Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1873)
- Date
- 1873-02-25
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
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137 Die Gustav Doresche Prachtbibel für Israeliten. Es ist -bekannt, daß der französische Künstler Gustav D ore, der sich besonders durch seine Illustrationen;u Daule große Anerkennung erworben hat, auch zur heiligen Schrift eine -)icil;c von mehreren Hundert bildlichen Darstellungen anSgesührl hat. Wir können hierbei betonen, daß ihm gerade die Bilder zu unserer heiligen Schrift meist vorzüglich gelungen, und unter ihnen meisterhafte Zeichlnmgen vorhanden sind. Tie Berlagöhandlung Eduard Hatlberger in Stuttgart hat bereits die Bibel mit diesen deröschen Illustrationen in. Prachtausgaben für Protestanten und Katholiken herausgegeben, und damit allgemeinen Beifall erworben, so daß schon mehrere Auslagen derselben nothwendig wurden. Dieselben enthalten die Uebersetzung der heiligen Schrift, wie sie jeder dieser beiden Kirchen eigen ist. mit den doröschen Bildern im größten Formate, in einer so glänzenden typographischen Ausstattung, wie sie kaum je überlressen worden ist. Herr Hallberger hat nun den Entschluß gefaßt, in derselben Weise die heilige Schrift für Israeliten herauszugeben, und uns aufgefordert, ihm hierzu unsere Uebersetzung zu überlassen, sowie die nöthige Anordnung aller Einzelnheiten, der israelitischen Anschauung gemäß, zu übernehmen. Wir sind hierauf gern eingegangen, indem wir uns nur vorbehielten, unsere Uebersetzung zu diesem Zwecke noch einmal im Sinne neuester Ergebnisse' zu revidiren. Bon den Bildern sind die, allerdings nur wenigen, entfernt worden, welche durch eine bildliche Darstellung (Lottes in einer israelitischen Bibel nicht erscheinen dürfen. Bereits ist das Werk in Angriff genommen. Mil dieser Prachtausgabe der heiligen Schrift schließt sich gewissermaßen der Kreis meiner biblischen Arbeiten ab, denen ich durch mein ganzes Veben einen großen Thei! meiner Zeit und Thängkeit gewidmet habe. Und darum wird es die Veser interessiren, an meiner Haut riesen Kreis zu durchschreiten, und ihnen einen Ueberblick darüber;n geben. Meine erste literarische Arbeit war eine biblische. Denn schon im September 1 >.27 erschien »Halle bei Nussdie Schrift: „Tie Propheten Hosea, Joel, Ionah, Dbadjah und A'ahuni in metrisch-dentscher Uebersetzung." Während meiner Universitäwjahre verössentlichte ich die Abhandlung: „lieber ras vorhomerische Zeitalter und dessen Spuren in den Denkmälern des hebräischen Bolkes," welche im S. Bande, Heft 1 (Jahrgang 1 i in der von Di'. 2. Heinemann herausgegebenen „Ieridja" erschien."» Mit dem Jahre 1S3U begann die Herausgabe meines größeren Bibelwerkes in Quart «Leipzig bei Baumgänner., welches in trefflicher Ausstattung den Text, die deutsche Uebersetzung, den ausführlichen deutschen Eemmentar, Einleitungen in alle Bücher der heiligen Schrift, und :»<»u feine englische Holzschnitte umfaßt, *) In dieser Abhandlung, einer Art von Parallele zwilchen dem hebräischen nnd griechischen Allerlbume. hat der Herausgeber der ..Jedidja" ans irgend einem enriosen Motive das öfter verkommende B?orr „inrnhisch" immer in ..mystisch" umgeändert, was das rechte Berständniß bisweilen beeinrrächligl. 1 ST> 1 vollendet ward, und eine so allgemeine Berbreilung fand, daß, trotz des hohen Preises und der Auflage von Exemplaren , bereits lb.Yi eine nette Auslage nolhweudig war, die gegenwärtig bis ans eine sehr geringe Anzahl wieder erschöpft ist. Der Eemmentar suchte die Resultate aller bisherige,» biblischen Forschungen znsammenzufassen. Die Holzschnitte sind sachlichen Illhaltes, amigtlarisch, nalurhistorisch und topographisch. Bon dem Pentatenche nnd dem Jesajas erschienen l s<;:; ans dieser Altsgabe die Uebersetzung und der Eemmentar besonders. — Unterreß hatte ich den Gedanken zur Gründung der „Israelitischen Bibelanstalt" gefaßt, um für das Bolk israelitische Bibeln, hebräisch und deutsch, zu den möglich wohlfeilsten Preisen;u beschaffen, und meine geehrten Eollegcn, die Herren Vandan und K'aemps, boten mir dazu bereitwillig die Hand. Wir haben über diese Anstalt vor Kurzem Mr. r») berichtet. Die Bibeln dieser Anstalt sind bereits in mehr als Hnnderttansend Exemplaren verbreitet. An diese schließt sich' nun jetzt die oben besprochene Prachtausgabe mit den dorösä>en Illustrationen, welche gewiß geeignet ist, in den Häusern unserer begüterten Glattbensgenossen unsere heilige Schrift wieder zu Gesicht und Kenntnis; zu bringen, Demjenigen, der dieses heilige Monument unserer Bäler liebt, ein erfreuliches Zeichen der Berehrung zu sein, Demjenigen, rer sich der Kenntnis; unseres ehrwürdigen Erbtheiles' nicht erfreut, es nahezu bringen. Wir sügen diesem kurzen Berichte das Borwort hinzu, toelches wir dieser neuen Ausgabe rer heiligen Schrift vorangeftelll haben.' „Seit Jahrtausenden wirkt das 'Wort, das vom Sinai und von Zion ansgegangen ist, fort und fort belebend und gestaltend auf die Geschlechter, die einander folgten Diese unermeßliche Wirksamkeit schon sichert ihm die höchste Stellung unter allen Erzeugnissen des Geistes, eie durch das Wort im Munde der Menschen sixirt, und zu unaufhörlichem Einflüsse, zu nie erschöpfter Kraft, gelangt sind. Dieses Wort vom Sinai und von Zion, lange Zeit durch ein einziges Bolk, durch dessen Kämpfen und Ringen getragen, ergriff dann durch die beiden, ihm entstannnten Töchterreligienen die abend- und die morgenländischen Belker, arbeitete mit an der neuen Gesellschaft, die sie aus den Trümmern der alten Welt errichteten, belebte und beeinflußte ihre großartige Eruwickelung, erstand von Reuem durch Uebertragung in alle lebenden Sprachen im Bewußtsein der '.Kationen, und war so einer der stärksten Hebel, um aus dem verfallenden Mittelalter eine neue geistesstarle Zeit herauszuschassen, die wir die Gegenwart nennen. Wer vermöchte so die Wirksamkeit dieses Wortes nur annähernd zu übersehen? Und doch, neben diesen Erfolgen im Großen steht die unabwägbare Segenskraft, die es ans zahllose Einzelne, die es auf die Seelenstimmung und die Seelenznstände. und damit auch ans das Dasein, ans das Thun und Waffen der Einzelnen, übte. Wie es die Geister mit religiösen und sittlichen Begriffen erleuchtete, die Gemüther mit ü*