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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-18 · Heft 8 (18.2.1873) · p. Seite 128

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 8 (18.2.1873)
Date
1873-02-18
Page
Seite 128 (sequence 14)
Language
German
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128 Main berichtet. Ein gewisser Eliezer ben-Samuel hat den Bericht in dieses Retizenbnch ansgcnonnnen, so wie er ihn in eine alte wormser Tesillah eingeschrieben fand. Bald nach Eingang der Aufforderung des Markgrafen von Meisten traf der Bogt Schnetze in R'erdhaufen ein. und trat auf dem Nachhause, welches damals aus dem >iornmarkre stand, vor dem versammelten Rache als Ankläger der Hilden ans. Der Rath glaubte, sich der Allsforderung des Markgrafen nicht widersehen zu dürfen: der Rabbiner der jüdischen Gemeinde, Rabbi Jakob, und die Geineilldevorsleher, wurden auf das Nachhaus eitirt, und cs wurde ihnen hier eröffne:, daß sie der Brunnenvergisiung angeklagt seien.. Die Borgeladenen riefen Gott zum Zeugen an, dast die Beschuldigung unwahr sei, aber als sie der Bogt von Salza wie gemeine Berbrecher anschnallbte, und ihriell die vielen Geständriisse anderwärts Gefolterter herzählte, verstunlnlteu sie. Dhne weitere Untersuchung verkündete ihnen der Rath, dast sie ihre Frevel am :>. Mai mit dem Feuerlode zu büßen haben würden. Do blieb ihnen Nichts übrig, als sich auf den unvermeidlichen Tod zu rüsten. Der Rabbiner und die Gemeindevorsteher, mit dellen er sich verständigt hatte, erschienen nochmals ans dem Rathhanse, und legten den Rathsherren, mit Berufung aus das gute Berhältnist, in welchem die jüdische Gemeinde bisher immer zur Statt gestanden hatte, die Bitte vor, dast man ihnen gestalten mochte, unter Musik nnd Tan; in den Tod zugehen. Die Bitte war seltsam, aber der Rath fand eine Gewissenserleichternng darin, sie nicht abznschtagen. Aus dem jüdischen Friedhofe, auf dem Tuchrähm, beim Jndenthurme, wo fehl noch einige alte jüdische Grabsteine cingemanert sind, wurde eine tiefe, weite Grube gegraben, und darin ein Dcheiterhausen geschichtet, lieber die Grube wurden Breter gelegt, wie wenn im Freien zur Psingstweihe ein Tanzboden gezinimert wird. Ter Rabbiner hatte befehlen, dast am l. Mai, wo Dies geschah, Niemand dxn Friedhof betreten solle, Niemand solle das Blutgerüst sehen, insgeheim hatten ste auch den Stattmnsikus mit seinen Spiel- U'utou aus Morgen früh znr bestimmten Stunde dorthin bestellt. Auf den Abend wurde die ganze Geiueinde mit den Frauen und mindern, wer nur immer das Hans verlassen konnte, durch den Dchnltlopfer zum Gottesdienste gerufen. Dort blieben sie in der Nacht vom 1. zum Mai beisammen. Gebet und Gesang wechselten mit Ansprachen, durch welche Rabbi Jakob sie aus den bevorstehenden Todesgang vorbereitete. Als die vom Ralhe anberamnle Morgenstunde gekommen war, forderte der Rabbi die Gemeinde auf, mit ihm nach dem Friedhose zu ziehen, und dort unter Gesang und Tanz den Rainen des Herrn zu heiligen, wie einst David und ras ganze Haus Israel gethan, da sie die Bnndeslade nach Zion geleiteten. Tie Gesetzrollen, die reichgestickten Vorhänge des heiligen Dchreines, die goldenen und silbernen Gerälhe, wurden veriheilr und mitgenommen. Rabbi Jakob eressnete den Zug. an welchen Wöchnerinnen und Kranke, in ihren Betten getragen, sich anschlossen, und sein Lohn Rabbi I Mi-ir schlost ihn, um zu sorgen, rast Keiner znrückbleibe. Als man auf dem Friedhöfe angelangt war, wurden die Gesetzrotten nnd die anderen Heiligthnmer auf den brerernen Tanzsaal znsammengelegt. Auf ein Zeichen des Rabbi begann die Musik.; Gleichzeitig intenirle der Borsänger einen melodisch schönen, und das Rationalgefühl mächtig anfachendcn, liturgischen Gesang.; Ehegatten, Geschwister und Freunde umsingen sich und drehten -sich, von todesmmhiger Begeisterung, zugleich aber von niederzuhallender Todesangst gelrieben, immer stürmischer im Kreise. Tic Stadlknechte hatten kurz vor Ankunft deS Zuges die Holzschicht unter den Bretern angezündet. DaS Feuer begann immer ' hörbarer zu knistern und zu prasseln; die Todesmuthigsten aber : machten es nnhörbar durch immer lauteres Singen und stürmisch eres Walzen, und Rabbi Misir, des Rabbiners Sohn, um-! ging den Rand, damit nicht etwa Einer ans Verzagtheit entweiche. Als nnn aber die Breter vom Feuer ergriffen wurden,! und die Flammen emporznschlagen begannen, da ries der Rabbi Jakob mit alles übertönender Stimme: Haus Jakobs! auf! und lasset uns wandeln im Lichte des Herrn! Die Paare umschlangen sich krampfhaft, und schwangen sich Herz an Herz auf dem! immer enger werdenden Raume herum, bis der Tanzboden unter! ihren Füßen krachte, und dieser ganze Menschenknäuel nebst Gesetzrotlen und Heiligthümern in die Flammengrube stürzte. Ein? Bote, reu Rabbi Eleazar. ein zweiter Sohn des Rabbiners, beauftragt hatte, meldete der ansterthüringischen Judenschaft dieses -Martyrium ihrer nordhänser Volksgenossen. Sie verbrannten Alle — sagt die Handschrift - nicht Einer blieb übrig, aber es wurde kein Ach und Wehe vernommen, selbst nicht ans dem Munde der Kinder. Durch Gosen zum Sinai. t Fortsetzung.) Der Auszug der Hebräer. Wir würden gegen den Sinn des biblischen Berichtes zu verstoßen glauben, wenn wir, wie das von manchen Seiten geschehen ist, annehmen würden, der Pharao habe Mose in der stacht zu sich berufen, und am Morgen wären die Israeliten versammelt gewesen und, vollzählig ansbrechend, am Abend nach Sukkoth gelangt. Ferner werden die angegebenen Stationen keineswegs alö das Ente von je einer Tagereise bezeichnet, denn Exod. 13, 24 heistt es ausdrückliäi, die Juden wären Tag und Nacht gezogen. Mose harte den Weg, den er daS Volk führen wollte, wohl überdacht. Er mustle, wie gesagt, so beschaffen sein, daß er mitten durch ihre Ansiedctungsplätze führte, und auch den entfeniter Wohnenden die Möglichkeit an die Hand gab, sich der

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