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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-18 · Heft 8 (18.2.1873) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 8 (18.2.1873)
Date
1873-02-18
Page
Seite 129 (sequence 15)
Language
German
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129 großen Heerschaar anzuschtießcn. Zunächst wandte er sich gegen Süden nach Fakns, dann immer in dem, vom pelnsinischen Nilarme bewässerten Fruchtlande, vielleicht in die Nähe von Pithom, etwa bis zu der, heute Scheck) Müsa genannten Stätte, wo sich die weiter nach Süden wohnenden Familien, namentlich die ans der Gegend von Bclbös und Heliopolis, leicht der großen Answandererarmce anschließen konnten. Nach Cftcn abschwenkeud, durchzog er mit den immer stärker werdenden Schaaren das Wadi Tumilür, welches hebräische Frohnarbeit mit dem Eauale versehen hatte, dem cs seine Fruchtbarkeit verdankte. Li irgend können die Inden zahlreicher gewohnt haben, als in dieser, den Isthnnts von Snes mit den: Nile verbindenden Sasis, in deren Osten die Stadt Namses gelegen war, welche letztere der Heerführer von Anfang an als Sammelplatz in's Auge gefaßt haben muß; lag doch Ramses so, daß es in der gleiten Zeit von allen Theilcn der Landschaft Gosen aus erreicht werden konnte. Pelnsinm, das sauunt seiner Umgebung, wegen der semitischen Fremden, die hier hausten, typhonisch genannt wird, und das dem, von mehreren alten Exoruserklärern erwähnten Abaris gleichgesetzt werden darf, wird zu Gosen gezählt werden müssen. Es konnte unmöglich zum Sammelplätze gewählt, ja es mußte von den Auswanderern vermieden werken, denn seit der Vertreibung der Hhksos lag hier in der alten Gränzsesiung, die mehrfach „der Schlüssel des Landes" genannt wird, eine starke Trnppenmacht. Schnellfüßige Bolen, an denen es unter den Orientalen niemals mangelt, kennten das Signal zum Ausbruche leicht dorthin tragen, und es läßt sich ohne Zwang annehmen, daß am vierten Tage nach .der Nacht des vierzehnten Nisan sich die gesammte Schaar der Auswanderer in Ramses znsammengesnnden hatte. Bon hieraus konnte erst (Exod. 12, 37) der Auszug des vollzählig versammelten Belkes beginnen. Dankbares Staunen über die Gnade, die sein Gott ihm erwiesen hatte — heiße Sehnsucht, sich den verhaßten Bedrückern zu entziehen, freudiges Zutrauen aus die Person und die Verheißungen seines Führers, frohe Hoffnungen auf ein künftiges scheueres LooS, hatten das so lange geknechtete Volk befähigt, sich gewaltigen Anstrengungen freudig zu unterziehen, und der Umstand, daß es sich zu einem furchtbaren Heere von Tausenden hcrangewachsen sah, in ihm die neue Empfindung der >irasr. tiud somit deS Muthes, erweckt. „Durch hochgehobene Hank" <Epod. M, S) waren sic ausgczogcn. und „gerüstet zogen die Söhne Israels aus dem Lande Aegypten" lErod. 13, IS). Noch warf keine Befürchtung vor den zu erwartenden Entbehrungen und Gefahren ihre Schatten in die freudig erregten Gemüther, noch hatte cs ihnen nicht an süßem Wasser und reichem Futter für das Vieh gefehlt, noch waren sie nicht aufgehalten, sondern vielmehr gedrängt werden. Li ach Palästina, nach dem gelobten Lande hin, „das fließend war von Milch und Honig", hieß das Feldgeschrei, dahin führte der Weg. und nach kurzer Rast betraten die schon ermüdeten Schaaren, der Mahnung ihres Leiters gehorchend, die nach Syriern führende Straße, und lagerten, zum ersten Male nach einer Wanderung durch die wasierlese Wüste, zu Snkkorh im Süden res heutigen Ballahseees. Schon hatten viele Frauen Kraft und Nalnung verloren, waren Binder erkrank?, halte das Viel' gelitten, stellte sich bei den schwächeren Männern Mmhlesigkeit ein, da man wußte, daß man der Festungslinie sich nahe, uttd ein >i'amps gegen die Schwerter derselben wehlgerüsteteu Soldaten bevorstehe, vor deren Stock man zu beben gewohnt war. Als man am folgenden Tage unweit der Bastionen (Elhann am Ende der Wüste lagerte, äußerte sich die Furcht lauter als vorher, ließen sich wohl jene Stimmen hören, von denen cs Exod. 11, 12 heißt: „Laß ab von uns, wir wollen den Aegypteru dienen; denn besser ist es uns, den Aegnptern zu dienen, als daß wir sterben in der Wüste." Diese 'Worte waren noch, wie es ausdrücklich heißt, ans ägyptischein Beden gesprochen worden. Der weise Führer, der nicht nur mit Weg und Steg, und dem Charakter seiner verwahrlosten Landslente, sondern auch ebenso gut mit den politischen Behältnissen Aegyptens und seiner Nachbarländer vertraut war, hatte Das, was nun eintrat, vorausgesehen. Er wußte bestimmt, daß er nicht nur von den Garnisonen der ägyptischen Gränzsestuugen, sondern auch bald daraus von den Fürsten des südlichen Palästina, die, wären sie auch nicht mit dem Pharao verbündet, gewesen, das Riesenheer der, einer neuen Heimath bedürftigen, losgebrochenen Zwangs - arbciter und Hirten mit dem Aufgebote aller Kräfte von ihren Gebieten sernzuhalten versuchen mußten, angegriffen werden würde. — Von zwei Heeren würde er, selbst wenn cs ihm gelungen wäre, die Fortisieation der Landenge zu durchbrechen, ausgehalten, und von ägyptischen Wagenkämpsern, welche die 'Wanderer bald cinholen konnten, und palästinensischen Heeren, ins Rücken und in der Fronte zu gleicher Zeit angegriffen und vernichtet worden sein; denn, wie zahlreich auch das ihm nachfolgende Volk sein mochte, so war es eben ein Volk, mit 'Weib und Kind, und kein Heer. Er kannte die diseiplinirten Armeeen, denen er begegnen sollte, und wußte, daß sie, gehorsam jedem Winke eines geübten Führers, sich zu diesem verhielten, wie die Thal znm Willen, während er bei den befreiten Sklaven, die er führte, nur Unverstand, Unordnung und frecher Anslehnnng, den übernn'lthigen Flügelschlägen der nach langer Fesselung losgebnndenen Schwingen, zu begegnen voranssetzen durste. Bei Snkketh war das erste, vor Eiham das zweite Lager aufgeschlagen worden, und bei dieser Gelegenheit kann es nicht gefehlt haben, daß die ganze Störrigkeit, der Eigennutz und der Uebermnth, daß der Mangel an Diseiplin und an dem (Gefühle der Zusammengr.'hör:gkeit des Belkes, auf's 'Widerwärtigste zur Erscheinung kam. Wer mit einer Karawane gereist ist, der weiß, wie norhwendig es ist, daß bei der Ausstellung und dem Abbruche der Zelte die strengste Ordnung gehandhabt, und soldatische Diseiplin aufrecht erhalten wird. Freilich mag, wenn Frauen nnd Kinder zu den

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