Bersasfer dies ausdrückl. laßt es keinen Zweifel zu, daß er die alten Israeliten während ihres Wohnsitzes in Palästina geineiut hat. Tie Ausstattung ist sehr ansprechend. l I i maM i exc LWi eßl eu. Deutschland. Leipzig, I I. Februar. lPrivanuitth.) Hente Nachmittag findet die Beerdigung des Professors I)r. Julius Fürst statt, nachdem in der Synagoge eine Trauerseier abgehalten sein wird. Ter Borstand der jüdischen Geuieiude, der Rector rer Universität, und der Borsitzende der Stadtverordneten, haben für den Berstorbenen ehrende Aussordernngen erlassen, an diesen Tranerfeierlichkeiten Theil zu nehmen, und da die hiesigen Zeitungen mit wahrhaft herzlichen Worten die Berdienste des Gelehrten, und die schlichte, kindliche Bescheidenheit desselben, anerkennend besprochen haben, wird die Betheiligung gewiß eine sehr große sein. Di-. Julius Fürst ist geboren am 12. Mai 1S<ir», und hat somit sein achtnndsechszigstes Lebensjahr nicht erreicht. Sein Geburtsort war Zcrkowo < Provinz Posen), und erst spät gelangte er dazu, sich eine gründliche wissenschaftliche Bildung zn erwerben. In Leipzig wurde er in den dreißiger Jahren eng besrenndet mit Franz Delitzsch, dessen Lehrer im Hebräischen und Ehalkäischen er gewesen ist, und mit welchem er eine Zeitlang zusammen arbeitete, so rast sie sich gegenseitig sür ihre verössentlichten Schriften Hülse leisteten. Später gingen ihre Wege zu sehr ans einander, da Fürst der jüdischen Ansllärnng. Delitzsch dem preieslantischen Pietismus huldigte. Seine schriftstellerische Laufbahn begann Fürst 1 V!.~>, und l dti'.r wurde ihn, gestattet, als Lector an der leipziger Universität thälig zn sein. War dies von der einen Seite ein, wenn man will, liberales Ziigestäridiüß der sächsischen Regierung, so belhäligie sich die dauernde Intoleranz derselben Regierung darin, daß sie rem über dreißig Jahre lhärigen akademischen Lehrer die ordentliche Professur feines Glaubens wegen nicht erwirkte, sondern ihn nur mit rer Titnlarprofessur bekleidete. Indes; wurde er von seinem Könige, sowie auch vom .Könige von Preußen mit Srren geschmückt, nur der Kaiser von Qeftreich hatte ihm die große goldene Medaille für Kunst nnd Wissenschast ver liehen. Seine Werte sind zahlreich, nur mir großem Fleiße und nmsänglichem Wissen gearbeitet, wenn auch, besonders die der letzteren Epoche, vor der strengen wissenschaftlichen Kritik nicht

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