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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-25 · Heft 9 (25.2.1873) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 9 (25.2.1873)
Date
1873-02-25
Page
Seite 138 (sequence 4)
Language
German
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138 läuternden Gefühlen erfüllte, den Willen zu hohen und edelen \ Literarischer Wochenbericht. Thaten begeisterte, wie es in den Kämpfen des Lebens Stärke j ) ) und Ausdauer, in beiden und Bedrängnissen Trost, in der Trauer: Bonn, 30. Januar. „Hebräisches Taschenwörterbuch über Ausrichtung gewährte, wie es der Jugend Leitung, dem Manne daö alte Testament für Gymnasien, Schulen und Universitäten Festigkeit, dem Alter beruhigenden Rückblick, ihnen Allen erhe-: eingerichtet. In ganz neuer vollständiger Ausarbeitung und mit bente Ausschau in die Zukunft bereitete — Dies macht es groß einem analytischen Anhänge versehen von Professor Dr. Julius und heilig für alle Zeiten. Davor verschwindet der Mißbrauch,' Fürst. Altenburg. Verlagshautlung' H. A. Pierer." Der als den menschlicher Jrrthum, menschliche Schwäche und Bosheit mit; Lexikograph rüymlichst anerkannte Verfasser hat vor dreißig Jahren ihm getrieben hat, und wenn Heuchelei und Herrschgier sich aus ihm Rüstzeug zu ihren Freveln schmiedeten. Wie konnte es auch anders kommen? Hingegeben den Menschen der verschiedensten Zonen und Zeiten, der mannichfaltigsten Bildungsstufen, Anschauungen und Charaktere, war dieses Wort den Mißverständnissen und Leidenschaften der Menschen, den Entstellungen und Verdunkelungen aller Arten unterworfen. Aber mitten in diesen Strömungen uns Wirbeln blieb es dennoch in seinen Driginallauten von einem treugläubigen Volke streng bewahrt und bewacht, gegen alle Zusätze späterer religiöser Gebilde durch Zählung seiner Worte, Verse und Abschnitte wie durch einen hohen und rmdurchdringlichen Zaun geschützt, und so in seiner, einmaligen Reinheit und Vollständigkeit durch die Zeiten getragen. Darum kann zu ihm in seiner Ursprünglichkeit immer wieder zurückgekehrt werden; darum kann eö zum Gegenstände immer neuer Forschung, neuen Verständnisses, neuen Durchdeukens und Erkennens gemacht werden; darum ist es noch heute so lebendig wie vor Jahrtausenden, in der Gegenwart lebendiger als vor Jahrhunderten, und wenn es Vorurtheilen begegnet, überwindet es sie, und bricht sich immer wieder Bahn in die Geister und Herzen, nach dem alten Sange: „Seine Lehre fließet wie Regen, seine Rede träufelt wie Thau!" Dieses Wort vom Sinai und von Zion, cs will vernommen sein in den Hütten der Armen, es will eiudringeu in die Hallen der Reichen und Großen — denn es will überall den Menschen treffen, in den Tiefen seines Verstandes, in den geheimnißvollen Kammern seines Herzens, und in den beweglichen Schwingungen seiner Einbildungskraft. Es will den ganzen Menschen erfassen. Es will ihm begegnen in allen Argen und Verhältnissen, eS will an alle Menschen." Nachdem nun daS Vorwort eine kurze Geschichte dieser Übersetzung gegeben hat, schließt es: „Auch auf diesem Wege soll das uralte, geheiligte Wort zu Denen gelangen, welche es lieben, und zu Denen, welche sich seinen Lauten, seinen Lehren und Mahnungen seit lange entschlagen, oder es gar nicht, oder wenig, kennen gelernt haben. Möge es viele und erfreuliche Stätten finden, und im Sinne der reinen Gotteserkenntniß, der aufrichtigen HerzcnSsrömmigkcit, rer Menschenliebe, des ReckNes und des Friedens seinen alten Segen erneuern, „„erleuchtend die Angcn, das Gemüth erquickend."" ein kleines hebräisches Schulwörterbuch mit Erfolg heransgegeben. Da er aber diesem stereotypirten Buche Verbesserungen nicht angedeihen lassen konnte, so entschloß er sich, dieses ganz neue Werk nach dein Standpnncte der jetzigen hebräischen Lexikologie zu bearbeiten, den ganzen Stofs umzugestaltcn, und mit fast 2<>n neuen Artikeln zu bereichern. Er bittet daher, diese neue Arbeit mit seinem alten Werke nicht zu verwechseln. Bei jedein Worte wird sein etymologischer Zusammenhang, seine verschiedene Bedeutung und die gewöhnliche Verbindung, in der es auftritt, angegeben. Belegstellen werden nicht angeführt. Eine große Sorgfalt verwendete der Verfasser daher aus die Angabe der Bedeutungen , und diese sind präciö mid in logischer Entwickelung ailsgesührt. Für Schüler und angehende Theologen, sowie zum gelegentlichen Nachschlagen ist dieses Taschenwörterbuch sehr brauchbar, und wird für das Studium des Hebräischen von mancherlei Nutzen sein. — Petit«; Histoire Sainte a l’usage des jeuues Israelites, par Isaae Levy, Graud-Iiabbin du Cousistoire de Yesou!. Nouv. t*d. Paris, L. Blum l 872. Cat<?- eliisme ou elements d'instriietion religieuse u l’usage de la jeunesse israelite; par M. le graml-rabbin Wogue. Paris, L. Blum 1872. Wir sind die Letzten, welche den Franzosen einen Vorwurf daraus machen, daß sie anders sind, als die Deutschen, oder unsere französischen Glaubensgenossen tadeln, daß sie andere Wege gehen, als ihre deutschen Stammesbrüder. In Frankreich, Jude oder Ehrist, führt ein Jeder in religiöser Beziehung seinen Lebenswandel, wie er cs für gut hält, will hingegen, sei es die Synagoge oder die Kirche, als ein abgeschlossenes Ganzes, als eine tradirte, nnveränderliche Gestaltung betrachtet wissen. Uns Deutsche hingegen beseelt der Drang, Leben und Lehre, Handlung und Glaube, Anschauung und Gottesdienst, in möglichste Uebereinstimmuug, in einheitlichen Zusammenhang zu bringen. So kam in Deutschland die Reformation zu Stande, so streben die deutschen Juden nach einer 'Reform des Judenthnmes, und wollen vom Herkömmlichen eben nur bewahren, womit sich eine pietätvolle Ueberzcngung einverstanden erklären kann. Wie gesagt, cs soll dies keine Aburtheilung, sondern nur die Bezeichnung der Dhatsache fein. Man spricht zwar innerhalb 2es französischen Judeuthumes manchmal von „Fortschritt" und Reform; allein es bleibt bei dem Worte, und die Dinge bleiben, wie sie sind, ebenso wie ganz Frankreich ohne irgend welche Bewcglmg sich dem Unsehlbarkeitsdogma des Vatieans unterworfen hat. Da mm Lehrbücher für die Jugend sich dein Bedürfnisse

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